MyMz
Anzeige

Technische Berufe bieten viele Chancen

Grundsätzlich haben Frauen die gleichen Möglichkeiten wie Männer. Nach einer längeren Familienpause wird der Wiedereinstieg jedoch schwer.
Von Angelika Lukesch, MZ

Die Bosch-Auszubildende Jennifer Neuffer schiebt im Bosch-Ausbildungszentrum in Reutlingen Siliciumwafer in einen Diffusionsofen. Für Frauen bieten sich gerade in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik viele Möglichkeiten. Foto: dpa-Archiv

Regensburg.„Frauen und Technik!“ Die Zeiten, als dieser spöttische Ausruf der Männer noch ernst genommen wurde, sind längst vorbei oder sollten es zumindest sein. Die einstmals männlichen Technik-Domänen werden zunehmend auch von Frauen erobert. Dennoch gibt es oft bei den Frauen selbst eine Hemmschwelle, einen technischen Beruf zu erlernen. Die Sorge, belächelt zu werden oder in dieser Männerdomäne keine Karriere machen zu können, schwingt oft mit.

Doch die Zeiten ändern sich. „Grundsätzlich haben Frauen in technischen Berufen auf dem Arbeitsmarkt bei gleicher Qualifikation dieselben Chancen wie Männer“, sagt Marlene Häckl von der Strategischen Partnerschaft Sensorik, die mit Stefanie Breuer-Indefrey vom Regionalzentrum Frau und Beruf zusammenarbeitet. Die Diskussion um die Einführung einer Frauenquote habe die Berufseinstiegschancen von Frauen gerade in Großunternehmen sogar noch erhöht. Die Unternehmen seien im Zugzwang und müssten heute schon den „Frauen-Nachschub“ von morgen in Führungspositionen suchen, betonen die beiden Expertinnen.

Teilzeitausbildungsplätze sind rar

Schwierig werde es jedoch, wenn eine Frau nach längerer Familienpause wieder in den Beruf einsteigen wolle. Teilzeitausbildungsplätze seien auch im technischen Bereich sehr rar, da nach wie vor die Angst herrsche, dass Frauen mit Familie öfter fehlen. Zudem unterliegt gerade der technische Bereich einem schnellen Wandel und Frauen, die nicht am Ball bleiben, haben es beim Wiedereinstieg sehr schwer.

Auf die Frage, ob sich Frauen in technischen Berufen durchsetzen können, meint Stefan Schenk von der Personalentwicklung bei der M-Sys GmbH (Spezialist für komplexe Softwarelösungen in Wallersdorf): „Die Zeiten, in denen sich ein Mensch an den Arbeitsplatz anpassen muss, sind vorbei – um in Summe erfolgreich zu sein, muss sich der Arbeitsplatz an den Menschen anpassen.“ Dabei spiele es bei der M-Sys GmbH keine Rolle, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Bewerber handelt. Insbesondere die Absolventinnen, die in den betreffenden technischen Studiengängen die Minderheit darstellen – oft sind nur drei oder vier Damen unter 100 Studenten eines Studiengangs – entpuppen sich nach den Worten von Schenk „regelmäßig als ungeschliffene Diamanten“.

Bei den Absolventinnen einer technischen Ausbildung oder eines technischen Studiengangs seien analytisches Denken, Organisationstalent, kommunikative Fähigkeiten und Pragmatismus mehr ausgebildet als bei den männlichen Kollegen. „Dies sind jedoch die idealen Voraussetzungen für komplexe Projekte und Entwicklungsaufgaben“, weiß Schenk aus Erfahrung. Insgesamt sind positive Entwicklungen zu erkennen, meint Marlene Häckl. Die zahlreichen Aktionen, die seit einigen Jahren mehr Frauen hin zur Berufswahl in den Feldern Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik bewegen sollen, zum Beispiel der Girls‘ Day, hätten ein Umdenken in der Gesellschaft bewirkt. „Aber es liegt noch viel Arbeit vor uns“, weiß Häckl. Noch immer seien Frauen in den Technik-Foren und Weiterbildungsveranstaltungen des Sensorik-Clusters in der Unterzahl. Das spiegele dann auch die Mitarbeiterverteilung zwischen Männer und Frauen in den Unternehmen wieder. Um dieses Ungleichgewicht auszugleichen, wirbt die Strategische Partnerschaft Sensorik e.V. gemeinsam mit ihren Mitgliedsunternehmen in zahlreichen Aktionen für Frauen in technischen Berufen.

Fachkräftemangel nützt Frauen

Der Fachkräftemangel bietet den Frauen eine große Chance, auch in Männerdomänen Fuß zu fassen und Karriere machen zu können. Immer mehr Betriebe im Bereich Technik- und Ingenieurswesen erkennen, dass gut ausgebildete Frauen eine Lösung des Problems darstellen. „Viele Unternehmen bieten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf flexible Arbeitszeitmodelle an, um ihren Personalbedarf zu decken“, erklärt Häckl. Als Good-Practice-Unternehmen nennt sie beispielsweise die Maschinenfabrik Reinhausen und die Krones AG. Auch Michael Staab, Personalleiter bei Continental Regensburg, ist überzeugt: „Frauen haben heute die allerbesten Chancen, in einem technischen Beruf Karriere zu machen.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht