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Sanierung

Reges Werkeln am Turm in Hohengebraching

Seit Monaten ist der Kirchturm in Hohengebraching vom Gerüst umgeben. Es werden die verschiedensten Arbeiten durchgeführt.
Von Josef Eder

Wenn alles gut geht, können die ersten Gerüstteile schon bald wieder abgebaut werden. Fotos: Eder
Wenn alles gut geht, können die ersten Gerüstteile schon bald wieder abgebaut werden. Fotos: Eder

Hohengebraching.Die Arbeiten im Pfarrdorf Hohengebraching schreiten bei der Kirchturmsanierung von St. Mariae Himmelfahrt voran. Der Zahn der Zeit hat an dem im Jahre 1910 errichteten Turm, der Sakristei und der Apsis genagt. Bei der Renovierung, die seit einem dreiviertel Jahr stattfindet, wird der schadhafte Putz nur in Teilbereichen abgeschlagen und neu aufgezogen. Ein Außenputz wurde zuletzt im Jahre 1990 bei der letzten Außenrenovierung am gesamten Kirchenkörper aufgezogen. Eigentlich hätten größere Teile abgeschlagen gehört, denn die unterste Lage haftet nicht mehr besonders, wobei die Oberschicht sehr hart ist. Damals wurde vermehrt Zement in den Putzmörtel eingearbeitet, so Fachleute.

Bis Ende Oktober werden, wenn alles planmäßig läuft, die große und kleine Kuppel verkleidet mit neuem Kupferblech ins Land grüßen.

Die Kirche wurde 1910 vom Architekten Heinrich Hauberrisser (1872 – 1945) erbaut.
Die Kirche wurde 1910 vom Architekten Heinrich Hauberrisser (1872 – 1945) erbaut.

Auf der Turmspitze ist dann in 43,7 Metern Höhe, so hat es Bautler aus dem Plan gemessen, wieder das aufgesetzte vergoldete Kreuz mit Kugel zu sehen. Restaurateur Jan Rappenegger, ein Niedergebrachinger, vergoldete es.

Zustand ist besser als befürchtet

Seit Monaten ist der Kirchturm eingerüstet und hinter einer Schutzplane versteckt. Weit ins Land ist er zu sehen, denn das Gotteshaus steht auf einem Hügel. Es ist von sattem Grün und dem in den letzten Jahren schnell gewachsenen Dorf umgeben. Die Kirchenglocken beginnen Punkt zwölf Uhr mit dem Mittagsgeläut. Architekt Rolf Bautler vom Büro Hanshans hat es plötzlich eilig. Schnell steigt der 67-jährige durchtrainierte Kampfsportler die Stufen von der Plattform am Baugerüst hinunter zu den großen Schallöffnungen der Glockenstube. Er will das Schwingungsverhalten der großen Glocke und die seitliche Höhe, die sie dabei erreicht, sehen.

Im Gespräch war bei der Sanierung, dass der eiserne Glockenstuhl durch einen hölzernen ersetzt werden müsse. Der Statiker, so Bautler, gab Entwarnung. Der momentane Zustand gibt für die nächsten zehn Jahre keinen Anlass zur Besorgnis. Zur Sicherheit werden vereinzelt Teile ausgewechselt. Die Bausubstanz der Fassade ist im Großen und Ganzen in einem besseren Zustand als anfangs gedacht. Doch im Bereich der Mauerkronen und Anschlüsse sind verdeckte Schäden jetzt sichtbar. Alle zwei mal zwei Meter großen Ziffernblätter der Turmuhr müssen erneuert werden. Erst, wenn das Gerüst in Gänze abgebaut wird, können sie angebracht werden.

Es braucht besonderes Geschick

Jetzt geht es in großen Schritten wieder voran. Da Handwerker eine Mangelware und sehr gefragt sind, kämpfen die Firmenchefs an vielen Fronten.

1910 begann der Abbruch des Kirchturms, der Sakristei und des Hochaltarraumes.
1910 begann der Abbruch des Kirchturms, der Sakristei und des Hochaltarraumes.

Überall sollen sie sein, meint Bautler, aber er ist guter Dinge, dass das Projekt Hohengebraching bald zu Ende geht. Am Turm sind jetzt viele zugange. Zimmerer wechseln einzelne Balken an der großen Zwiebel aus, die kupferne Außenhaut haben Spengler schon abgenommen. Von unten sieht man wenig, was die Männer in schwindelerregender Höhe hinter den Planen machen. In den nächsten Tagen beginnen die Malerarbeiten. Die heiße Witterung war störend. Die Farbe wäre zu schnell getrocknet. Der Malermeister hätte keine Garantie übernommen. Bei den noch anstehenden Putzarbeiten bis zu 25 Millimeter muss auch der Trocknungszeit Rechnung (Ein Millimeter pro Tag) getragen werden.

Neue kupferne Wandanschlüsse an der Apsis sind schon angebracht. Sie mussten ausgewechselt werden, weil die Fugen mit Silikon abgedichtet waren. Auch Einschusslöcher wurden damals notdürftig mit dem Kunststoff zugemacht. Dasselbe Vorgehen wurde im Turmbereich bei der Verblechung angewandt. Es drang im Laufe der Zeit Wasser in den Turm ein. Das bayerische Landesamt für Bodenkultur und Denkmalpflege sowie das Bauamt der Diözese haben dieses Vorgehen mit Kupfer empfohlen. Kunststoff ist an historischen Gebäuden nämlich nicht zugelassen.

Das Dachgestühl von Zwiebeltürmen erfordert wegen der komplexen Form ein besonderes Geschick der Zimmerleute. Verkleidet werden Zwiebeltürme mit Kupferblech. Die traditionelle Bauweise eines Zwiebelturms sind mehrere Lagen aus gehämmertem Kupferblech. Einen alten Zwiebelturm erkennt man daher meist an der grünen Farbe ihrer Dachhaube.

Von der bisherigen Kirche blieb nur das Langhaus stehen, 14,5 Meter lang, 9.30 Meter breit.
Von der bisherigen Kirche blieb nur das Langhaus stehen, 14,5 Meter lang, 9.30 Meter breit.

Die Dachschalung an der großen Zwiebel wird in nächster Zeit angebracht und verblecht. Weitere drei bis vier Gerüstlagen müssen dann in 35 Metern Höhe, da beginnt der Schaft, auf dem die kleine Turmzwiebel (40,4 Meter) sitzt, aufgebaut werden.

Wenn bald die Arbeiten am Nordgiebel und der Apsis beendet sind, werden die ersten Gerüststeile auch wieder abgebaut. Im Innern des Turmes wird ein Bretterboden eingezogen, damit man zukünftig Wartungsarbeiten auch von innen durchführen kann. Bautler sagt: „Der veranschlagte Kostenrahmen von 650 000 Euro wird nach meiner Einschätzung gehalten.“ „Ich bin guter Dinge, dass der Bauzeitenplan eingehalten wird“, betont Pfarrer Stefan Haimerl.

Beschluss

Pentling steuert Geld zur Sanierung bei

In Hohengebraching ist der Kirchturm marode. Der Gemeinderat bewilligt einen Zuschuss von zehn Prozent der Gesamtkosten.

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