MyMz
Anzeige

Neuaufbau

Neustart für den Duggendorfer Schreiner

Im März brannte die Schreinerei von Gerhard Schönberger komplett ab. Ein Jahr später soll dort wieder produziert werden.
von Michael Sperger

Die ersten Maschinen sind da, bald wird wieder produziert. Foto: Schönberger
Die ersten Maschinen sind da, bald wird wieder produziert. Foto: Schönberger

Duggendorf.Noch vor neun Monaten war die Schreinerei des Ehepaars Schönberger nicht mehr als solche zu erkennen. Glassplitter lagen überall herum, der Dachstuhl war in sich zusammengebrochen. Ein rauchiger Geruch nach Feuer lag noch am Tag danach in der Luft.

In der Nacht auf den 14. März hatte ein Großbrand die Produktionshalle der Schreinerei in Duggendorf völlig zerstört. Der Grund war ein technischer Defekt, wohl ausgelöst durch Nager im Dachstuhl. Die Polizei bezifferte den Schaden auf etwa eine Million Euro. „Und der immaterielle Schaden war noch weitaus größer“, erinnert sich Elvira Schönberger. Sie und ihr Ehemann Gerhard standen vor den Trümmern ihrer Existenz. Wie es weitergehen sollte, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Ansatz.

Die Schreinerei wäre nächstes Jahr 50 Jahre alt geworden. An einen Neuaufbau war noch nicht zu denken. Zu groß war der seelische Schmerz des Ehepaars. Doch die Schönbergers sind Kämpfer.

Das Haus strahlt wieder himmelblau. Foto: Schönberger
Das Haus strahlt wieder himmelblau. Foto: Schönberger

Mittlerweile erstrahlt das Gebäude wieder in derselben himmelblauen Farbe wie vor der Horrornacht – als wäre nichts gewesen.

Stressige Zeit nach dem Brand

Ruhige Tage hatte das Ehepaar nach dem Brand kaum. Ein Termin reihte sich an den nächsten. „Wir wussten zum Teil gar nicht, was die Leute jetzt von uns wollten“, sagt Gerhard Schönberger. Versicherungsvertreter, Polizeiermittler und Brandermittler – sie alle standen bei den Schönbergers Schlange. Als „eine chaotische Situation“ bezeichnen es die Betroffenen.

Werfen Sie im 360-Grad-Foto von Katharina Eichinger einen Blick in die zerstörte Schreinerei. Klicken Sie und bewegen Sie sich mit der Maus (oder dem Finger, wenn sie ein mobiles Endgerät nutzen) in dem Bild, um sich umzusehen:

Die Schreinerei ist vollständig zerstört. - Spherical Image - RICOH THETA

Doch das Team der Schreinerei hat zusammengehalten. „Unsere Mitarbeiter sind alle noch da“, freut sich Gerhard Schönberger. Und das, obwohl es nicht immer einfach war. Doch wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg. Die Montagearbeiten wurden wie gewohnt weiter ausgeführt. Schwieriger wurde es bei eigenen Anfertigungen. In einer anderen Schreinerei in Duggendorf, die der Besitzer zur Miete anbot, kam die Firma unter. Mit den dort vorhandenen Maschinen setzten sie die Produktion bereits knapp einen Monat nach dem Brand fast wie gewohnt fort. Ein weiterer Kollege hatte außerdem zwei Spezialmaschinen zur Verfügung gestellt.

In unserer Bildergalerie sehen Sie weitere Eindrücke aus der Unglücksnacht.

Großbrand in Duggendorf

„Ein paar Teile mussten wir bei anderen Schreinereien fertigen lassen“, sagt Elvira Schönberger. Die ausstehenden Aufträge konnten aber alle ausgeliefert werden.

„Neubau lief so nebenbei“

Doch die Schönbergers wollten nicht bis auf alle Ewigkeit als Mieter in einer fremden Schreinerei bleiben. Relativ bald stand ihr Entschluss deshalb fest: Sie bauen noch mal neu. Die Versicherung zahlte den Schaden.

Im vergangenen März zerstört der Großbrand die Schreinerei.

Im Juni begann dann der Abriss des zerstörten Gebäudes und bald darauf startete der Aufbau der Schreinerei. Die Baugenehmigung vom Landratsamt war erteilt und Firmen für die Baustelle waren zum Glück relativ bald gefunden.

„Der Neubau lief dann wirklich so nebenbei. Wir mussten ja weiter produzieren“, sagt Elvira Schönberger. Gerhard Schönberger sah auf der Baustelle nach dem Rechten. „Dafür musste er schon auch die Geschäfte etwas vernachlässigen.“ Die Mitarbeiter hielten den traditionsreichen Laden von Schreinermeister Gerhard Schönberger am Laufen.

1968 hatte sein Vater die Schreinerei aufgebaut, 1986 hat Gerhard Schönberger den Betrieb mit 22 Jahren übernommen. Nach und nach investierte er immer mehr in die Firma und spezialisierte sich auf Ladenbau. Heute beschäftigt er zehn Mitarbeiter.

Wie viel wissen Sie noch aus dem Jahr 2017? Testen Sie es in unserem Quiz.

Vor der Produktionshalle riecht es nach Wandfarbe – frischer himmelblauer Farbe. Von außen sieht die Produktionshalle aus wie vor dem Brand. Die ersten Maschinen sind auch schon wieder eingebaut. Eine neue, moderne Heizung und ein größeres Eingangstor optimieren die neue Halle.

Fast alles ist bereit für die Rückkehr an den Ursprungsort. „Keiner hätte gedacht, dass unser Gebäude schon so bald wieder steht“, sagt Elvira Schönberger. Alle haben mit angepackt. Jetzt fehlen nur noch Kleinigkeiten für den Umzug zurück an den Haidberg. Stromversorgung und mehrere Spezialmaschinen müssen noch neu in die Produktionshalle. Diese werden zwischen Januar und Februar geliefert.

„Keiner hätte gedacht, dass unser Gebäude schon so bald wieder steht“

Elvira Schönberger

Mitte März im kommenden Jahr wollen die Schönbergers mit ihren Mitarbeitern den Neustart in der Produktionshalle angehen – ziemlich genau ein Jahr nach der Brandnacht. „In den eigenen vier Wänden“, wie Gerhard Schönberger sagt, soll dann alles wieder so werden wie vor dem Feuer.

Den Jahresrückblick aus dem Regensburger Landkreis finden Sie hier.

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht