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Einsatz

Sportliebhaber, Pionier und Überlebender

Es im Rentenalter ruhig anzugehen kommt für Alfons Ebneth nicht in Frage. Doch dann fiel er plötzlich ins Koma.
Von Ralf Strasser

Alfons Ebneth vor einem seiner Meilensteine: Das neue Sportheim mit integriertem Jugendtreff.Foto: msr
Alfons Ebneth vor einem seiner Meilensteine: Das neue Sportheim mit integriertem Jugendtreff.Foto: msr

Bernhardswald.Rentner und Zeit haben? Das passt nicht zusammen! Das mag man unterschiedlich sehen, bei Alfons Ebneth kann man dem zustimmen. „Ich brauche Aufgaben und Herausforderungen“, sagt er, ein Ruhestand kommt für den 65-Jährigen nicht in Frage. Da sammelt sich allerhand im ehrenamtlichen Portfolio.

Im September 1953 wird er „als typischer Oberpfälzer“ geboren, wie er sagt. Impulsiv und emotional sei er, „mit allen Vor- und Nachteilen, die Bandbreite ist da recht groß“. Er sagt, was er meint. Nachtragend sei er nicht, „ich komme mit allen gut aus“. Nach Abitur und Kaufmannslehre schließen sich 30 Jahre bei der Bundeswehr an. 2003 geht er in Regensburg als Oberstleutnant in den Ruhestand. Was folgt, ist ein Neustart, wie es Ebneth nennt. Im Ehrenamt. „Für mich war es selbstverständlich, dass ich dem Staat etwas zurückgebe.“ Menschenführung, Engagement und Organisation habe er im Staatsdienst gelernt. All das setze er nun ein, nachhaltig und erfolgreich. In den Fokus rückt dabei ein Sport, der vor zwanzig Jahren nahezu unbekannt war: der Orientierungslauf (OL).

Ebneth erinnert sich: „2001 war in Regensburg ein Landesturnfest. Dort wurde auch Orientierungslauf angeboten.“ Er kommt dort mit Prof. Dr. Stephan Schneuwly in Kontakt, mit dem er 2007 die mittlerweile bundesweit erfolgreiche Laufgemeinschaft Regensburg gründen sollte. „Spätestens bei dieser Veranstaltung habe ich die Leidenschaft für diesen Sport entdeckt.“

Aktiv im Sport – als Rentner

Seit 1993 wohnt Ebneth in Bernhardswald, übernimmt 2004 das Amt des Abteilungsleiters Ski im TSV Bernhardswald. „Mit einer Bedingung. Ich wollte OL in die Abteilung integrieren.“ Das gelingt sofort: Fast vom Stand weg waren 53 Aktive im Orientierungslauf im Verein. Ab da geht es buchstäblich aufwärts. Ebneth führt die Aktiven zu bundesweiten und internationalen Wettkämpfen und zu Meisterehren. Er etabliert in Bernhardswald das einzige bayerische Landesleistungszentrum, macht den Sport populär. Ämter reiht er aneinander, wie andernorts Perlen auf der Schnur, er wird Vizepräsident des Bayerischen Turnverbands, ebenso Landesfachwart OL Bayern. Ab 2011 übernimmt er das Amt des Vorsitzenden des Gesamtvereins in Bernhardswald und widmet sich zusammen mit Sepp Gietl dem Mammutprojekt „neues Sportheim für den TSV“. Von Null auf Hundert, denn die Vereinskassen waren leer. „Wir hatten kein Geld, aber dringenden Handlungsbedarf.“

Seine Meilensteine

  • Orientierungslauf:

    „OL“ ist eine Laufsportart. Im Gelände werden mehrere Kontrollpunkte festgelegt. Die müssen die Läufer mit Hilfe von Landkarte und Kompass finden. Dabei wählt jeder Läufer die für ihn optimale Route selbst. Rentner Alfons Ebneth machte den Sport im Kreis Regensburg publik.

  • Sportheim:

    Fast ohne Budget realisierte Ebneth mit Josef Gietl das neue Sportheim des TSV.

Der Weg zum neuen Sportheim führt über mühsames Sammeln von Geldern, zahllose Gespräche und Stunden gefüllt mit Eigenleistungen vieler Mitglieder. Auch das Projekt mit dem Sportheim gelingt, ebenso wie die Integration eines Jugendtreffs in dessen neuen Räumen.

Dann stand alles auf dem Spiel

Bei der Eröffnung des neuen Sportheimes ist Ebneth dabei. Eine Selbstverständlichkeit, die es beinahe nicht gegeben hätte. Im Mai 2014 schickt ein Zeckenbiss ihn ins Krankenhaus und zwei Wochen ins Koma. „Ich musste wieder das Stehen und Laufen lernen“, erinnert sich Ebneth. Hartes Training, Reha und Ausdauer bringen ihn wieder auf den Damm. Einigermaßen. „Die Folgeerscheinungen werden wohl nie weggehen“, bis heute macht sich die FSME bemerkbar. Aber unterkriegen lässt sich Ebneth nicht.

2017 sagt er „Servus“ zum Amt des Vorsitzenden. Lässt Ebneth es jetzt ruhiger angehen? „Aber gewiss nicht“, sagt Ebneth lächelnd bei einer Tasse Kaffee, die er fast jeden Morgen in einem Café in Bernhardswald bestellt. Aufgaben und diese ausfüllen sind Therapie für mich.“ Also packt er weiter an. Als Organisator des Sommerlaufs etwa, oder als Trainerausbilder im Orientierungslauf. Und beim TSV. Der liege ihm am Herzen, „und das wird sich nicht ändern“.

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