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Fichtensterben

Regensburgs Förster schlagen Alarm

Der Borkenkäfer veränderte den Wald im Landkreis. Die starke Vermehrung ist eine Folge der immer heißeren Sommer.
Von Stefan Wallner

Die Försterinnen Carolina Fricker (r.) und Andrea Steinbach (l.) untersuchen ein Stück Rinde auf Larven und Jungkäfer des Buchdruckers. Foto: Stefan Wallner
Die Försterinnen Carolina Fricker (r.) und Andrea Steinbach (l.) untersuchen ein Stück Rinde auf Larven und Jungkäfer des Buchdruckers. Foto: Stefan Wallner

Regensburg.Die beiden Försterinnen Andrea Steinbach und Carolina Fricker stehen im Wald am Dachsberg. Während es zwischen den Bäumen dunkel ist, fällt wenige Meter entfernt Licht auf mehrere Baumstümpfe. Vorher standen hier Fichten. Sie wurden gefällt. Borkenkäfer. „Meistens wird der Borkenkäfer zu spät entdeckt. Dort sterben dann viele Bäume ab und es entsteht ein Loch“ sagt Fricker, die das Gebiet erst vor wenigen Wochen an die neue Revierleiterin Andrea Steinbach übergeben hat. Das Loch müsse dann wieder aufgeforstet werden. „Wir sprechen hier von etwa 30 Jahren bis dort wieder junge Bäume stehen und etwa 80 Jahren bis es dort wieder so aussieht, wie es vorher aussah“, sagt Steinbach.

Auswirkungen des Klimawandels

Bei der Suche nach befallenen Bäumen ist Bohrmehl das verlässlichste Zeichen. Es reicht nicht aus, sich bei der Suche auf Totholz, herabfallende Rinde oder rote Kronen zu konzentrieren. Es müssen auch Bäume mit grüner Krone auf Bohrmehl untersucht werden. Foto: Stefan Wallner
Bei der Suche nach befallenen Bäumen ist Bohrmehl das verlässlichste Zeichen. Es reicht nicht aus, sich bei der Suche auf Totholz, herabfallende Rinde oder rote Kronen zu konzentrieren. Es müssen auch Bäume mit grüner Krone auf Bohrmehl untersucht werden. Foto: Stefan Wallner

Das Ausmaß der Borkenkäferpopulation – im Landkreis Regensburg gilt die zweithöchste Warnstufe – schockiert Fricker immer wieder: „Man kommt an eine Stelle, an der man länger nicht mehr gewesen ist und man erschrickt wirklich, weil um einen herum nur noch tote Bäume stehen.“ Das „Problemkind“ ist die Fichte. Die Baumart ist momentan die am weitesten verbreitete in bayerischen Wäldern. Doch sie ist eigentlich in kälteren Gebieten beheimatet, wo es häufiger regnet, sagt Steinbach. Durch die heißen und trockenen Sommermonate in den vergangenen Jahren sind die Fichten geschwächt. Wenn ein Baum geschwächt sei, sei das vergleichbar mit einem Menschen, sagt Steinbach. Unter anderem würden sie schneller krank. Ein gesunder Baum, der nicht vom Wassermangel und den hohen Temperaturen beeinträchtigt sei, könne sich durch Harzproduktion besser vor den Käfern schützen.

Sobald befallenes Material entdeckt wird, sollte es mindestens 500 Meter außerhalb des Waldes transportiert werden. Wer dabei Beratung oder Unterstützung benötigt, kann ein Unternehmen oder die Waldbesitzervereinigung kontaktieren. Foto: Stefan Wallner
Sobald befallenes Material entdeckt wird, sollte es mindestens 500 Meter außerhalb des Waldes transportiert werden. Wer dabei Beratung oder Unterstützung benötigt, kann ein Unternehmen oder die Waldbesitzervereinigung kontaktieren. Foto: Stefan Wallner

