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Justiz

Schlossherr siegt vor Verwaltungsgericht

Die Baugenehmigung für das Pfarr- und Jugendheim in Hohengebraching ist aufgehoben. Das Landratsamt muss Kritik einstecken.
Von Marion von Boeselager, MZ

Nur noch einige Reste stehen vom alten Mesnerhaus, an dessen Stelle das Pfarr- und Jugendheim in Hohengebraching entstehen sollte. Dahinter ist der Giebel des alten Schlosses zu erkennen.
Nur noch einige Reste stehen vom alten Mesnerhaus, an dessen Stelle das Pfarr- und Jugendheim in Hohengebraching entstehen sollte. Dahinter ist der Giebel des alten Schlosses zu erkennen. Foto: Eder

Hohengebraching.Die Baugenehmigung für den Neubau eines Pfarr- und Jugendheims in unmittelbarer Nachbarschaft zur Alten Schlossanlage gilt nicht mehr. Die zweite Kammer des Regensburger Verwaltungsgerichts gab einer Klage von Schlossherr Hermann Zitzelsberger recht und erteilte dem Landratsamt eine deutliche Abfuhr. Das Gericht hob den Genehmigungsbescheid auf. Die Behörde habe es sich dabei „zu leicht gemacht“.

Nach den Plänen der Kirchenverwaltung Hohengebraching, vor Gericht vertreten durch Pfarrer Stefan Haimerl, soll auf dem Gelände des vor etwa sieben Jahren abgerissenen alten Mesnerhauses ein erweiterter Neubau für ein Pfarr- und Jugendheim entstehen, samt angegliedertem Stuhllager und einem angebauten Flachbau im Norden des Projekts – unmittelbar gegenüber der Giebelwand des Alten Schlosses mit den Wohnräumen Zitzelsbergers. Der Hauptbau soll unbestuhlt 100 Personen, im Obergeschoss 20 bis 30 Menschen Platz bieten. Hier sollen laut Betriebsbeschreibung an die 24 Veranstaltungen jährlich über die Bühne gehen.

Bedenken der Denkmalpfleger

Das Landesamt für Denkmalpflege hatte den flachen Ergänzungsbau kritisch betrachtet und einen Verzicht darauf oder strenge Denkmalschutz-Auflagen nahe gelegt. Trotzdem erteilte das Landratsamt im August vergangenen Jahres eine Baugenehmigung mit Auflagen zum Schutz der mittelalterlichen Bodendenkmäler und forderte ein Sicherungs- und Sanierungskonzeptes für die alte Toranlage. Auch die bautechnische Unbedenklichkeit bezüglich der Giebelwand und des in dem Bereich gelegenen mittelalterlichen Brunnens sollte nachgewiesen werden. Die umliegenden Gebäude seien von dem Vorhaben „nur marginal betroffen“, heißt es im Bescheid.

Das sah der Schlossherr allerdings anders und klagte. Der Unternehmer befürchtet unzumutbare Lärmbelästigungen durch das Projekt und meldete denkmalschützerische Bedenken an. Die zweite Kammer des Verwaltungsgerichts gab ihm jetzt Recht. „Schon Sonnenkollektoren nur 60 Meter von einem alten Rathaus entfernt werden als erhebliche Beeinträchtigung gesehen“, betonte der Vorsitzende Richter. „Und hier haben wir ein Grundstück, auf dem in nur drei Metern Entfernung zu einem denkmalgeschützten Gebäude ein Neubau errichtet werden soll.“ Von „marginal“ könne daher keine Rede sein. „Wir neigen dazu zu sagen, dass es sich das Amt hier ein bisschen einfach gemacht hat“, meinte der Vorsitzende Richter.

Vorab hatte die Kammer sich bei einem Ortstermin selbst ein Bild der Lage gemacht. Ihr Fazit: „Wenn ich vor dem drei Meter hohen (geplanten) Neubau stehe, wird die Blickbeziehung zu den Denkmälern nicht nur beeinträchtigt, sondern vernichtet“, argumentierte der Vorsitzende. Auch das Wesen des Alten Schlosses werde dadurch beeinträchtigt. „Wenn ich von Ost nach West auf das Schloss schaue, sieht es so aus, als wäre der Neubau ans Alte Schloss angebaut. Da sieht man den Abstand nicht.“ Zudem lebe die Beziehung der einzelnen Baudenkmäler von der Freifläche dazwischen: „Von hier aus hat man im Rundblick den Eindruck eines historischen Ensembles. Und diese Freifläche soll zugebaut werden.“ Es spräche also „viel für eine erhebliche Beeinträchtigung“, so das Gericht.

