MyMz
Anzeige

Freizeit

Pfatterer Glubberl sind die Renner

Sandy Aumüller aus Pfatter hat ein ungewöhnliches Hobby. Sie gestaltet Wäscheklammern in vielen Variationen.
von Walter Schiessl

Mit Fingerspitzengefühl beschriftet Sandy Aumüller die Glubberl.Foto: Aumüller
Mit Fingerspitzengefühl beschriftet Sandy Aumüller die Glubberl.Foto: Aumüller

Pfatter.Sandy Aumüller ist eine quirlige junge Frau. Die gebürtige Niederbayerin, die aus Bogen stammt und vor vier Jahren an den Pfatterer Lehenweg gezogen ist, hat nämlich jede Menge Hobbys. Die 32-Jährige näht und strickt, bastelt ungewöhnliche Lampen, bemalt Wände und hat die wohl einzige Glubberl-Manufaktur im Ostlandkreis erfunden. In mühevoller Handarbeit gibt die im Hauptberuf als technische Zeichnerin tätige Sandy Aumüller nach Feierabend tausenden v0n Wäscheklammern eine besondere Note, sei es durch originelle Aufschriften, selbst gefertigte Aufdrucke oder durch lustige Farbgestaltungen.

„Das habe ich vor Jahren mal auf einem Trödelmarkt gesehen“, sagt die junge Frau, die mit einem BMW-Angestellten im Pfatterer Lehenweg ein Häusl bewohnt, „und zuhause hab ich das zunächst mit Filzstiften ausprobiert.“ Schön hat das auch gleich ausgesehen, sagt sie, weshalb sich Sandy Aumüller auch gleich Gedanken darüber machte, wie sie denn die Produktion vermehren könnte.

„Ich hätte nie gedacht, dass das Glubberl-Malen so schön sein kann.“

Sandy Aumüller

Zunächst machte sich die Neu-Pfattererin an das Herausfinden der Entstehung der Wäscheklammer, die sie zwar gekannt hatte, aber – so erfuhr sie im Internet – ein gespaltenes oder mit einem Schlitz versehenes Stück Holz ist, das auf die mit einem Überschlag über die Wäscheleine gelegte Wäsche gesteckt wurde und sie so an der Leine fixierte. Mit der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Weiterentwicklung der Wäscheklammer, sowohl um die Handhabung zu vereinfachen, als auch um der maschinellen Fertigung gerecht zu werden. „So wurden in den Vereinigten Staaten bis 1900 für über 150 verschiedene Modelle Patente erteilt“, weiß die Expertin in Sachen Wäscheklammer.

Aller per Hand geschrieben

Die heute am meisten verwendete Ausführung besteht aus zwei gleichen, länglichen Schenkeln aus Holz oder Kunststoff, die in der Mitte durch eine Schenkelfeder aus nichtrostendem Metall zusammengehalten werden. Die Schenkelfeder dient dabei gleichzeitig als Gelenk.


              Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Verzierungen gibt es jede Menge. Foto: Aumüller
Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Verzierungen gibt es jede Menge. Foto: Aumüller

Holzklammern werden aus hellen, nicht abfärbenden und nicht harzenden Holzsorten gefertigt, üblicherweise aus Birkenholz. Die moderne Form geht im Vergleich mit den einfachen Steckklammern mit der Wäsche schonender um, da sie beim Anbringen und Abnehmen nicht an den Wäschestücken reibt. In Deutschland waren neben dem heutigen, modernen Modell bis in die 1960er Jahre die einfacheren Aufsteckklammern ohne Feder verbreitet. Kunststoffklammern verdrängten in den 1970ern die Holzklammern fast vollständig. Mit der Rückbesinnung auf Natur und Umwelt in den 1980er Jahren erlangten Wäscheklammern aus Holz wieder eine große Verbreitung.

Die Emblems, mit denen die Wäscheklammern bestückt werden, sind vielfältig. Foto: Aumüller
Die Emblems, mit denen die Wäscheklammern bestückt werden, sind vielfältig. Foto: Aumüller

Nachdem Sandy Aumüller das alles in Erfahrung gebracht hatte, legte sie sich einen Fundus an Rohmaterial zu, sodass ihre Kunden zwischen der normalen Buchholzklammer oder der robusten Klammer mit einer großen Außenringfeder, damit sich die Klammern beim Tragen nicht verdrehen, wählen konnten. Die Namens- oder Wunschtextgravur wird per Hand mit dem elektrisch betriebenen Brandstift eingebrannt. Der Gag an den Glubberln mit Aufschrift ist, dass jeder auf Anhieb den Namen seines Gegenübers, egal ob im Bierzelt, bei einer Hochzeit, Firmenveranstaltung oder bei anderen Gelegenheiten, gleich lesen kann, sagt die Macherin. Heute haben die Dirndl-Schönheiten in den Bierzelten landauf, landab meist an den Blusen oder Trägern Wäscheklammern mit der jeweiligen Namensinschrift, weiß Sandy Aumüller.

Schon 15 000 Stücke gefertigt

Das könne schon allein aus tiefenpsychologischer Sicht ideal sein für den Team-Gedanken, für Betriebsfeiern, Weihnachtsfeiern, Messestände oder in der Gastronomie. So bietet die Pfattererin an, die Glubberl zu beschriften und mit ausgesuchten Motiven vor Ort zu ergänzen. Sie selbst bezeichnet die zweckentfremdeten Wäscheklammern auch als Wiesnglubberl oder Namensklammern, die als ideales Souvenir, Tischkarte oder Geschenk Verwendung finden können.

Für einen FC-Bayern-Stammtisch fertigte Sandy Aumüller dieses Motiv. Foto: Aumüller
Für einen FC-Bayern-Stammtisch fertigte Sandy Aumüller dieses Motiv. Foto: Aumüller

Eine Woche lang könne es gut dauern, bis die Handwerks-Fachfrau einen Großauftrag erledigt habe, sagt sie. Pro Glubberl verlangt sie je nach Arbeitsaufwand zwischen zwei und 2,50 Euro. Dabei legt Sandy Aumüller, die seit vielen Jahren bei der Faschingsgesellschaft in Bogen als flottes Gardemädchen tanzt, viel Fantasie an den Tag. So bemalt sie Emblems für den Fußballverein Bayern München oder das Bild einer Kirche mit Pinsel und Farbe und klebt das dann an das Glubberl ran. Weil die Nachfrage so gestiegen ist, hat Sandy Aumüller längst ein Kleingewerbe angemeldet. Gut 15 000 so verzierter Wäscheklammern dürfte sie schon verkauft haben.

Alles zur Dult in Regensburg

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht