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Glaubensarbeit

Professor Bonk verlässt den Spindlhof

Der 54-Jährige war zwölf Jahre Direktor des Bildungshauses der Diözese in Regenstauf. Jetzt baut er in Regensburg das „Forum Albertus Magnus“ auf.
Von Martina Schaeffer, MZ

  • Professor Dr. Sigmund Bonk zieht den Katechismus der katholischen Kirche aus dem gut bestückten Bücherregal in seinem Büro im Schloss Spindlhof. Foto: Schaeffer
  • Gespräche über Gott und die Welt sind ihm wichtig: Prof. Sigmund Bonk mit dem Altphilologen Prof. Arbogast Schmitt (links) von der Universität Marburgbei einer Tagung über Raffaels „Schule von Athen“. Foto: Prof. Dr. Dittscheid

Regenstauf.Zwölf Jahre lang hat Professor Dr. Sigmund Bonk als Direktor Schloss Spindlhof, das Bildungshaus der Diözese, geführt. Zwölf Jahre – das heißt konkret: 800 Veranstaltungen unter seiner Ägide, 50 Konzerte, 50 Vernissagen, 700 Abendvorträge über Kirche, Gesellschaft, Geschichte. „Wir sind die Speerspitze der Mission“, hatte ihm einst Bischof Gerhard Ludwig Müller ans Herz gelegt. Nun hat Regensburgs neuer Bischof, Rudolf Voderholzer, eine neue Aufgabe für den Philosophen und Theologen: Er soll in Regensburg ein neues „Akademisches Forum Albertus Magnus“ aufbauen.

Von seinem neuen Schaffenszentrum am Obermünsterplatz 7 wird Professor Bonk die vier wissenschaftlichen Institute der Diözese koordinieren. Und er wird vor allem akademische Vorträge und Seminare rund um das große Thema „Glaube und Wissen“ organisieren. Und diese Aufgabe ist ihm wie auf den Leib geschnitten. Denn Bonk, Schöngeist und selbst Autor dreier Bücher, Vorsitzender der Georg-Britting-Stiftung und Mitglied der Shakespeare-Gesellschaft, ist Wissenschaftler und Diakon zugleich.

Er liebt die großen Meister

Philosophie hat er im Hauptfach in München, Oxford und Regensburg studiert und parallel an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten. Die Theologie war sein Zweitfach. Bonk liebt die großen Meister: Raffael, Dürer, Altdorfer, hört gerne Bach oder Mozart. „Da erfahre ich die größte Freude“, sagt er mit strahlendem Lächeln.

Auch unter den Philosophen hat er seine Favoriten: Platon, Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin – kurz: die ganz Großen, jene, die von allen großen Denkern geschätzt würden. „Ich bin peinlicherweise zu keinem anderen Resultat gekommen“, erklärt Bonk in seiner geschliffenen Rhetorik, die stets ein wenig in den Ohren kitzelt, und einem schelmischen Augenzwinkern.

Auch die Russen, die großen Erzähler, kennt er. Dostojewski, Gogol, Tolstoi. Von letzterem habe er alles rauf und runtergelesen. Und einem – hierzulande nicht ganz so bekannt – fühlt er sich besonders verbunden: Iwan Gontscharow, Autor des Oblomow oder „Ein Monat Mai in St. Petersburg“, das Bonk aktuell gerade liest. Gontscharow sei ihm „sehr geistesverwandt“, sagt der scheidende Spindl-hof-Direktor. Und er meint dabei nicht die Schwermut, die Lethargie, das Phänomen der Oblomowtschina, das der Schriftsteller mit seiner Romanfigur geprägt hat.

Sorge um die Welt

Vielmehr ist Bonk ein bisschen in Sorge um diese Welt. Das sanfte Gesetz, das Gesetz der Menschlichkeit mit all seinen Postulaten wie dem Respekt vor der Religion, der ehelichen Treue oder dem Verzeihen selbst noch dem Feinde gegenüber befinde sich in einer Krise. Eine Krise, die auch die Kirche spürt, womöglich stärker denn je.