Lärmschutz nicht thematisiert

Dazu komme der Komplex der Lärmbelästigung: Der Immissionsschützer habe zwar in seiner Stellungnahme angekreuzt „keine Beeinträchtigung.“ Doch dies sah die Kammer mehr als kritisch: „Ein Pfarr- und Jugendheim ist kein Wohnhaus einer dreiköpfigen Familie“, bemerkte der Vorsitzende Richter überspitzt. Nur 24 Veranstaltungen pro Jahr „erscheinen mir unrealistisch“, erklärte er. „Ich kenne das von anderen Pfarrheimen. Da findet doch auch mal eine Jugenddisco oder eine Silvesterfeier statt. Und die endet bestimmt nicht um 22 Uhr.“ Auch würde sicher auch im Freigelände gefeiert und die entstandene „Sackgasse“ zwischen Neubau und Schloss als „Raucherecke“ genutzt werden.

Pfarrer Stefan Haimerl räumte ein, dass die Betriebsliste „nicht als abschließend betrachtet“ werden könne. Sonderveranstaltungen seien möglich. Aber „solange ich da bin, wird es dort eine Jugenddisko nicht geben.“ Dies konterte das Gericht mit der Bemerkung: „Die Baugenehmigung muss aber über Ihre Dienstzeit hinausgehen.“ Das Gericht stellte die Frage in den Raum, wie unter diesen Umständen hinreichend beurteilt werden könne, wie laut es dort tatsächlich werden wird, und was der Nachbar hinnehmen müsse.

Die Lärmschutzproblematik sei „mitnichten bewältigt und überhaupt nicht im Bescheid thematisiert worden“, fuhr der Vorsitzende fort und kritisierte, dass die Baugenehmigung in dieser Hinsicht alles offen lasse. Danach sei jede denkbare Nutzung in dem Gebäude möglich, inklusive Verstärker- und Stereoanlage – womit sich die Lärmschutzproblematik sofort in Richtung kritisch verschiebe.

„Sie werden einen neuen Bescheid herausgeben müssen“, wandte sich die Kammer an die Genehmigungsbehörde. Davor sei aber eine „intensive Auseinandersetzung mit Fachleuten nötig“, mahnte die Kammer. Das Projekt an dieser Stelle sei „nicht glücklich.“ Der Vorsitzende Richter schlug deshalb spontan als Alternative den großen Pfarrgarten vor: „Warum kann man da nichts reinbauen?“ Hermann Zitzelsberger ergänzte, der Kirchenstiftung seien von der Gemeinde Pentling als Alternative bereits zwei Häuser in unmittelbarer Nähe des Bauortes angeboten worden. Das Gericht forderte das Landratsamt ausdrücklich auf, mögliche Alternativen für das geplante Pfarr- und Jugendheim vor Erlass eines neuen Bescheids zu prüfen.

Ein Riss geht durch das Dorf

  • Abriss geplant

    Seit mehreren Jahren geht ein Riss durch Hohengebraching. Die Kirchengemeinde wünscht sich seit langem den Neubau eines Pfarr- und Jugendheims und wollte deshalb das alte Mesnerhaus abreißen lassen.

  • Schlossherr wehrt sich

    Dagegen wehrte sich Schlossherr Hermann Zitzelsberger, da das Gebäude unter Denkmalschutz stehe. Trotzdem wurde mit dem Abriss begonnen, der dann eingestellt, wieder fortgeführt und erneut eingestellt wurde.

  • Eine Ruine

    Seitdem ist das alte Mesnerhaus eine Ruine und steht im Zentrum des Zerwürfnisses im Dorf. Denn es war nicht klar, ob der Rest des alten Gebäudes abgerissen und das neue Projekt gebaut werden kann.

  • Vor Gericht gezogen

    Im September 2014 teilte die Pentlinger Bürgermeisterin mit, dass das Landratsamt nun die Baugenehmigung für das Pfarr- und Jugendheim erteilt habe. Dagegen zog Zitzelsberger vor das Verwaltungsgericht.

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