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Teilzeitausbildung passt oft perfekt

Programme machen es möglich: Frauen ohne Berufsausbildung mit Kindern können einen Beruf erlernen – zeitlich flexibel ohne finanzielle Einbußen.
Von Angelika Lukesch, MZ

Lysanne Frost (rechts) macht eine Teilzeitausbildung bei der Kanzlei Bauer & Partner. Angela Bauer (links) half bei der Realisierung. Foto: Lukesch

Regensburg.Lysanne Frost (25) ist glücklich. Die alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Mädchens hat die Chance ergriffen, die ihr die Kanzlei Bauer & Partner geboten hat, und absolviert seit Februar eine Teilzeitausbildung zur Steuerfachangestellten. „Ich bin sehr froh, dass ich die Ausbildung in Teilzeit machen kann. Eine Teilzeitausbildung ist eine große Chance für Mütter mit kleinen Kindern“, sagt Frost zur MZ.

Angela Bauer von der Wirtschaftskanzlei berichtet, dass man für September 2014 einen neuen Lehrling gesucht habe. Um Lysanne Frost als Teilzeit-Auszubildende einstellen zu können, hat sich Bauer ins Zeug gelegt. Sie war der Meinung, dass dies möglich sein müsse, ohne dass wie Lysanne Frost wegen zeitlicher Schwierigkeiten mit der Tochter (Öffnungszeiten Kindergarten usw.) oder wegen finanzieller Engpässe den Plan der Ausbildung aufgeben müsse.

Bauer fand einen Weg, bei dem die 25-jährige Mutter weiterhin Anspruch auf Arbeitslosengeld beibehält und trotzdem die Ausbildung in Teilzeit beginnen konnte. Maria-Luise Rogowsky von der Gleichstellungsstelle des Landkreises Regensburg erklärt, dass man hier vor allem auf Fristen achten müsse. In Frosts Fall musste die Ausbildung beginnen, ehe der Anspruch auf Arbeitslosengeld I ablief.

Das Teilzeitausbildungsentgelt wird bei Lysanne Frost, für die es die zweite Ausbildung ist, je nach Stundenzahl anteilig auf den Anspruch auf das Arbeitslosengeld angerechnet. Finanzielle Hilfe gibt es laut Rogowsky übrigens auch für Frauen, die noch keine Ausbildung gemacht haben oder nicht vermittelbar waren, und die nun eine Teilzeitausbildung machen wollen. Hier gebe es eine sogenannte Berufsausbildungsbeihilfe. „Man kann für jede Frau die individuelle Lösung finden,“ sagt Rogowsky.

Die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung sei bisher leider noch viel zu wenig bekannt, bedauert sie. Dabei wurden in Modellprojekten mit Teilzeitauszubildenden durchweg gute Erfolge erzielt: „Die Abbruchquoten der Teilzeitauszubildenden lagen durchweg unter denen von Vollzeitauszubildenden ohne Erziehungspflichten“, stellt Rogowsky fest. Wichtig sei vor allem für Arbeitgeber, „dass die Fehlzeiten der Auszubildenden in Teilzeit sich nicht von denen der Vollzeitauszubildenden unterscheiden.

Außerdem hatten die Auszubildenden in Teilzeit in den Modellprojekten bessere Abschlussnoten als die Auszubildenden in Vollzeit. Dies liegt daran, dass die Teilzeit-Azubis überdurchschnittlich motiviert sind und sich durch hohe Leistungsbereitschaft, stark ausgeprägtes Selbstvertrauen sowie durch höhere soziale und personale Kompetenzen auszeichnen“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte.

Für Arbeitgeber bringen also Teilzeit-Auszubildende nur Vorteile. Dem Fachkräftemangel könnte man besser begegnen, zwei Ausbildungsstellen würden besetzt und die Frauen mit Teilzeitausbildung wandern nicht ab. Ein Arbeitgeber, der diese Art der Ausbildung in Teilzeit anbietet, erweist sich zudem als zukunftsorientiert, innovativ und familienfreundlich – das steigert das Betriebs-Image. Eine gesetzliche Grundlage zur Ausbildung in Teilzeit gibt es seit 2005. Die Gleichstellungsbeauftragte fasst zusammen: „Für Frauen ohne Berufsausbildung mit Kleinkindern oder Schulkindern ist eine Teilzeitausbildung perfekt.“

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