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Drahtseilakt

Sprünge zu WM-Medaillen in Shanghai

Rope Skipperinnen können mit Spenden in China starten. Doppel-Gold für Anna Uhl und Silber und Bronze für Abbacherin glänzen.
Von Kristin Winderl und Martin Rutrecht

Die Jumping Joeys mit der Abbacherin Olivia Gessner (l.) und chinesischen Juniorspringerinnen Foto: Moritz Gessner
Die Jumping Joeys mit der Abbacherin Olivia Gessner (l.) und chinesischen Juniorspringerinnen Foto: Moritz Gessner

Bad Abbach.Die Crowdfunding-Aktion der Jumping Joeys war ein Erfolg: Mit 5330 Euro Spendengeldern aus einer Internetaktion konnten die Athletinnen Anna Uhl, Verena Silbereisen, Stefanie Lex und Julia Schmid aus Neutraubling sowie Olivia Gessner aus Bad Abbach einen Teil ihrer Reise nach Shanghai finanzieren. Dort starteten die Rope Skipperinnen (simpel übersetzt: Seilspringerinnen) bei der Weltmeisterschaft – und kehrten mit Medaillen zurück.

Unterstützer der sportbegeisterten Schülerinnen und Studentinnen konnten auf der Plattform fairplaid.org unter dem Stichwort „Jump2Shanghai“ spenden, 5000 Euro waren das Ziel. Wäre das nicht erreicht worden, wären alle Gelder an die Gönner zurückgegangen und die Jumping Joeys leer ausgegangen. Der WM-Start wäre hinfällig geworden. Zum Glück passierte das nicht, denn bei etwa 12 000 Euro Gesamtkosten für Flüge, Visa, Unterkunft und mehr – alles aus eigener Tasche – war dieses Finanzpolster eine willkommene Hilfe.

Jubel im deutschen Eck auf der Tribüne

„Die Leute von Fairplaid sind ein kompetentes und nettes Team“, findet Carola Gessner, die Mutter des Abbacher Team-Mitglieds Olivia Gessner. Von Förderern habe das Team für das Video, das auf der Spendenplattform die Mädchen in Aktion zeigte, viel Lob bekommen. Sollte noch einmal eine solche Fernreise, die finanziell schwierig zu stemmen ist, anstehen, sei Crowdfunding wieder eine Option.

„Die Mädels haben eine fulminante Aufholjagd hingelegt.“

Magdalene Kroll

Doch nicht nur die Finanzierung der WM war ein Erfolg: Auch im Turnier schafften die jungen Damen einiges. Das Team erzielte in der Gesamtwertung Rang zehn. Genau das hatte Olivia Gessner auch angepeilt, einen Top-Ten-Rang für die Rope Skipperinnen des TSV Wacker 50 Neutraubling – Ziel erreicht. Unter Umständen wäre mehr drin gewesen: „Die Mädels haben eine fulminante Aufholjagd hingelegt. Leider liefen die ersten drei von sechs Disziplinen nicht optimal“, sagt Trainerin Magdalene Kroll.

Atemberaubend sind die akrobatischen Übungen der Athletinnen. Foto: Archiv
Atemberaubend sind die akrobatischen Übungen der Athletinnen. Foto: Archiv

In der vierten Runde, dem 4er-DD (zwei Turnerinnen halten ein Langseil, zwei springen), platzte der Knoten. „Im deutschen Eck auf der Zuschauertribüne wurde es daraufhin wieder lebendig“, schildert Kroll. Endgültig zu Freudensprüngen setzten Fan-Gemeinde und Athletinnen an, als klar wurde, dass die Bad Abbacherin Gessner und Anna Uhl im Single-Rope-Pair-Freestyle WM-Silber gewonnen hatten. „Ein Gänsehaut-Moment“, sagt Kroll und erklärt: „Diese Disziplin-Medaillen sind in der Tat echte WM-Medaillen. In unserer Sportart wird jede Disziplin einzeln bewertet und geehrt.“

So geht Rope Skipping – hier ein Erklärbeitrag:

So funktioniert Rope Skipping

Dafür hatten die Mädchen bei der Speeddisziplin, in der es um Geschwindigkeit geht, und beim Double Dutch Single Freestyle „einige Hänger, die uns viele Punkte gekostet haben“, so Carola Gessner. Trotzdem motiviert es die Jumping Joeys, dass sie trotz der Ausrutscher „vorne mithalten“ können.

