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Tiere

Rehkitze: Verfahren vor dem Abschluss

Der Traktorfahrer aus dem Landkreis Regensburg, der die zwei Bambis niedermähte, wird möglicherweise vor Gericht gestellt.
Von Wolfgang Ziegler

Auf einem Wiesengrundstück in einem Pentlinger Ortsteil starben im vergangenen Jahr zwei Rehkitze qualvoll. Fotos: Bayerischer Jagdverband dpa/lby
Auf einem Wiesengrundstück in einem Pentlinger Ortsteil starben im vergangenen Jahr zwei Rehkitze qualvoll. Fotos: Bayerischer Jagdverband dpa/lby

Regensburg.Nach etwas mehr als ein Jahr laufenden Ermittlungen steht das Verfahren um den Tod von zwei Rehkitzen auf einem Wiesengrundstück in einem kleinen Ortsteil von Pentling kurz vor dem Abschluss. Eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft ist nach Informationen der Mittelbayerischen bereits gefallen. Möglicherweise kommt es demnächst zu einem Strafprozess gegen den beschuldigten Traktorfahrer Lukas D., eventuell wird das Verfahren aber auch mit einem Strafbefehl und einer Geldstrafe beendet. Angesichts vergleichbarer Fälle erscheint eine – theoretisch mögliche – Einstellung des Verfahrens eher unwahrscheinlich.

Was war geschehen? Der Traktorfahrer Lukas D. hatte am 17. Juni 2018 in einem kleinen Dorf im Süden Regensburgs auf einer Wiese mit seinem Mähwerk zwei frisch gesetzte Rehkinder niedergemetzelt, obwohl ihn Tierschützer vor Ort gewarnt hatten. Nachdem wenige Tage später zwei Strafanzeigen gestellt worden waren, nahm die Staatsanwaltschaft Regensburg Ermittlungen auf.

Tierschutz werde hier ernst genommen

Dr. Edmund Haferbeck, der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung der Tierrechtsorganisation Peta, hat eine der Strafanzeigen gegen den Traktorfahrer gestellt. Foto: Peta
Dr. Edmund Haferbeck, der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung der Tierrechtsorganisation Peta, hat eine der Strafanzeigen gegen den Traktorfahrer gestellt. Foto: Peta

Dr. Edmund Haferbeck, der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung der Tierrechtsorganisation Peta, der eine der beiden Strafanzeigen gegen den zunächst unbekannten Traktorfahrer gestellt hat, war zuletzt hoch erfreut über die juristische Entwicklung des Falls in Pentling. „Zur Staatsanwaltschaft Regensburg wie überhaupt zu den bayerischen Anklägern habe ich volles Vertrauen. Der Tierschutz wird dort sehr ernst genommen“, sagte er vor Kurzem der Mittelbayerischen. Auch andere, identisch gelagerte Ermittlungsverfahren seien im Freistaat inzwischen rechtskräftig abgeschlossen worden.

Weil sich die Fälle gleichen und es trotz aller Warnungen immer wieder zur unsinnigen Tötung von Rehkitzen komme, habe sich laut Dr. Haferbeck inzwischen eine Phalanx aus Tierschützern und Jägerschaft gegen die Landwirte formiert. Viele von ihnen versäumten noch immer, rechtzeitig vor der Mahd dem Jagdpächter Bescheid zu geben, um das jeweilige Grundstück zu begehen und etwaiges Wild zu vergrämen. „Stattdessen mähen sie einfach drauflos“, so der Peta-Jurist.

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Genau so verhielt es sich Augenzeugen zufolge im vergangenen Jahr auch in dem Pentlinger Ortsteil. Dort wurden damals am 17. Juni von Traktorfahrer Lukas D. mit seinem Mähwerk zwei kleine Rehkitze niedergemetzelt. Das besonders Tragische: Zwei Tierschützerinnen hatten den Mann über die Ricke und ihre Kitze informiert und standen mit Helfern parat, um vor dem Mähen das Wiesengrundstück zu durchkämmen und die Bambis aufzuscheuchen. Der Fahrer wollte allerdings nicht warten und fuhr los.

Es dauerte nicht lange, bis der Mäher das erste Kitz erfasste. „Ich schrie und winkte dem Fahrer zu, sofort zu stoppen, was er auch tat. Als ich bei dem verletzten Kitz ankam, sah ich, wie es sich blutend in das verbliebene Gras zurückrobbte. Zwei Beine hingen nur noch leblos an dem kleinen Körper. Das Kitz schrie und blutete an verschiedenen Stellen“, erzählte uns eine der Frauen damals.

Nicht um das verletzte Tier gekümmert

Traktorfahrer Lukas D. sei daraufhin zwar kurz ausgestiegen, habe sich aber nicht um das schwer verletzte Tier gekümmert und sei eine weitere Runde gefahren, bei der er auch das zweite Kitz erwischt habe, so die Fortsetzung der schrecklichen Schilderung. Die Augenzeugin wörtlich zur Mittelbayerischen: „Bei diesem quollen die Eingeweide aus einem Schlitz in der Flanke. Zudem zog es ein Bein hinterher, das nahezu abgetrennt worden war.“ Diesmal sei der Fahrer nicht einmal mehr ausgestiegen. Da Lukas D. nicht – wie vorgeschrieben – die Telefonnummer eines Jägers dabeihatte, riefen die Tierschützerinnen die Polizei an, die wiederum einen Jäger alarmierte. Er erschoss die beiden Jungtiere.

Da der Mann den Tod der Tiere wohl billigend in Kauf genommen hatte – wie es im Gesetz heißt – und er mit dem sinnlosen Töten der beiden Rehkinder gegen Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes verstoßen haben könnte, erwägten die beiden Frauen damals selbst, Strafanzeige zu stellen. Dies übernahmen letztlich aber die Tierrechtsorganisation Peta sowie ein Privatmann aus der Region, der durch unser Medienhaus von dem Fall erfahren hatte.

Seit Juli 2018 wird ermittelt

Seitdem, seit Anfang Juli 2018, laufen die Ermittlungen nun. Peta-Jurist Dr. Haferbeck wies damals in seiner Strafanzeige darauf hin, dass der Traktorfahrer „entgegen der üblichen Praxis das Feld nicht vorher abgegangen bzw. keine Vorsichtsmaßnahmen bzw. unverzügliche Bergungsmaßnahmen vorgenommen“ habe, wie es die gute landwirtschaftliche Praxis vorsehe und nach der strafrechtlichen Rechtsprechung auch erfordere. Als besonders eklatant empfand er es, dass Lukas D. vor Ort sogar dazu aufgefordert worden sei, das Gelände zu kontrollieren. „Der Fahrer hielt sich vorsätzlich und bewusst nicht an diese Absprachen“, hieß es in der Peta-Anzeige.

Dr. Haferbeck zitierte in seinem Schriftsatz auch das Tierschutzgesetz, demzufolge niemand ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund töten dürfe. Bei Verstößen droht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe.

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