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Umwelt

Quecksilber in fetten Regenfischen

Beim Thunfisch ist die Belastung schon lange bekannt. Jetzt entdeckten Mitglieder des Angler-Klubs Regensburg das Schwermetall auch in großen Wallern.
Von Sabine Norgall, MZ

Ein Riesenwaller ist der Stolz jedes Anglers. Gerade in den alten, fetten Fischen kann sich jedoch Quecksilber anreichern. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.Wer da glaubt, Fisch ist besonders gesund, hat recht. Er sollte sich dabei aber auch beim Verzehr heimischer Fischarten besser an die kleineren, nicht so fetten Exemplare halten. Fische, sagt man im Wasserwirtschaftsamt, sind besonders gute Umweltindikatoren. Über den Niederschlag landen alle Schadstoffe früher oder später in den Flüssen. Je länger ein Fisch dort lebt und je mehr Nahrung er aufnimmt, umso mehr Schadstoffe könnten sich in seinem Körper anreichern.

Das gilt besonders für die Waller-Prachtexemplare, wie sie des Öfteren von stolzen Anglern aus dem Regen gefischt werden. Manch einer der Raubfische ist gut 20 Jahre alt, kann es auf eine Größe von deutlich über zwei Meter bringen und erreicht 100 Kilogramm Gewicht.

Der Regen gilt als intakt

Als einziger Fluss im Landkreis hat der Regen, wie das Wasserwirtschaftsamt bestätigt, nicht nur einen guten chemischen Zustand, er schneidet auch im Bereich der ökologischen Werte gut ab.

Doch als der 1. Angler-Klub Regensburg Fische aus dem Regen auf Schwermetallbelastungen hin untersuchen ließ, erschreckte Wasserwart Helmut Woppmann und weitere Mitglieder das Untersuchungsergebnis. Bei einem Waller mit über elf Kilogramm Gewicht wurde eine Quecksilberbelastung gemessen, die etwa dreimal so hoch lag wie die zulässige lebensmittelrechtliche Grenze (0,5 Milligramm pro Kilogramm Lebendgewicht).

Eigentlich, sagt Woppmann, vermuteten die Fischer vor dieser Probe nicht, eine nennenswerte Schadstoffbelastung zu finden. Sie gingen von einem intakten Zustand der Bestände aus, den sie dokumentieren wollten. Die Mitglieder des Angler-Klubs sehen sich, so wie der Wasserwart, in erster Linie als Naturschützer.

Mit Sorge betrachten sie die ungeklärte Einleitung von Oberflächenwasser in den Regen. Eigentlich sollte die erste Untersuchung nur einen Vergleichswert für künftige Prüfungen liefern.

Der Angler-Klub gab eine weitere Untersuchung beim Fischgesundheitsdienst in Grub (Oberbayern) in Auftrag. Das Ergebnis der ersten Probe bestätigte sich: Der Giebel, ein karpfenartiger Friedfisch, war nicht belastet, bei einem großen Hecht fand sich eine Quecksilberbelastung unter dem lebensmittelrechtlichen Grenzwert, aber bei einem Waller mit einem Gewicht von 32 Kilogramm waren die lebensmittelrechtlichen Werte erneut dreifach überschritten.

Woppmann: „So einen Fisch dürfte man mit Sicherheit nicht mehr in den Verkauf bringen.“ Insgesamt bestätigte sich die Quecksilberbelastung bei fünf von sieben Fischen.

„Werte sind nicht dramatisch“

Jetzt schaltete der Angler-Klub das Wasserwirschaftsamt ein. Zusammen mit Vertretern des Fischereivereins und der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberpfalz wurde der Befund besprochen. Dort nahm man die gemessenen Werte ernst, sah sie aber, wie Gewässerbiologe Dr. Jörg Brandner gegenüber der MZ erklärte, als „nicht so dramatisch“.

Laut Auskunft des Wasserwirtschaftsamts ließen sich sogar in Gewässern, die vom Menschen völlig unbeeinflusst sind, Schwermetallrückstände nachweisen. Der Schadstoffeintrag finde über den Niederschlag statt. Allerdings seien die Konzentrationen in der Regel im unteren, unschädlichen Bereich. Lediglich bei Raubfischen mit hohem Lebensalter, etwa großen Wallern, könne die Belastung den Lebensmittel-Richtwert überschreiten.

Das Immissionsschutzrecht, erläutert Brandner, sei verschärft worden, um Quecksilber noch mehr aus dem Verkehr zu ziehen, als man es ohnehin schon tue. Das gehe nur mit Maßnahmen, die man europa- und weltweit gemeinsam vorantreibe. Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle würden noch immer Schwermetalle freigesetzt.

Die Nahrungskette ist das Problem

Brandner: „Das Quecksilberproblem der Waller entsteht über die Nahrungskette.“ Eine Steuerungsmöglichkeit hinsichtlich der Quecksilberwerte in großen Raubfischen bestehe daher weder beim Regen noch an anderen Gewässern im Amtsbezirk.

Dennoch geht man beim Wasserwirtschaftsamt nicht zur Tagesordnung über. In dem Zusammenhang erläuterte Gewässerbiologe Dr. Brandner das seit über zehn Jahren laufenden Bayerischen Fisch- und Muschelschadstoffmonitoring. Damit, sagt Brandner, ließen sich langfristige Veränderungen gut darstellen. Im kommenden Herbst ist der nächste Durchgang geplant. Dabei soll, sensibilisiert durch die Messergebnisse des Angler-Klubs, das Schadstoffmonitoring bei Regenfischen verdichtet werden.

Der Waller allerdings ist für diese Untersuchung als Bioindikator nicht geeignet, da er nur an wenigen Standorten vorkommt und seine Untersuchung somit keine Vergleichswerte liefert. Beprobt wird deshalb der Aitel, ein karpfenähnlicher Fisch, der fast in ganz Europa vorkommt.

Helmut Woppmann sieht es als „Fürsorgepflicht“ des Angler-Klubs, auf die erhöhten Quecksilberwerte in den großen Wallern hinzuweisen. „Das ist wie bei belasteten Wildschweinen oder Schwammerln, jeder muss selbst entscheiden, wie viel er davon isst.“ Für den Wasserwart, der von einem perfekt zubereiteten Waller als Delikatesse schwärmt, steht fest: „Über zehn Kilo kommt mir keiner mehr in die Pfanne.“

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