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Technik

Oberpfälzer Roboter fährt für Forschung

Ein innovatives Start-up aus dem Landkreis Regensburg baut Sonderanfertigungen für Bergbau, Film und Landwirtschaft.

Sein Name ist Innok Heros. Er ist etwa 90 Zentimeter groß, 70 Zentimeter breit und einen Meter lang, wiegt aber um die 140 Kilogramm. So stark ist der Kleine auf den vier Reifen mit Traktorprofil, dass er wohl einen Lastwagen ziehen könnte – soll er aber nicht. Er hat eine heldenhafte Aufgabe, wie sein Nachname „Heros“ andeutet: Der Roboter ist der erste, der unter Tage arbeitet. Seine Erfinder haben ihn bereits in Sachsen an die Bergakademie Freiberg übergeben, auf dass er für die Technische Universität ins einzige Forschungsbergwerk Europas einfährt.

Zur Welt kam Innok Heros in Münchsried, Gemeinde Brunn, Landkreis Regensburg. In dem Ort mit 110 Einwohnern sitzt im Wohnhaus des Ingenieur-Ehepaars Alwin (31) und Sabrina Heerklotz (29) das Start-up „Innok Robotics“, das Alwin Heerklotz mit Alexander Boos (31) zusammen leitet. Dominik Herwald (30) ist der vierte im Team, das den selbstständig fahrenden Roboter in zehn Wochen als Sonderanfertigung für die Freiberger Forscher baute.

Das Team beschäftigt sich im Projekt „Mining-RoX“ mit dem Einsatz intelligenter Serviceroboter im Bergbau. Die Wissenschaftler um Bernhard Jung, Professor für virtuelle Realität und Multimedia, wollen die Roboter in den nächsten zwei Jahren dazu bringen, exakte 3D-Karten zu erstellen und Umgebungsdaten wie Luft- und Wasserqualität zu erfassen.

Die Geschäftsführer von Innok Robotics, Alexander Boos (l.) und Alwin Heerklotz mit einem Robotermodell, das dem Bergwerksroboter sehr ähnlich ist und für das Filmprojekt „Waldsterben“ im Einsatz war.
Die Geschäftsführer von Innok Robotics, Alexander Boos (l.) und Alwin Heerklotz mit einem Robotermodell, das dem Bergwerksroboter sehr ähnlich ist und für das Filmprojekt „Waldsterben“ im Einsatz war. Foto: Ried

Das „mannarme Bergwerk“ als Ziel

Jung erklärt den Hintergrund: „Der Bergbau bietet, wenn er immer tiefer wird, immer schlechtere Bedingungen für die Arbeit von Menschen. Mit „Bewetterung“ ein erträgliches Klima zu schaffen, werde dann immer teurer; unter Tage ist es bisweilen extrem feucht, mit zunehmender Tiefe wärmer, ohne technische Maßnahmen wäre der Sauerstoff schnell verbraucht, gefährliche Gase nähmen überhand. Die Vision von Professor Jung ist deshalb das „mannarme Bergwerk“.

Für die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist diese Vision äußerst zukunftsträchtig. „Weltweit geht der Bergbau sehr stark in Richtung Automatisierung“, sagt Ulrich Schwarz-Schampera, bei der BGR zuständig für Lagerstätten. „Die Sicherheitsvorschriften werden immer strenger.“ Zudem werde immer tiefer gearbeitet. In Südafrika schürften Bergleute beispielsweise in bis zu vier Kilometern Tiefe Gold. Roboter könnten Menschen einmal die Schufterei unter Tage abnehmen, sie könnten aufgelassene Gruben kontrollieren, sie verfüllen, also schließen.

„Das wird noch eine Weile dauern“, sagt Jung über seine Vision. Zunächst schickt er Innok Heros auf Erkundungstour in bis zu 150 Meter Tiefe. Die Grundausrüstung bekam der Roboter in Münchsried: Vier Motoren machen ihn stark und beweglich genug, um Gleise zu überqueren und Steigungen zu bewältigen. Sein intelligenter Kern – zwei leistungsstarke Rechner – ist geschützt gegen Feuchtigkeit, Schmutz und Säuren. Die Zusatzausstattung aus 3D-Scanner, Kameras und einen Roboterarm verpassen ihm die Freiberger.

Unternehmensvideo: Roboter räumt Schnee

Dreharbeiten in unwegsamen Gelände

Roboter nach dem Baukastensystem sind die Spezialität von Innok Robotics. „Wir arbeiten so, dass die Leute ihre Ideen auf dem Fahrzeug gleich umsetzen können“, sagt Heerklotz. So drehte ein kleinerer Bruder von Innok Heros, ausgestattet mit einer Kamera, gerade für einen jungen Regensburger Regisseur und sein Team in unwegsamem Gelände den Film „Waldsterben“ über Menschenhandel.

Eine Anwendung in der Landwirtschaft entwickeln die Ingenieure in Zusammenarbeit mit einem Gartenbaubetrieb, der Sämaschinen vom Roboter ziehen lassen will. Schon mehrere Dutzend Stück haben sie von der „Hausmaus“ verkauft: eine per Smartphone steuerbare kleine Plattform, die die Ingenieure auf einer Messe als „Schoko-Hol“-Roboter präsentierten. Der größere „RP6“ mit Tast- und Infrarotsensoren ging für einen Elektromarkt in Serie.

Entwicklungen wie diese sorgen für ein „Grundrauschen“ im Geschäft, mit dem die Gründer allerdings noch keine schwarzen Zahlen schreiben. Die Investitionskosten sind hoch, die Vorlaufzeiten bei den Anwendern – gerade in der Forschung – lang.

Technik aus der Oberpfalz und Ostwestfalen

Das erste Spezialfahrzeug, den schnellen „Innok TX“, entwickelten die Ingenieure aus Brunn als Studenten. Boos hat in Regensburg Maschinenbau studiert. Alwin und Sabrina Heerklotz, die Boos aus der Schule in Regensburg kennen, machten in Paderborn Abschlüsse in Ingenieurinformatik und Elektrotechnik. Dort lernten sie Ingenieurinformatiker Herwald kennen, der sich meist von Paderborn aus um die Elektronik kümmert.

Das Exist-Stipendium für innovative Gründungen unterstützte sie anfangs. „Jetzt merkt man so langsam, dass wir auf dem Markt ankommen“, sagt Boos. Für ihre Roboterarme, ein zweites Standbein, beginnen sich kleine und mittelständische Betriebe zu interessieren. Daneben ist die Firma auch noch Dienstleister.

Wie sich das Modell Innok Heros macht, wird das Team aus Münchsried genau verfolgen. Dringend auf menschliche Hilfe ist er eigentlich nur angewiesen, wenn ihm der Saft ausgeht. Wenn man ihn nicht extrem fordere, halte der Akku zehn Stunden und länger durch, meint Heerklotz. Das tiefentaugliche Ladegerät hat er seinem Roboter mit auf den Weg gegeben.

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