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Wohnen

Regenstauf: Start für bezahlbares Wohnen

Lange mussten die Mieter der maroden Gemeindewohnungen warten. Jetzt steht endlich est: Die ersten ziehen 2019 um.
Von Sabine Norgall

Am Mittwoch erfolgte in Regenstauf der symbolische Spatenstich für 38 neue Wohnungen mit sozialverträglichen Mieten. Fotos: Norgall
Am Mittwoch erfolgte in Regenstauf der symbolische Spatenstich für 38 neue Wohnungen mit sozialverträglichen Mieten. Fotos: Norgall

Regenstauf.Über Jahre hinweg war es in den Dezembersitzungen des Regenstaufer Marktrates ein festes Ritual. Immer wieder hoffte man auf den im kommenden Jahr stattfindenden Baubeginn für die Sozialwohnungen des Markts. Städtebauliches Konzept, Finanzierung, europaweite Ausschreibung, geänderte Förderrichtlinien, immer wieder gab es neue Verzögerungen. Am Mittwoch dieser Woche war es nun aber endgültig so weit: Man schritt zum symbolischen Spatenstich für 38 neue Wohnungen in zwei Gebäuden, gefördert mit dem kommunalen Wohnraumförderungsprogramm des Freistaates. Regenstauf investiert 7,7 Millionen Euro.

Bereits 2010 wurden die 44 Wohneinheiten der ehemaligen Gemeindewohnungen bautechnisch untersucht. Ergebnis dabei: Von außen architektonisch ansprechend, aufgrund des „überwiegend schlechten Gebäudezustands“ aber wirtschaftlich nicht zu sanieren. Foto: Norgall
Bereits 2010 wurden die 44 Wohneinheiten der ehemaligen Gemeindewohnungen bautechnisch untersucht. Ergebnis dabei: Von außen architektonisch ansprechend, aufgrund des „überwiegend schlechten Gebäudezustands“ aber wirtschaftlich nicht zu sanieren. Foto: Norgall

Im Rahmen des Förderprogramms zahlt der Freistaat einen Zuschuss von 2,3 Millionen Euro. Weitere 4,6 Millionen zinsverbilligtes Darlehen kommen von der Landesbodenkreditanstalt. Die Baukosten pro Quadratmeter liegen bei rund 2200 Euro. Den Zuschlag für die Baumeisterarbeiten erhielt die Firma Bau Wittl aus Beratzhausen.

Viele Hürden überwunden

Baustart für Sozialwohnungen in Regenstauf

Bürgermeister Siegfried Böhringer erinnerte beim Spatenstich an die Entstehung des Bauvorhabens, an bürokratische Hürden aber auch an den notwendigen menschlichen Umgang mit ehemaligen Mietern, die teilweise über 70 Jahre in den alten Gemeindewohnungen lebten und nicht mehr umziehen wollten. In seinem Grußwort dankte Böhringer besonders für die gute Zusammenarbeit mit der Regierung der Oberpfalz.

 Manfred Ahles, Sachgebietsleiter Wohnungsbau der Regierung der Oberpfalz, freute sich beim Spatenstich für die zwei Wohngebäude mit 38 Wohnungen in Regenstauf über das bisher größte geförderte kommunale Wohnungsbauprojekt der Oberpfalz Foto: Norgall
Manfred Ahles, Sachgebietsleiter Wohnungsbau der Regierung der Oberpfalz, freute sich beim Spatenstich für die zwei Wohngebäude mit 38 Wohnungen in Regenstauf über das bisher größte geförderte kommunale Wohnungsbauprojekt der Oberpfalz Foto: Norgall

Manfred Ahles, Sachgebietsleiter Wohnungsbau der Regierung der Oberpfalz, nannte gleich zu Beginn seines Grußwortes einen Superlativ. Der Bau der 38 Wohnungen ist bisher das größte geförderte kommunale Wohnungsbauprojekt der Oberpfalz. Insgesamt gebe es in der Oberpfalz über 20 kommunale Partner im Wohnraumforderungsprogramm. Ahles erinnerte an die große Flüchtlingswelle und den Bau der Gemeinschaftsunterkunft in Regenstauf.

Sehen Sie im Video: Nach einer sehr langen Planungsphase erfolgte endlich der Spatenstich für die neuen Regenstaufer Sozialwohnungen.

Nach einer sehr langen Planungsphase erfolgte endlich der Spatenstich für die neuen Regenstaufer Sozialwohnungen.

„Jetzt schafft der Markt ein gutes und faires Angebot für Regenstaufer Bürgerinnen und Bürger.“

Manfred Ahles; Regierung der Oberpfalz

Anlässlich des Spatenstichs sagte er: „Jetzt schafft der Markt ein gutes und faires Angebot für Regenstaufer Bürgerinnen und Bürger.“ Regenstaufer kämen so in den Genuss einer angemessenen und modernen Wohnung. Die Gemeinde aktiviere den Regenstaufer Wohnungsmarkt und trage sofort und langfristig zur Dämpfung der Mietpreisspirale bei. Den vom Architekturbüro Dömges geplante Bau sah Ahles als Vorzeigeprojekt.

