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Leitungsbau

Tennet bohrt jetzt im Untergrund

Der Stromnetzbetreiber untersucht demnächst vier Stellen. An einem Punkt sollen die Erdkabel unter der Donau verlegt werden.
von Walter Schießl

  • Bis zu dreißig Meter tief wird mit diesem Gerät in den Boden gebohrt. Foto: Von Mandelsloh/Tennet
  • Der Bohrkern dreht sich mit hoher Geschwindigkeit in den Boden. Foto: Von Mandelsloh/Tennet

Wörth.Die einen halten den Bau der 600 Kilometer langen Erdkabel-Verbindung von Magdeburg bis Landshut für eine saubere Lösung, die anderen wollen sie am liebsten gar nicht vor Ort haben. Deshalb gibt es auch im Ostlandkreis Kritiker wie Befürworter. Im März wird für das Vorhaben das formelle Genehmigungsverfahren laufen. Dies umfasst auch die Donauquerung mit einem Querungsbauwerk, einer Art Tunnel unter dem Fluss. Innerhalb der vier möglichen Querungsbereiche Donaustauf, Kiefenholz, Geisling und Kirchroth werden ab 20. Februar Voruntersuchungen durchgeführt. Auf dieser Basis legt die Bundesnetzagentur den endgültigen Trassenkorridor sicher fest. Die Bohrungen sollen bis Mitte April über die Bühne gehen, sagte Carolin Kürth, die Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet, auf MZ-Anfrage.

Geplant sei es, vier Kabel in einer Dicke von 12 bis 15 Zentimetern im Boden zu verlegen, so Kürth. Angebaut werden dürfe darüber alles, nur in Waldgebieten müsse ein 15 bis 20 Meter breiter Streifen von größerem Baumbewuchs frei bleiben.

„Mit den Bohrungen erkunden wir die Beschaffenheit des Bodens.“

Carolin Kürth

Tennet hat für den Verlauf der Erdkabel vier Korridore im Auge, die allesamt durch den Ostlandkreis verlaufen. Neben den Bodenuntersuchungen müssen noch etliche andere Bereiche wie etwa der Artenschutz, die Raumverträglichkeit oder der Naturschutz fachtechnisch thematisiert werden, ehe dann im dritten Quartal die Bundesnetzagentur eine Entscheidung trifft, wie Carolin Kürth weiter wissen lässt. Habe die Bundesnetzagentur dann ihre Entscheidung getroffen, werde das Verfahren öffentlich ausgelegt. Jeder Betroffene könne dann Einsprüche geltend machen, sagt die Referentin.

Auswirkung auf die Menschen

Wichtig sei es nun für den Stromnetzbetreiber Tennet, bei den vier Donauquerungen eine Machbarkeitsstudie zu erstellen. Die Baugrundvoruntersuchungen würden laut Kürth von weiteren Vorarbeiten wie etwa der Planung von Start- und Zielbauwerken und der Kampfmittelüberprüfung begleitet. Ziel der Machbarkeitsstudie sei es, frühzeitig bautechnische Hindernisse in den potenziellen Querungsbereichen der Donau auszuschließen, bevor die Bundesnetzagentur am Ende der Bundesfachplanung den verbindlichen, durchgängigen Korridor festlegt.

Für den An- und Abtransport aller für die Durchführung der Arbeiten erforderlichen Geräte, Fahrzeuge, Werkzeuge und Materialien müssen temporäre Abstellflächen in Anspruch genommen werden. Die detaillierte Planung von Start- und Zielbauwerken zur Errichtung eines unterirdischen Querungsbauwerkes wird von Spezialfirmen durchgeführt. Neben der Objektplanung werden insbesondere die Logistikströme zu und von den Baustelleinrichtungsflächen sowie die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt für die Erstellung der Ausführungsplanung untersucht, sagt Carolin Kürth.

Die Probebohrungen

  • Maschinen:

    Die Bohrstäbe werden mittels Maschinen bis zu 30 Meter tief in den Boden gerammt.

  • Bodenproben:

    Aus den Bohrstäben wird dann Erde entnommen, die anschließend genau untersucht wird.

  • Bohrkern:

    Der Bohrkern dreht sich mit hoher Geschwindigkeit in den Boden. Er nimmt die Proben dann auf.

Die Eder Brunnenbau GmbH sei für die Vermessungsarbeiten, mit denen die aktuellen topographischen Verhältnisse an den Querungsbereichen erfasst werden sollen, beauftragt. Vor Ort werden Straßen, Zuwege, Flächen und Bauwerke in die Feststellung des Ist-Zustandes aufgenommen, sagt Kürth. Im Rahmen der für die Baugrundvoruntersuchung erforderlichen Vorbereitungen (Planung und Vermessung) seien Tennet-Mitarbeiter mit Autos, per Rad oder zu Fuß unterwegs und werden zeitlich begrenzt Markierungen setzen. Schäden an Fluren und Wegen entstehen dadurch nicht, erklärt Kürth. Baumaschinen würden bei den Maßnahmen nicht eingesetzt.

Die Baugrundvoruntersuchungen dienen dazu, die bodenphysikalischen Eigenschaften zu untersuchen und die für den Bau richtigen Bauverfahren und Dimensionierungen zu planen. Vorgesehen sind Methoden zur Ermittlung der Lagerungsdichte, Entnahmen von Bodenproben mit Rammkernbohrungen, die Errichtung von Grundwassermessstellen und – bei Verdacht auf Kampfmittel im Boden – eine Kampfmitteluntersuchung.

Die Grundwassermessstellen werden an den Anfangs- und Endpunkten der geplanten Querung (Start-, Zielgrube) installiert und verbleiben über einen längeren Zeitraum im Boden, sagt die Referentin für Bürgerbeteiligung.

Jeweils zwei bis drei Tage

Für die Arbeiten müssen ab Ende Februar private Grundstücke sowie landwirtschaftliche Wege betreten und befahren werden. Sollte es trotz aller Vorsicht zu Flurschäden kommen, werden die entstandenen Schäden durch Tennet in voller Höhe ersetzt, sagte Carolin Kürth.

Die Vorarbeiten erfolgen in Bayern in den Gemeinden Donaustauf, Barbing, Wörth, Pfatter, Kirchroth und Aholfing. Der zeitliche Ablauf der Vorarbeiten hängt von äußeren Umständen ab, beispielsweise von örtlichen Gegebenheiten und von den wetterbedingten Bodenverhältnissen.

Insgesamt werden die Maßnahmen zwei bis drei Tage andauern. Die voraussichtliche Dauer der Untersuchungen auf den betroffenen Grundstücken sowie der voraussichtliche Beginn dieser sind in einer Flurstückliste und den zugehörigen Planunterlagen zu ersehen. Sie liegen in der Stadt Wörth bis 19. Februar öffentlich aus und können während der regulären Öffnungszeiten eingesehen werden.

Mitarbeiter der beauftragten Unternehmen oder des Stromnetzbetreibers Tennet werden sich laut Carolin Kürth mit den Eigentümern und Nutzungsberechtigten, die von den Arbeiten betroffen sind, wegen der Vereinbarung von konkreten Terminen in Verbindung setzen.

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