Zudem liege viel Schadholz, beispielsweise durch große Schneelasten oder Stürme abgebrochene Bäume, im Wald. In Kombination sind das ideale Bedingungen für den Buchdrucker. Die Borkenkäferart ist für die wesentlichen Schäden verantwortlich, denn sie befällt im Gegensatz zu anderen Arten nicht nur geschädigte und tote Bäume, sondern auch gesunde. Nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist der Buchdrucker der gefährlichste Forstschädling. „Ich denke wir sehen hier die Auswirkungen des Klimawandels.“ Früher habe es pro Jahr zwei Generationen an Borkenkäfern gegeben, mittlerweile seien es aufgrund der guten Bedingungen standardmäßig schon drei, in Zukunft eventuell vier, sagt Steinbach und fügt hinzu: „Aus einem befallenen Baum entstehen genug Jungkäfer, um 20 neue Bäume zu befallen. Und wenn man das dann immer noch nicht entdeckt, dann ist es zu spät.“

Das Forstamt nutzt Fallen (siehe Bild), um die Borkenkäferpopulation einschätzen zu können. Das Ergebnis der Fallen ist nicht repräsentativ und dient nur zu Prognose. Sie können nicht zur Bekämpfung eingesetzt werden, denn Bäume sind für den Käfer weiterhin attraktiver. Foto: Stefan Wallner
Das Forstamt nutzt Fallen (siehe Bild), um die Borkenkäferpopulation einschätzen zu können. Das Ergebnis der Fallen ist nicht repräsentativ und dient nur zu Prognose. Sie können nicht zur Bekämpfung eingesetzt werden, denn Bäume sind für den Käfer weiterhin attraktiver. Foto: Stefan Wallner

Auf die Frage, wie der Wald in 20 Jahren aussehen werde, wenn sich die Borkenkäfer weiterhin so stark vermehren, zuckt sie mit den Schultern und antwortet: „Auf jeden Fall mit weniger Fichten.“ Bei einer Aufforstung denke man in Zeiträumen von 100 bis 150 Jahren. Dabei müssten viele Faktoren, wie beispielsweise Lichteinfall oder umgebende Vegetation, berücksichtigt werden, sagt Fricker. „Wir müssen ein bisschen hellsehen.“

Trend geht zum Mischwald

Waldbesitzer werden dazu aufgerufen, wöchentlich ihren Baumbestand zu kontrollieren. Phasen, in denen es länger nicht geregnet hat, bieten sich dafür an. Aufgrund der hohen Temperaturen sind nicht nur die Ränder, sondern auch das Waldesinnere zu prüfen. Foto: Stefan Wallner
Waldbesitzer werden dazu aufgerufen, wöchentlich ihren Baumbestand zu kontrollieren. Phasen, in denen es länger nicht geregnet hat, bieten sich dafür an. Aufgrund der hohen Temperaturen sind nicht nur die Ränder, sondern auch das Waldesinnere zu prüfen. Foto: Stefan Wallner

Der Trend gehe aber weg von Monokulturen hin zum Mischwald, da sich Schädlinge wie der Borkenkäfer nicht so leicht ausbreiten könnten, wenn um die von ihnen bevorzugte Baumart herum andere Arten wachsen, sagt sie. Zudem könnten auch Baumarten, die wenig Licht benötigen, wie Tannen oder Buchen, zwischen den noch bestehenden Fichten herangezogen werden. So könne einem Loch im Wald vorgebeugt werden.

Das Holz der befallenen Fichten kann zwar weiterhin verwendet werden, hat aber durch einen vom Borkenkäfer mitgeführten Pilz eine Blaufärbung. Dieser optische Fehler bedeutet eine Wertminderung von 35 Euro auf den üblichen Preis von 80 bis 90 Euro. Zusammen mit den Kosten, die durch die Entfernung des vom Borkenkäfer befallenen Holzes entstehen, könnten Waldbesitzer froh sein, wenn sie am Ende keinen Verlust machten, sagt Fricker. Dass die Sägewerke aufgrund der großen Holzmengen, die mit dem Borkenkäferbefall einhergehen, chronisch überlastet sind, verschärft die Situation zusätzlich. „Der Wald ist im Wandel und aktuell ist er nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Fricker.

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