Die Baugrube für den ersten Ersatzbau ist offen. Im Juli 2019 soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Dann können die ersten Bestandsmieter umziehen. Im Dezember 2020 soll auch der zweite Bauabschnitt fertig sein. 7,7 Millionen Euro werden dafür investiert Foto: Norgall
Die Baugrube für den ersten Ersatzbau ist offen. Im Juli 2019 soll der erste Bauabschnitt fertig sein. Dann können die ersten Bestandsmieter umziehen. Im Dezember 2020 soll auch der zweite Bauabschnitt fertig sein. 7,7 Millionen Euro werden dafür investiert Foto: Norgall

„Kostengünstiger Wohnraum für die unteren und mittleren Einkommensschichten ist am freien Wohnungsmarkt nicht mehr in ausreichender Zahl zu bekommen.“

Architekt Thomas Eckert

Thomas Eckert, Vorstandsvorsitzender der Dömges Architekten AG, nannte den Grund dafür, warum der Markt Wohnungen mit sozialverträglichen Mieten baut: „Kostengünstiger Wohnraum für die unteren und mittleren Einkommensschichten ist am freien Wohnungsmarkt nicht mehr in ausreichender Zahl zu bekommen.“ Kurz skizzierte Eckert die Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit Laubengangerschließung. Zwei der Wohnungen sind rollstuhlgerecht. Die Kosten stiegen gegenüber der ursprünglichen Planung leicht an. Der erste Bau wird, entgegen der früherer Planungen, unterkellert. Alle künftigen Mieter bekommen ein Kellerabteil.

 2015 machte man auf dem Gelände mit dem Abriss des sogenannten „Brandhauses“ Platz für Neubauten. Ein städtebauliches Konzept wurde erstellt, erste Planungen wegen Änderung der Förderrichtlinien jedoch verworfen. Jetzt gibt es besonders hohe Zuschüsse Foto: Norgall
2015 machte man auf dem Gelände mit dem Abriss des sogenannten „Brandhauses“ Platz für Neubauten. Ein städtebauliches Konzept wurde erstellt, erste Planungen wegen Änderung der Förderrichtlinien jedoch verworfen. Jetzt gibt es besonders hohe Zuschüsse Foto: Norgall

„Innerörtliches Wohnen mit gleichzeitiger hoher Freiraumqualität garantiert zufriedene und gut versorgte Mieter trotz schmalen Geldbeutels.“

Architekt Thomas Eckert

Für die Architekten, sagte Eckert, war es bei der Planung wichtig, zwischen Diesenbacher- und Schwandorfer Straße ein neues Wohnquartier mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen zu lassen. Geschützte, private Freiräume im Innenbereich böten hohe Aufenthaltsqualität. Eckert: „Innerörtliches Wohnen mit gleichzeitiger hoher Freiraumqualität garantiert zufriedene und gut versorgte Mieter trotz schmalen Geldbeutels.“ Wohnen bezeichnete der Architekt als Grundbedürfnis. Damit sei es in Teilen auch eine öffentliche Aufgabe.

Wie Bürgermeister Böhringer beim Spatenstich mitteilte, soll Baubeginn für die 65 Sozialwohnungen, die die Katholische Kirche unmittelbar neben der Gemeinschaftsunterkunft am Grasigen Weg baut, im Frühjahr 2019 sein.

Spatenstich zum Wunschtermin

Zum Spatenstich waren neben Vertretern der Regierung, des Architekturbüros und der Marktverwaltung auch Vertreter des Marktrats gekommen. Im Nachklang zur Marktratssitzung am Abend zuvor verkniff sich Bürgermeister Böhringer einen ironischen Seitenhieb nicht: „Es wären ja noch viel mehr Markträte gekommen, wenn wir den Spatenstich auf einen Freitagnachmittag oder ein Wochenende gelegt hätten.“ In der Marktratssitzung wollte Andreas Deml (CSU) der Verwaltung keine Absicht unterstellen, indem Termine wie Spatenstiche so gelegt würden, dass berufstätige Markträte nicht oder nur schwer teilnehmen könnten. Auf einen Verweis Böhringers auf die Zeitpläne anderer Beteiligter konterte Deml, dass man von Baufirmen oder Architekten erwarten könne, auch zu solchen Terminen zur Verfügung zu stehen. Schließlich sei der Markt Auftraggeber und zahle. Böhringer sicherte zu, künftige Termine unter dem Gesichtspunkt prüfen zu lassen, merkte aber an: „Wenn ich Einladungen zu Veranstaltungen am Wochenende weiterleite, sind deshalb meist auch nicht mehr Markträte da.“

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