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Energie

So öko ist der Strom im Landkreis

Bei der Erzeugung von regenerativer Energie liegt das Regensburger Land weit vorne. Probleme bereiten aber Treibhausgase.
Von Christof Seidl

Diese Freiflächen-Fotovoltaikanlage der Energiegenossenschaft BERR ging Ende 2016 in Betrieb. Archivfoto: BERR
Diese Freiflächen-Fotovoltaikanlage der Energiegenossenschaft BERR ging Ende 2016 in Betrieb. Archivfoto: BERR

Regensburg.Fast 70 Prozent Strom aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse: Der Landkreis Regensburg ist, was die Produktion von regenerativer Energie angeht, den Vorgaben der Bundesregierung um 20 Jahre voraus. Das ist vor allem zwei Faktoren zu verdanken: einer Vielzahl an Fotovoltaikanlagen und dem Wasserkraftwerk der Donaustaustufe bei Geisling.

Dabei sind die jüngsten verlässlichen Zahlen zur Produktion und zum Verbrauch von Strom bereits mehr als zwei Jahre alt. Sie basieren auf Daten, die der Klimaschutzmanager am Landratsamt, Dr. André Suck, ausgewertet hat. Seitdem dürfte vor allem der Anteil der Fotovoltaikanlagen an der Gesamtstromproduktion noch deutlich zugenommen haben

Das Wasserkraftwerk der Donau-Staustufe produziert fast ein Viertel des im Landkreis benötigten Stroms. Foto: Fritz Winter
Das Wasserkraftwerk der Donau-Staustufe produziert fast ein Viertel des im Landkreis benötigten Stroms. Foto: Fritz Winter

So hat beispielsweise die Regensburger Energiegenossenschaft BERR Ende 2016 eine Freiflächen-Photovoltaikanlage mit knapp einem Megawatt Leistung in Betrieb genommen. Insgesamt gab es im Landkreis Ende 2016 mehr als 12000 Fotovoltaikanlagen. Bei der großen Mehrzahl handelte es sich um kleine Dachanlagen.

Solarstrom toppt Wasserkraft

Zehn große Windräder drehen sich im Landkreis Regensburg. Die bis zu 200 Meterhohen Windriesen produzieren etwa drei Prozent des Gesamtstromverbrauchs im Landkreis Regensburg. Foto: Armin Weigel/dpa
Zehn große Windräder drehen sich im Landkreis Regensburg. Die bis zu 200 Meterhohen Windriesen produzieren etwa drei Prozent des Gesamtstromverbrauchs im Landkreis Regensburg. Foto: Armin Weigel/dpa

Bereits im Jahr 2014 hat der Solarstrom mit 30 Prozent Anteil die Wasserkraft als wichtigsten erneuerbaren Energieträger überholt. Dass Wasser im Landkreis überhaupt eine so große Rolle spielt, liegt an der Donaustaustufe Geisling. Deren Wasserkraftwerk lieferte im Jahr 2015 fast ein Viertel des im Landkreis benötigten Stroms. Im Vergleich dazu lässt sich die Stromproduktion durch Windräder mit rund drei Prozent des Gesamtbedarfs fast schon vernachlässigen. Ähnliches gilt für Biomasse (etwa vier Prozent) und Biogas (rund drei Prozent). Weitere Wasserkraftwerke machen ebenfalls drei Prozent der Stromproduktion aus.

Dr. Suck zieht aus diesen Zahlen ein zunächst sehr positives Fazit. Auch ohne Berücksichtigung der Stromerzeugung aus dem Wasserkraftwerk Geisling habe der Landkreis bereits heute die bundespolitische Zielsetzung gemäß Erneuerbarem-Energien-Gesetz 2017 (EEG) bezogen auf das Jahr 2025 erfüllt. Geisling eingerechnet seien auch die EEG-Zielsetzungen für das Jahr 2035 erfüllt.

Der Kraftfahrzeugverkehr ist im Landkreis der größte Produzent von Treibhausgasen. Für einen Umstieg auf Öko-Strom sind neben weiteren Produktionsmöglichkeiten auch Stromspeicher nötig. Foto: xtl
Der Kraftfahrzeugverkehr ist im Landkreis der größte Produzent von Treibhausgasen. Für einen Umstieg auf Öko-Strom sind neben weiteren Produktionsmöglichkeiten auch Stromspeicher nötig. Foto: xtl

Dass der Anteil des „Öko-Stroms“ am Gesamtverbrauch trotz des Zuwachses an Fotovoltaikanlagen nicht stärker steigt, liegt daran, dass Haushalte und Gewerbe im Landkreis ständig mehr Strom verbrauchen. Der Zuwachs betrug zwischen 2012 und 2015 jährlich rund sechs Prozent. An dieser Entwicklung dürfte sich auch in den vergangenen beiden Jahren wenig geändert haben. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstrombedarf ist 2015 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht zurückgegangen, weil der Zuwachs mit dem Anstieg des Elektrizitätsverbrauchs nicht mithalten konnte.

Trotz der positiven Entwicklung bei der Stromproduktion aus erneuerbarer Energie bleibt der Handlungsbedarf bei der Reduzierung der Treibhausgasemissionen sehr groß, wenn der Landkreis die Klimaschutzziele der Europäischen Union (EU) und der Bundesregierung erreichen will. So fordert die EU bis zum Jahr 2030 einen Rückgang der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent, bezogen auf das Jahr 1990. Bis zum Jahr 2050 sollen es sogar 95 Prozent sein.

Verkehr ist ein Kernproblem

Nach Angaben des Energieentwicklungsplans des Landkreises verursacht derzeit der Verkehrssektor den größten Anteil an Treibhausgasemissionen. Wie groß der Anteil der Wärmeproduktion (Heizung von Gebäuden, Abwärme im Gewerbebereich) an diesen Treibhausgasen ist, lässt sich nicht genau bestimmen, auch weil für die Wärmeerzeugung auf regenerativer Basis nach Sucks Angaben keine Daten vorliegen.

Der Klimaschutzmanager betont, dass für eine Treibhausgasneutralität die Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom in den Bereichen Mobilität/Verkehr und Wärme eine zentrale Voraussetzung ist. Dazu sei nicht nur ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien im Landkreis Regensburg erforderlich, sondern auch der umfangreiche Einsatz von Stromspeichern. Nur dann werde es möglich sein, die benötigten Strommengen aus erneuerbaren Energien zeitlich angepasst bereitzustellen.

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