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Tierschutz

Sie retten Rehe aus der Luft

Tobias Neugebauer und Michael Paa gehen im Kreis Regensburg mit der Drohne auf Jagd – um Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren.
Von Alexander Auer

Dieses Kitz entdeckten die beiden Jäger im hohen Gras der Wiese und brachten es in Sicherheit.Foto: Alexander Auer
Dieses Kitz entdeckten die beiden Jäger im hohen Gras der Wiese und brachten es in Sicherheit.Foto: Alexander Auer

Bernhardswald.Dunkle Kulleraugen blicken Tobias Neugebauer und Michael Paa ängstlich entgegen, als sie ein Rehkitz im Grasdickicht entdecken. Doch die beiden Jäger trachten dem kleinen Bambi nicht nach dem Leben – im Gegenteil, sie wollen es retten. Deswegen setzen sie ihre Drohne mit Wärmebildkamera ein, um Felder vor der Ernte abzusuchen und so sinnlose Mähtode der Tiere zu verhindern. Auf dem Bildschirm sind Wärmepunkte zu erkennen, welche die Jäger dann anschließend absuchen.

Eine kleine kompakte Drohne bringt Jäger Neugebauer zum Einsatz. Früher seien die die Wärmebildkamera-Drohnen relativ groß und unhandlich gewesen, erzählt er. Jetzt gebe es das Ganze schon in einem kleinen, faltbaren Maß, das man gut transportieren könne. Und vor allem: Während die Technik früher sehr kostspielig war, bekomme man solche Drohnen für „unter 3000 Euro mit Wärmebild schon fertig integriert“. Die Drohnen seien leicht zu fliegen. „Mit ein bisschen Übung klappt das auch ziemlich gut“, versichert Neugebauer.

Optimales Versteck für Kitze

Erschwinglich, kompakt und leicht zu fliegen –mittlerweile sind für Jäger Tobias Neugebauer Drohnen das Mittel der Wahl, um Flächen abzusuchen. Foto: Alexander Auer
Erschwinglich, kompakt und leicht zu fliegen –mittlerweile sind für Jäger Tobias Neugebauer Drohnen das Mittel der Wahl, um Flächen abzusuchen. Foto: Alexander Auer

An diesem Tag unterstützt er zusammen mit Paa mit der modernen Technik Biolandwirt Andreas Bauer. Für seine 60 Milchkühe braucht Bauer genügend Futter. Ein Teil davon besteht aus Kleegras, das nun gemäht werden soll. Rund einen Meter ist das Gras hoch – optimal als Versteck für junge Kitze, doch ebenso gefährlich, wenn der Traktor mit seinem Mähwerk kommt. Selbiges schneidet etwa sieben Zentimeter über dem Boden und kann so ein kleines Bambi schwer oder sogar tödlich verletzten.

Sehen Sie hier ein Video zum Thema:

Video: Alexander Auer

Wer jetzt denkt: „Wie kann das sein?“, sollte wissen: Kitzen fehlt der Fluchtreflex. „Das Kitz bewegt sich nicht, weil es gelernt hat von den Instinkten und der Natur, dass es sich wegduckt und eben so lange ruhig verharrt, bis die Gefahr vorbei ist“, erklärt Jäger Tobias Neugebauer.

Die zu untersuchende Fläche misst laut Biolandwirt Bauer ungefähr drei Hektar. Um die Fläche effektiv nach Rehkitzen abzusuchen, wären hier wohl rund zehn Leute notwendig, die zu Fuß in einem oder zwei Meter Abstand höchstens die Wiese durchsuchen würden. Das würde mehrere Stunden dauern, schätzt Bauer. Ein sicherer Erfolg wäre dennoch nicht gegeben, da durch den hohen Bestand die Rehkitze leicht übersehen werden können.

