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Soziales

Offen mit Handicaps umgehen

Alteglofsheim lud die „Kontaktgruppe für Behinderte und Nichtbehinderte“ zum Austausch ein: Eine Premiere für die Gemeinde und für den Verein.
Von Lisa Schultes, MZ

Der Gemeinderat und der Verein „KBN“ trafen sich zum Dialog – einer der Anlaufpunkte war die Pfarrkirche des Ortes. Foto: Schultes

ALTEGLOFSHEIM. Normalerweise gestaltet sich das Ausflugsprogramm der Kontaktgruppe für Behinderte und Nichtbehinderte e. V. (KBN) anders. Da werden Begegnungsfahrten veranstaltet, man geht gemeinsam Kegeln oder Schwimmen. Aber eine Gemeinde besuchen? Das hat es bis jetzt so noch nie gegeben. „Das ist hier das erste Mal, dass uns eine Gemeinde zu sich einlädt. Das ist einfach schön, einfach einmalig“, schwärmt die KBN-Vorsitzende Margit Adamski.

Die Gäste versammelten sich im Erdgeschoss des Rathauses, wo Bürgermeister Helmut Stiegler alle herzlich willkommen hieß. Er verschaffte ihnen einen Überblick über ein, wie er es nannte, „kleines Dorfrathaus“. Dabei wurde der Personenaufzug natürlich besonders hervorgehoben, den Vereinsmitglieder gleich testeten.

„Soziale Anerkennung ist wichtig“

Im ersten Stock ging es dann in den Sitzungssaal, wo sich die Besucher wie echte Gemeinderäte fühlen durften. Ganz nebenbei stellte Stiegler fest, dass die heute vertretenen KBN-Angehörigen genau mit der Anzahl der Gemeinderäte übereinstimmten – nämlich 16 Personen. Ungewohnt war allerdings, dass der Gemeinderat an diesem Abend eher im Hintergrund des Saals Platz genommen hatte. Der Bürgermeister lobte die ebenfalls anwesende Rätin Christine Frey, deren Idee es war, den Verein persönlich einzuladen. Adamski hob das soziale Engagement der Gemeinde hervor. Immer wieder betonte sie, wie erfreut sie über die Einladung war. „Freizeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens, ist Ausdruck von Lebensqualität, sozialer Anerkennung und des Miteinanderseins“, brachte sie auf den Punkt.

Darum habe es sich der KBN zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Behinderung ebenfalls die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Es sei wichtig, dass auch sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Anschließend nannte Herr Stiegler wissenswerte Fakten über die Gemeinde Alteglofsheim. Vom behindertengerechten Schul- und Kircheneingang, über Einwohnerzahlen bis hin zur dritten bayerischen Musikakademie war das Themenspektrum weit gefächert. Die Atmosphäre war locker und unbeschwert. Von Schüchternheit oder gar Berührungsängsten war keine Spur. Der Bürgermeister wurde mit Fragen gelöchert.

Im Anschluss ging es weiter in die Kirche. Die örtliche Heimatpflegerin Helga Schwarz empfing die Gruppe. Sie wusste zu allem, sei es die Deckenmalerei, der Kreuzweg oder der Hochaltar, eine Geschichte. Um den Abend perfekt abzurunden, gab es im Gasthaus Schwamm noch eine bayerische Brotzeit für alle.

Spenden für vereinseigenes Auto

Der starke Zusammenhalt des Vereins war kaum zu übersehen. Arno Andreas Schmitt ist bereits seit 15 Jahren Mitglied beim KBN. „Ich mag von A bis Z alles hier. Es ist ein Miteinander und kein Gegeneinander“, schwärmt er. Leider seien mehrtägige Ausflüge eine Seltenheit, da Busse mit Hebebühne sehr teuer seien.

Adamski erklärte, dass die staatlichen und kommunalen Zuschüsse bei Weitem nicht dafür ausreichen würden, darum freue man sich jederzeit über finanzielle Unterstützung. Die Gemeinde Alteglofsheim spendete dem Verein 200 Euro, wofür man sichtlich dankbar war. Das meiste Geld werde in das vereinseigene Auto investiert, vor allem weil es schon sehr viele Jahre auf dem Buckel habe.

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