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Gesellschaft

Senioren schätzen Bürgerbus

Für ein Jahr läuft in Regenstauf ein Modellversuch zur Anbindung der Ortsteile. Die Fahrgäste werben, damit es weitergeht.
Von Sabine Norgall

9.35 Uhr: Ankunft in Regenstauf. Johann Wagner chauffiert den Bus nicht nur, er ist auch beim Ein- und Aussteigen behilflich. Bis 12 Uhr haben die Fahrgäste Zeit für Arztbesuche, einen Friseurtermin oder Einkäufe. Dann geht es wieder zurück in die Ortsteile, bis fast vor die eigene Haustür. Foto: Norgall
9.35 Uhr: Ankunft in Regenstauf. Johann Wagner chauffiert den Bus nicht nur, er ist auch beim Ein- und Aussteigen behilflich. Bis 12 Uhr haben die Fahrgäste Zeit für Arztbesuche, einen Friseurtermin oder Einkäufe. Dann geht es wieder zurück in die Ortsteile, bis fast vor die eigene Haustür. Foto: Norgall

Regenstauf.Donnerstag, kurz vor 8 Uhr am Bauhof. Johann Wagner ist einer der zwei ehrenamtlichen Chauffeure des Regenstaufer Bürgerbusses. Als der 72-jährige pensionierte Polizist die Garage aufsperrt, um den Bus herauszufahren, blickt seine Frau, die ihn mit dem Auto brachte, skeptisch in das Schneetreiben vor dem bleigrauen Himmel: „Da werdet ihr wohl nicht viele Fahrgäste haben.“

Aber seit seinem Start am 13. November 2018 fährt der Bürgerbus bei jedem Wetter seine Tour. Am Dienstag über Steinsberg (Abfahrt Alte Hofmark 8.30 Uhr), Eitlbrunn und Loch und am Donnerstag über Grafenwinn (Abfahrt Feuerwehrhaus um 8.30 Uhr), Kirchberg, Karlstein, Kleinramspau,Heilinghausen, Hirschling und Ramspau.

„Es ist eine gemeindliche Aufgabe, auch die Ortsteile anzubinden.“

Seniorenbeauftragte Paula Wolf

Der Bus aus Steinsberg ist um 9.05 Uhr im Regenstaufer Ortszentrum in der Hindenburgstraße, der Bus aus dem Regental kommt um 9.35 Uhr dort an. Rückfahrt ist jeweils um 12 Uhr. Seniorenbeauftragte und SPD-Markträtin Paula Wolf, die den Bürgerbus organisierte, ist überzeugt: „Es ist eine gemeindliche Aufgabe, auch die Ortsteile anzubinden.“

Sehen Sie in der Grafik: Auf diesen Linien fährt der Bürgerbus

Als unser Medienhaus die Tour am Donnerstag begleitet, fährt Johann Wagner zuerst Grafenwinn an. Und das, obwohl er weiß, dass dort wohl niemand einsteigen wird. Seit drei Monaten stieg in Grafenwinn noch kein Fahrgast in den Bürgerbus. Auch in Kirchberg, Karlstein, und Kleinramspau wartet Wagner vergeblich bis zur planmäßigen Abfahrt. Allerdings bewegen sich in Kleinramspau die Gardinen eines Hauses. Der Bürgerbus wird registriert, aber (noch) nicht genutzt. Aber es gibt die Rückmeldung von einem Kleinramspauer, der in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle wohnt: „Ich fahr bald mal mit, bevor es zu spät ist.“

Nahverkehr

Bürgerbus für Regenstauf beantragt

Ältere Regenstaufer fühlen sich in den Ortsteilen vom Nahverkehr abgehängt. Paula Wolf drängt auf eine pragmatische Lösung.

Fast ist Wagner etwas enttäuscht, als auch kein Fahrgast an der Bushaltestelle in Heilinghausen steht, hat er doch hier seit der Jungfernfahrt zwei treue Fahrgäste. Aber Wagner ist etwas zu früh dran und Roswitha Federl kommt auch dieses Mal zum Bürgerbus.

Roswitha Federl (67) aus Heilinghausen schätz den Bürgerbus: „Heute steige ich um und fahre zu meinem Sohn nach Regensburg. Von Regenstauf aus ist das kein Problem.“ Foto: Norgall
Roswitha Federl (67) aus Heilinghausen schätz den Bürgerbus: „Heute steige ich um und fahre zu meinem Sohn nach Regensburg. Von Regenstauf aus ist das kein Problem.“ Foto: Norgall

Ihre Freundin, die sonst auch mitfährt, ist aus familiären Gründen verhindert. So kann Wagner in Heilinghausen nur einen Strich auf seiner Liste machen. Während des Probejahres wird genau festgehalten, wie viele Bürger, in welchen Ortsteilen, den Service nutzen. Roswitha Federl ist das durchaus bewusst und sie erzählt von der Ermahnung ihrer Freundin: „Wenn ich nicht kann, musst du fahren. Damit der Bus erhalten bleibt.“

Senioren schätzen Regenstaufer Bürgerbus

„Diese Hilfsbereitschaft ist das Höchste.“

Roswitha Federl

Die 67-jährige Federl fühlt sich wohl im Bürgerbus. Das Einsteigen falle trotz des hohen Einstieges leicht, da die Fahrer Johann Wagner oder Reinhard Wolf immer zur Stelle sind und mit einem kleinen Trittschemel beim Ein- und Aussteigen helfen. Federl: „Diese Hilfsbereitschaft ist das Höchste.“Auch bei der Rückfahrt würden einem die Einkaufstaschen abgenommen und im Bus verstaut. Leider, bedauert Federl, nähmen nur wenige Heilinghauser den Bürgerbus an. Sie hofft jedoch, dass ihn ihr 88-jähriger Onkel demnächst auch nutzt. Sie rührt fleißig die Werbetrommel.