Sehen Sie hier mehr Bilder von der Rettungsaktion:

Die Reh-Retter aus dem Landkreis Regensburg

Darum habe Bauer lieber dem Jäger Bescheid gegeben, mit der neuen Drohne einmal das Gebiet abzusuchen, ob sich dort Rehkitze verbergen. Neugebauer und Paa stehen am Wiesenrand und suchen mit der Drohne die Wiese ab. Der Akku reicht normalerweise für eine Flugzeit von 20 bis 25 Minuten. In der Zeit lässt sich eine Wiese ohne Probleme absuchen. Für größere Flächen „haben wir immer einen zweiten oder dritten Akku dabei, um das eben einmal wechseln zu können“.

Eine Geiß verschwindet im Wald

Die Drohne schwebt langsam über dem Grün. Unten in einer Mulde springt eine Geiß auf und verschwindet im Wald. Dort werden die beiden jetzt intensiv nachforschen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass da ein Kitz liegt. Mit der Drohne suchen sie nach Wärmepunkten. Das kann ein Ameisenhaufen sein, ein Maulwurfhügel, alles was Wärme speichert – oder ein Kitz!

Der drohende Mähtod

  • Problem:

    Ein Großteil der Kitze wird auf Grünland- und Feldfutterbauflächen gesetzt. Von Anfang Mai bis Ende Juni rechnet man dort mit ihnen. Hier finden sie Schutz vor natürlichen Fressfeinden wie dem Rotfuchs. In den ersten sechs bis acht Wochen halten sich die weitgehend geruchslosen Kitze versteckt und pressen sich bei nahender Gefahr bewegungslos auf den Boden anstatt zu flüchten. Dadurch können Kitze effektiv natürliche Feinde meiden. Die Gefahr von nahenden Arbeitsmaschinen mit Kreiselmähwerken erkennen die Kitze jedoch nicht.

  • Hilfsmittel:

    Sowohl in Dänemark als auch in Deutschland wurden Infrarotsensoren zur Detektion von Wildtieren entwickelt und getestet. Bisher war jedoch nur ein handgeführtes Gerät auf dem Markt. Seit einigen Jahren werden auch Drohnen zur Kitzrettung eingesetzt, wobei verschiedene Techniken zur Anwendung kommen. Allen Methoden gemeinsam ist: Die zu mähenden Flächen werden mit Drohnen, welche mit einer Wärmebildkamera ausgestattet sind, überflogen und die entdeckten Kitze aus den Flächen getragen. (Quelle: Bayerisches Agrarministerium)

Da, ein roter Punkt leuchtet auf dem Bildschirm der Jäger aus. Die beiden laufen in die Wiese. Sie entdecken eine Stelle, an der kürzlich etwas lag. Irgendwo müssen Kitze sein. „Guck, da ist eines“, sagt Neugebauer. „Ja, wir haben eines“, bestätigt Paa. Ausgerüstet mit Gummihandschuhen und Grasbüscheln nimmt Tobias Paa das junge Tier hoch und trägt es zu einer präparierten Kiste. Dort passen die Frau und die Kinder des Bauern auf, dass es nicht wieder ins Feld läuft.

„Wir passen jetzt auf die Kitze auf, bis mein Papa fertig ist mit dem Mähen“, berichtet der siebenjährige Sebastian stolz. Vorher hatte der Junior noch kein Rehkitz gesehen.

Dank der Unterstützung der beiden Jäger Tobias Neugebauer und Michael Paa, geht der Tag glücklich zu Ende, denn kein Kitz kommt zu Schaden. „Die Mäharbeit macht dann natürlich auch mehr Spaß, wenn man weiß, das Feld oder die Wiese wurde abgesucht“, so der Bio-Bauer. Erleichtert berichtet er: „Ansonsten ist immer ein mulmiges Gefühl dabei. Erwischt man was oder erwischt man nichts. Als Landwirt hat man auch keine Freude daran, wenn man dann ein verletztes oder schwer verletztes Kitz erlösen muss.“

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