Eine der Ursachen sei die moderne Wissenschaft, meint Bonk, jene, die in einer atheistischen, agnostischen Haltung alles zerlegt und widerlegt. Bonk, der sich in der 2000 Jahre alten Tradition des Glaubens gut aufgehoben fühlt, ist ganz bewusst zur Kirche gegangen, wurde vor 15 Jahren zum Diakon geweiht.

In Waging am See geboren, sei er in einem moderat gläubigen Elternhaus aufgewachsen. Er ging in Traunstein aufs Chiemgau-Gymnasium, auf dem auch die Ratzinger-Brüder waren. Die wurden dort schon „Bücher-Ratz“ und „Orgel-Ratz“ genannt, erzählt Bonk schmunzelnd.

Auch der Fußballer Paul Breitner war auf dieser Schule. „Der war für uns schon eine Ikone“, sagt Bonk, selbst früher sportlich aktiv, mit Golf, Boxen, Schwimmen oder beim Segeln.

Eins hat ihn allerdings früh beeindruckt: die Lebensentscheidung seiner Cousine Barbara. Die stieg 1959 in Genua in ein Schiff und reiste nach Kalkutta. Dort wurde sie als Sister Andrea zu einer Art rechten Hand von Mutter Teresa. Und so hatte Bonk von Kindheit an das Gefühl, Glaube sei etwas Wichtiges, etwas Heroisches.

Durch die Schilderungen und Erlebnisse seiner Frau Jitka, die aus Tschechien stammt, wurde dies noch einmal verstärkt. Jitkas Vater war Stadtorganist, wurde vom kommunistischen Regime schikaniert, musste oft zur Polizei. Und ihr Onkel, ein Priester, wurde wegen seines Glaubens gleich 13 Jahre ins Gefängnis gesteckt und gefoltert. „Das hat mir den Rest gegeben“, sagt Bonk, selbst Vater zweier Kinder. Er hat sich in der franziskanischen Gemeinschaft engagiert, zehn Jahre in der Behindertenarbeit. Bei all dem habe er ein Gefühl dafür bekommen, „was wirklich wichtig ist“.

Der Glauben gibt Freude

Er wolle bei den Menschen sein, die Freude des Glaubens verkünden. Und das ist für Professor Bonk das Bewusstsein, „dass die erfahrbare, sichtbare, tastbare Welt nicht die ganze Wirklichkeit ist“. Vielmehr gebe es auf geheimnisvolle Weise eine andere Welt zu erfahren: das Reich Gottes. Jene andere Welt hat er selbst aktuell erst gespürt, als er seine Mutter ins Sterben begleitete. „Wir haben gemerkt, wenn wir zusammen gebetet haben, dass wir eine andere Dimension berühren.“ Der Glaube sei stützend. „Man fühlt die Hand Gottes über sich“, sagt Bonk. Im Katholizismus sei der Tod nur das vorletzte Wort. „Das letzte Wort ist die Auferstehung.“

Für seinen Dienst auf Schloss Spindlhof in Regenstauf wurde Bonk zwei Tage vor offiziellem Antritt gleich mal ins kalte Wasser geschmissen. Am 13. August 2002 trat das große Hochwasser über die Ufer des Regen. „Ich habe die ersten Tage hier mit Gummistiefeln verbracht.“

Anfangs war der Spindlhof-Direktor mangels Geschäftsführer auch mit ganz pragmatischen Dingen befasst, dem Gebäude, dem Personal. In den letzten sieben Jahren habe er sich dann ganz auf die Bildungsarbeit im engeren Sinn konzentrieren können. „Ein Luxus“, wie er betont.

Einfallstor für alle Menschen

Gespräche mit Auslandspriestern, Kunstschule, auch mal ein Pop-Konzert, ein neuer Freundeskreis haben unter seiner Ägide Platz unter dem Dach des Bildungshauses der Diözese gefunden. Denn so hat Bonk, Träger des Ordens Ghetto warszawskie, seinen Auftrag verstanden: „Ich wollte Kirche darstellen als weltoffene Organisation. Wir sind ein offenes Einfallstor für alle Menschen.“ Er verlässt das Haus auch ein wenig mit Wehmut. „Ich hatte eins der schönsten Büros in der Oberpfalz.“ Und er wird eines vermissen: Seinen Angelplatz am Regen.

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