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Feuerwehr

Rechberg hat 201 Einsätze und 231 Bürger

Die Mitglieder der Feuerwehr Rechberg löschen nicht nur. Sie leisten vor allem Erste Hilfe bei Notfällen rund um Beratzhausen
Von Heiner Stöcker

Der Kommandant der FF Rechberg, Jürgen Spangler, ist stolz auf sein Team. Fotos: Stöcker
Der Kommandant der FF Rechberg, Jürgen Spangler, ist stolz auf sein Team. Fotos: Stöcker

Rechberg.Der Tag nach Heiligabend 2007 in Beratzhausen. „Der erste Tag war richtig scheiße“, sagt Jürgen Spangler. Im Nachbardorf hatte eine Mutter ihre beiden Söhne umgebracht. Familiendrama. Spangler und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Rechberg mussten hin – als Ersthelfer. Es war ihr erster Tag als First Responder im Dienst. Und einer der schlimmsten Einsätze der vergangenen elf Jahre.

Ausbildung: First Responder sind haben den Sanitäter-Lehrgang (80 Stunden) absolviert. Foto: Spangler
Ausbildung: First Responder sind haben den Sanitäter-Lehrgang (80 Stunden) absolviert. Foto: Spangler

Spangler und sein Bruder sind beide bei der Feuerwehr und hatten sich schon früh auch ehrenamtlich bei den Johannitern engagiert. Sie trugen den Ersthelfergedanken in die Wehr. Jürgen beerbte seinen Bruder auf dem Posten als Kommandant und forcierte die Idee. „Dann gab’s im Ort einen akuten Fall: Herzstillstand – und wir sind in der Feuerwehr ins Reden gekommen.“ Aus Spendengeldern finanzierte die Mannschaft einen Defibrillator. „Es war immer der Erste-Hilfe-Gedanke. Hier bei uns ist fast aus jedem Haus jemand bei der Wehr. Und wenn da im Ernstfall überall jemand ist, der sich auskennt, haben wir doch schon gewonnen.“

Nach der Umstellung der Integrierten Leitstelle kam 2007 auch die Gründung der First-Responder-Gruppe. „Das gab den Ausschlag, dass wir uns ein eigenes Fahrzeug besorgen.“ Und ihr zweiter Einsatz am ersten Tag im Dienst brachte sie an den Schauplatz des Familiendramas. „Das war schlimm“, sagt Spangler.

Die Freiwillige Feuerwehr Rechberg hat viel zu tun. Einsätze, Übungen, Lehrgänge und mehr bestimmen den Alltag. Kommandant Jürgen Spangler hat ein Paar Eindrücke mit uns geteilt.

Von den Aktiven der Wehr fährt heute ein harter Kern von rund 14 Mitgliedern als First Responder. Im vergangenen Jahr kam die engagierte Dorfwehr so auf 201 Einsätze – davon 182 medizinische Notfälle. Die Belastung, Anforderung und Zeitaufwand sind hoch. Der Beratzhausener Ortsteil Rechberg hat laut Einwohnermeldeamt gerade mal 231 Einwohner.

Als Erste vor Ort

Der First Responder (Engl. wörtl.: Erste Reagierer oder Antwortende) ist eine Sondereinheit der Feuerwehr. Die Besatzungen der Fahrzeuge fahren ausschließlich zu medizinischen Notfällen – so wie es die Helfer vor Ort des Roten Kreuzes tun. Rechberg ist Teil der Marktgemeinde Beratzhausen und damit etwa 15 Fahr-Minuten vom nächsten Rettungswagen in Hemau und 20 Minuten von Regensburg entfernt. Das Ziel der First Responder: Erste Hilfe leisten. „Im Schnitt sind wir fünf bis zehn Minuten vor dem Notarzt oder Rettungswagen an der Einsatzstelle“, sagt Spangler. Minuten, die entscheiden.

