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Bildung

Tägliche Hilfe für Schüler im Landkreis

Seit 2009 gibt es die Jugendsozialarbeit an Schulen. Das Motto der Regensburger Initiative: Kein Schüler darf verloren gehen.
Von Sieglinde Geipel

Offenes Ohr für alle Schülerprobleme: das aktuelle Team der Jugendsozialarbeit im Landkreis  Foto: Daniel Ruff
Offenes Ohr für alle Schülerprobleme: das aktuelle Team der Jugendsozialarbeit im Landkreis Foto: Daniel Ruff

Regenstauf.Die Jugendsozialarbeit (JaS) hat sich in den letzten zehn Jahren im Landkreis Regensburg etabliert und ist durchaus eine Erfolgsgeschichte. Das stellte nicht nur Landrätin Tanja Schweiger bei der Jubiläumsfeier an der Realschule Regenstauf fest. 28 Schulen profitieren davon.

Schweiger dankte besonders dem ehemaligen Jugendamtsleiter Karl Mooser und der JaS-Teamleiterin Yvonne Hruby, die vor zehn Jahren die JaS auf den Weg gebracht haben. „Jugendsozialarbeit war im Landkreis nie ein Politikum. Es gab immer eine parteiübergreifende, einhellige Unterstützung dafür, sie weiterzubringen“, sagte Schweiger.

Stationäre Unterbringung geht zurück

Nach zehn Jahren könne man feststellen, dass die Arbeit nachhaltig sei. Dies zeige sich etwa im Bereich der stationären Unterbringung, die rückläufig sei, da die JaS so früh in den Familien sei, dass mit ambulanter Hilfe unterstützt werden könne.

Feierten das Jubiläum: (v.l.) Jugendamtsleiter a.D. Karl Mooser, Hans-Jürgen Fehrmann (EJSA Regensburg), Teamleiterin Yvonne Hruby, Jugendamtsleiter Werner Kuhn, Staatssekretärin Carolina Trautner, Landrätin Tanja Schweiger, Abteilungsleiter Maximilian Sedlmaier  Fotos: Sieglinde Geipel
Feierten das Jubiläum: (v.l.) Jugendamtsleiter a.D. Karl Mooser, Hans-Jürgen Fehrmann (EJSA Regensburg), Teamleiterin Yvonne Hruby, Jugendamtsleiter Werner Kuhn, Staatssekretärin Carolina Trautner, Landrätin Tanja Schweiger, Abteilungsleiter Maximilian Sedlmaier Fotos: Sieglinde Geipel

Staatssekretärin Carolina Trautner stellte an den Anfang ihres Grußwortes ein Kafka-Zitat: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ Gerade junge Menschen mit den verschiedensten Schwierigkeiten und manchmal auch mit erheblichen familiären, psychosozialen oder erzieherischen Problemen bräuchten Betreuer mit Erfahrung. Die Jugendsozialarbeiter müssten jungen Menschen eine Orientierung und Halt in den verschiedensten Situationen geben können. Sie begleiteten die Schüler auf einem Stück ihres Weges. Staatssekretärin Carolina Trautner dankte allen Helfern in der Jugendsozialarbeit, die sich um alle Schüler bemühten und dafür sorgten, dass niemand verloren gehe.

Derzeit hat der Landkreis 35 Fachkräfte an 28 Schulen, davon eine männliche. 22 arbeiten Vollzeit und 13 Teilzeit. JaS gibt es derzeit an allen elf Mittelschulen, an drei Sonderpädagogischen Förderzentren, drei Realschulen, an der Berufsschule und zehn Grundschulen.

Schüler profitieren von männlichen Sozialarbeitern

René Bell, der einzige männliche Vertreter der JaS, ist seit zehn Jahren an der Mittelschule in Neutraubling tätig. „Es ist ein sehr schöner Beruf“, sagt er. Mehr Männer sollten diese Aufgabe wählten. Gerade Schüler, die ohne Väter aufwachsen und auch in Kindergarten und Grundschule keine männlichen Erzieher oder Lehrer vorfinden, würden von männlichen Jugendsozialarbeitern profitieren. „Ich kann diesen Beruf nur empfehlen, man bekommt so viel zurück und sieht, was man erreicht hat“, so René Bell.

Stellvertretende Schulleiterin Luitgard Gregori-Ehrl berichtete, dass im Februar 2015 an der Realschule Regenstauf die erste JaS begrüßt worden sei. „Was für ein Glücksfall!“, so Gregori-Ehrl. Jugendsozialarbeiter seien damals an Realschulen die absolute Ausnahme gewesen. Ihre Arbeit sei ein unschätzbarer Mehrwert an den Schulen.

Vorteil des Projektes: Eingreifen früher möglich

Maria Kehrer-Leierseder, Leiterin der Grund- und Mittelschule in Lappersdorf, stellte fest, dass sich durch die Anwesenheit der JaS an der Schule einiges verändert habe. Die Lehrer seien jetzt eher in der Lage, wahrzunehmen, bei welchen Schülern man näher hinschauen müsse. Man könne nun sehr viel früher eingreifen – und zwar, bevor Probleme hochkochen. Es gibt nun viel Präventionsarbeit, zum Beispiel gegen Drogen, Alkohol, Mobbing und zur Steigerung des Selbstbewusstseins. Dies seien wichtige Themen für die Schüler.

Die Entwicklung

  • Start:

    2009 startete die JaS mit zwölf Fachkräften, heute sind es 35. Die Anzahl der teilnehmenden Schulen hat sich auf 28 erhöht. Anfangs waren es 652 Schüler, im letzten Jahr dann schon 1907.

  • Vorgeschichte:

    JaS-Teamleiterin Yvonne Hruby erklärt, dass sich das gesellschaftliche Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche aufwachsen, die Familienstrukturen und die sozialen Bindungen erheblich gewandelt haben. Auch im Landkreis gebe es mehr verhaltensauffällige und gewaltbereite Kinder und Jugendliche.

  • Ausbau:

    Jugendsozialarbeiterinnen sind an folgenden Schulen tätig: an der Berufsschule (BSZ, Regensburger Land) von 2009 bis heute, an elf Mittelschulen (2009: 8), an drei Förderzentren (2009: 2), an zehn Grundschulen (2012: 2), an drei Realschulen (2015: 3). Insgesamt sind 28 Schulen im Landkreis Regensburg mit den wichtigen Fachkräften ausgestattet (2009: 11).

  • Finanzierung:

    Jugendsozialarbeit an Schulen wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert.

Früher, ohne die JaS, habe man Schwierigkeiten gehabt, entsprechende Unterstützung zu erhalten. Als Beispiel nannte Kehrer-Leierseder eine Schülerin, die sich ritzt. „Was macht die Lehrkraft, wenn ein Mädchen mit blutenden Armen im Klassenzimmer sitzt?“ Das sei nur ein Bereich, in dem es sehr hilfreich sei, durch JaS eine tägliche Unterstützung zu bekommen.

Die Kooperationspartner von JaS hatten eine informative Ausstellung vorbereitet. Beteiligt waren das Gesundheitsamt, die Koordinierende Kinderschutzstelle, der Sozialpädagogische Fachdienst, die Erziehungsberatungsstellen der Stadt Regensburg und der Katholischen Jugendfürsorge sowie der Familienstützpunkt im Landkreis Regensburg. Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) ist eine Leistung der Jugendhilfe, die auf der Grundlage des § 13 SGB VIII erfolgt: Sie soll sozial benachteiligte junge Menschen begleiten, ihre Ausbildung und ihre Eingliederung in die Arbeitswelt fördern.

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