Einige Haltestellen, wie hier in Kirchberg, fährt der Bürgerbus bei der Regentalrunde umsonst an. Bislang will keiner mitfahren.  Foto: Norgall
Einige Haltestellen, wie hier in Kirchberg, fährt der Bürgerbus bei der Regentalrunde umsonst an. Bislang will keiner mitfahren. Foto: Norgall

Spätestens als in Heilinghausen die 80-jährige Anna Biller und deren gleichnamige 68-jährige Schwägerin zusteigen, wird klar: Der Bürgerbus ist viel mehr, als nur eine Transportmöglichkeit. Er hat auch eine soziale Komponente. Man kennt sich, man kennt den Fahrer, und zwischen Heilinghausen und Regenstauf wird manche Familien- oder Lebensgeschichte erzählt.

Anna Biller (80) aus Heilinghausen: Die großen Sachen kauft mein Sohn oder die Schwiegertochter. Aber einmal in der Woche ist es schön, selbst zu schauen, was es so gibt. Foto: Norgall
Anna Biller (80) aus Heilinghausen: Die großen Sachen kauft mein Sohn oder die Schwiegertochter. Aber einmal in der Woche ist es schön, selbst zu schauen, was es so gibt. Foto: Norgall

Während die 80-jährige Anna Biller vor der Einführung des Bürgerbusses in den Linienbus jenseits des Regens an der Staatsstraße stieg, fährt ihre jüngere Namensvetterin erst wieder nach Regenstauf, seit der Bürgerbus mitten in Hirschling hält. Nach einer Operation war ihr der Weg zur Haltestelle des Linienbusses zu weit. Die Schwägerinnen schätzen es, dass der Bürgerbus erst um 9.15 Uhr in Hirschling abfährt. Für den Linienbus mussten sie viel früher aufstehen.

Anna Biller  (68) aus Heilinghausen heißt wie ihre Schwägerin: „Ich fahre regelmäßig mit dem Bürgerbus. Heute mache ich mir einen Termin beim Friseur aus und gehe einkaufen. Foto: Norgall
Anna Biller (68) aus Heilinghausen heißt wie ihre Schwägerin: „Ich fahre regelmäßig mit dem Bürgerbus. Heute mache ich mir einen Termin beim Friseur aus und gehe einkaufen. Foto: Norgall

Warum bisher relativ wenige den Bürgerbus nutzen, ist den drei Fahrgästen am Donnerstag ein Rätsel. Wenn das Frühjahr kommt, sagt die 80-jährige Anna Biller, komme man wieder mehr raus, „dann werde ich Werbung für den kostenlosen Bus machen“. Dass auch in Ramspau direkt bei der Kirche keiner einsteigt, darüber wundern die drei Frauen: „Es ist doch so bequem und für den Linienbus müssen sie rüber bis zur Staatsstraße.“

Seniorenbeauftragte Paula Wolf organisierte den Seniorenbus. Foto: Norgall
Seniorenbeauftragte Paula Wolf organisierte den Seniorenbus. Foto: Norgall

Probebetrieb heißt Probebetrieb

Für Paula Wolf ist der Bürgerbus eine wichtige Möglichkeit, dass Senioren, die sonst keine Mitfahrgelegenheit haben, auch mal aus ihrem Alltagstrott herauskommen. Ausnahmsweise fährt sie an diesem Donnerstag die Tour mit und das kommt Roswitha Federl gerade Recht. Sie erkundigt sich nach dem Seniorencafé im Mehrgenerationenhaus und gleich wird für den 6. Februar ein Besuch ausgemacht. Paula Wolf: „Sagt Bescheid, wenn ihr kommen wollt, wir holen euch auch mit dem Auto ab.“ Wolf freut sich über alle Senioren, die kommen: „Und besonders schön ist es, wenn wir die Ortsteile einbinden können.“

Auch wenn an diesem Donnerstag nur drei Frauen den Bürgerbus nutzen, sieht Wolf die ersten Monate des Versuchs als Erfolg. Auf der Strecke über Steinsberg würden im Durchschnitt sechs Personen mitfahren. Ob man auf Dauer Ortsteile wie Grafenwinn oder Karlstein weiter anfahren werde, wo über Monate nie ein Fahrgast einstieg, darüber müsse man sich Gedanken machen. Wolf weiter: „Probebetrieb heißt Probebetrieb. Man schaut es sich ein Jahr lang an.“

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