„Shanghai ist unglaublich beeindruckend.“

Carola Gessner

Anna Uhl und Olivia Gessner waren auch als Einzelteilnehmerinnen bei der Weltmeisterschaft dabei. Die Abbacherin hatte erneut Startschwierigkeiten, aber bei den Triple Unders (= Dreifachdurchschlag) zeigte sie ihr Können und Nervenstärke. Als amtierende Europameisterin in dieser Disziplin konnte sie die Bronzemedaille gewinnen. Insgesamt sprang im Einzel der zwölfte Rang heraus.

Für Sightseeing hatten die Sportlerinnen um Gessner (2. v. l.) auch etwas Zeit. Foto: Verena Silbereisen
Für Sightseeing hatten die Sportlerinnen um Gessner (2. v. l.) auch etwas Zeit. Foto: Verena Silbereisen

Ihre Kollegin Uhl lief zur Hochform aus. In den 30 Sekunden des Speeddurchgangs schaffte sie mit 95 Sprüngen eine neue persönliche Bestleistung. In der Ausdauerdisziplin (3 min.) hatte sie mit Griffverlusten und Hängern zu kämpfen und blieb unter ihren Möglichkeiten. Davon ließ sie sich aber nicht unterkriegen und schwang sich im anspruchsvollen Freestyle sowie im Triple Unders zu Höchstleistungen auf – und wurde in beiden Disziplinen Weltmeisterin. In Summe erzielte Uhl mit Rang sechs ein Spitzenresultat. „Obwohl bei beiden noch Luft nach oben war, sind sie sehr zufrieden“, erklärt Mama Gessner.

Fasziniert von Riesenmetropole

Auch abseits von den Erfolgen waren die Reise nach Shanghai und die dortige WM ein großes Abenteuer für die Jumping Joeys. Vor und nach ihren Wettkampftagen hatten die Neutraublinger auch Zeit, die chinesische Stadt zu erkunden. Seidenherstellung, eine Bootstour, Tempel, die Skyline einer der größten Städte der Welt, exotisches Essen: „Unglaublich beeindruckend“, beschreibt Gessner die Millionenstadt. Trainerin Kroll ergänzt: „Man konnte an jeder Ecke etwas Neues entdecken, selbst bei der Fahrt mit der Metro oder bei den Verkehrsregeln – alles unbeschreiblich.“

Weltmeisterschaft in Shanghai

  • Shanghai:

    Die Stadt und Region mit etwa 23 Millionen Einwohnern liegt im Osten Chinas. Sie ist eine der größten Städte der Welt und außerdem eine bedeutende Industriestadt. Übersetzt bedeutet der Name „Shanghai“ etwa „(Stadt) über dem Meer“, umgangssprachlich wird Shanghai auch als „Perle des Orients“ oder „Chinas Tor zur Welt“ bezeichnet (Quelle: wikipedia.de).

  • Weltmeisterschaft:

    Teilnehmer aus der ganzen Welt kamen zum Rope Skipping-Turnier in die Metropole Shanghai. In sechs verschiedenen Disziplinen in Einzel- und Teamwettbewerben mussten sich die Mitstreiter der Weltmeisterschaft beweisen. In den Disziplinen wird dabei entweder die Geschwindigkeit der Sprünge oder die Choreografie (Freestyle) bewertet.

Doch schon ist die Reise wieder vorbei. Nach etwa 24 Stunden Dauer und mit sechs Stunden Zeitverschiebung landete die Truppe wieder auf bayerischem Boden. In den nächsten Wochen können die Seilspringerinnen sich entspannen und die Sommer- und Semesterferien genießen.

Danach beginnt die neue Saison, in die das Rope-Skipperinnen-Team nach der erfolgreichen WM umso motivierter startet. Dann sind die neuen Ziele die Titelverteidigung bei der Deutschen Meisterschaft und eine gute Platzierung bei der Europameisterschaft im Juli 2019. Bei der werden die fünf sportlichen Mädels aber weniger (finanzielle) Reise-Hürden überwinden müssen: Die EM findet in Graz statt.

Die Jumping Joeys sind froh, das Abenteuer Shanghai gewagt zu haben. „Tolles Erlebnis, tolle Erfahrung, tolle Reise“, finden sie.

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