Preise: Die FF hat zwei mal den Rescu-Preis und die zwei Mitglieder haben die Christopherus-Medaille vom Ministerpräsidenten erhalten. Foto: Spangler
Preise: Die FF hat zwei mal den Rescu-Preis und die zwei Mitglieder haben die Christopherus-Medaille vom Ministerpräsidenten erhalten. Foto: Spangler

Der plötzliche Herztod ist mit schätzungsweise 80 000 bis 100 000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Pro Minute, die bis zum Beginn der Reanimation verstreicht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um etwa zehn Prozent, schätzt der Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten. „Wenn nach einem Herzstillstand nicht innerhalb von fünf Minuten einfache Maßnahmen – vor allem die Herzdruckmassage – durchgeführt werden, dann ist ein Überleben unwahrscheinlich“, schreibt der Verband. Die Unterversorgung mit Sauerstoff schädigt das Gehirn – nachhaltig.

Schon den ersten Defibrillator finanzierte die FF Rechberg rein über Spendengelder. Bis heute hängt die ganze Initiative rein vom Engagement der Ehrenamtlichen und vom guten Willen sowie der Spendenbereitschaft der Bürger ab. Die ist enorm: Angefangen hat das Team vor elf Jahren mit einem gebrauchten BMW, dem bald ein Ford Mondeo folgte. „Wir wollten dann längerfristig planen. Also hatten wir uns fürs nächste Auto eine Fünfjahresfrist gesetzt.

Im Video stellt Kommandant Jürgen Spangler das neue Auto vor

Video: Heiner Stöcker

Nach bereits einem Jahr stand der Wagen auf dem Hof.“ Spangler denkt gern an die damalige Christbaum-Versteigerung zurück. „Die Leute haben was für 80 Euro ersteigert, 100 Euro gegeben und uns dann die Bäume für eine neue Versteigerung noch mal hingestellt. Das war der Hammer. Uns sind die Würstl ausgegangen.“

Zukunftssorgen haben die Rechberger aktuell nicht. „Wir sind gut aufgestellt. Erst vergangenes Jahr haben wieder einige von uns den Sanitäter-Lehrgang abgeschlossen.“

In beide Richtungen

Das sind 80 Unterrichtsstunden, die die Mitglieder teilweise zusätzlich zu ihrem Feuerwehr-Engagement investieren. „Und umgekehrt: Wir haben First-Responder, die so ihre Liebe zur Feuerwehr entdeckt haben.“

Spangler hat schon viel gesehen: Er ist Berufsfeuerwehrmann bei der US Army in Hohenfels, ist jahrelang Rettungsdienst gefahren. „Aber am schlimmsten sind immer die Einsätze mit Kindern.“

Schulung: Immer wieder geben sie Ihr Wissen in Erste-Hilfe-Kursen weiter. Foto: Spangler
Schulung: Immer wieder geben sie Ihr Wissen in Erste-Hilfe-Kursen weiter. Foto: Spangler

Zum Beispiel vor ein paar Jahren: Als Spangler mit seinem Kollegen in den Raum kam, hing das Baby leblos in den Armen seiner Mutter. Es hatte aufgehört zu atmen. Sofort begann das Team mit der Reanimation – und brachte das Mädchen zurück. „Das war ein toller Moment. Aber es war in einem kritischen Zustand. Und dann haben wir lange nichts mehr gehört. Wir wussten nicht, ob sie durch kommt“ Monate später dann ein Notruf: gleiche Adresse. Aber da stand die Mama mit dem Kind lachend in der Tür. Seit dem Vorfall trug das Mädchen beim schlafen einen Sensor – der war verrutscht und hatte Alarm geschlagen. „Dem Mädchen geht’s gut. Wir sind eine Stunde geblieben, haben mit der Mutter geratscht. Ein Happy End.“

Solche Einsätze, Spender die voll hinter der Aktion stehen – sowas treibt Spangler an. „Aber vor allem ist es unsere Mannschaft hier bei der Feuerwehr. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie stolz ich auf unser Team bin.“

Zu allem Engagement übernahm die FF Rechberg in diesem Jahr auch noch die Patenschaft fürs 125-Jährige der Feuerwehr Oberpfraundorf

Ehrenamt

FFW Rechberg übernimmt Patenschaft

Die Freiwillige Feuerwehr Oberpfraundorf feiert vom 20. bis 22. Juli 2018 das 125-jährige Jubiläum.

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