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Heimat

Thalmassings Erinnerung an den Krieg

Ein Thalmassinger, der lange in russischer Gefangenschaft war, errichtete ein Holzkreuz. Ein neuer Platz soll her.
von Josef Eder

  • Heimatpfleger Raphael Parzefall ist auf der Suche nach einem Platz für das Kreuz. Foto: Josef Eder
  • Luise und Xaver Sonner auf dem Bild eines Unbekannten. Foto: Archiv Parzefall

Thalmassing.Raffael Parzefall ist als Heimatpfleger und Archivar immer auf der Suche nach Neuem. Jetzt hat ein circa 50 Kilogramm schweres aus heimischem Eichenholz gefertigtes, schlichtes Holzkreuz vor dem Ofen gerettet. Der Thalmassinger Xaver Sonner hat es vermutlich aus Dankbarkeit dafür, dass er als Letzter aus dem Zweiten Weltkrieg Krieg heimkehren durfte, in seinem Garten aufgestellt.

Das Anwesen wurde nach dem Tod der Tochter (2018) verkauft und das Kreuz anschließend abgebaut. „Ich bin auf der Suche nach einem neuen Platz und gerne für Vorschläge offen. Mein favorisierter Aufstellort wäre an der Hauptstraße zwischen Bauhof und der Raiffeisenbank. Natürlich mit einem kleinen Erklärungsschild für die jüngere Generation“, sagt Raffael Parzefall.

Wer war Xaver Sonner? Die Leidensgeschichte des gebürtigen Schwaben begann am 27. März 1943, als er einrücken musste, um als junger Soldat an der Front zu dienen. Seine spätere Frau Luise, die 1927 nach Thalmassing gekommen war, hatte er noch kurze Zeit vorher kennengelernt. Bei seinem Einsatz als Gebirgsjäger an der Ostfront – „mit einem Spezialkommando auf Himmelfahrtseinsatz“, wie er es später beschrieben hatte – kam er am 14. April 1945 in Gefangenschaft.

Warten auf das Ende

Das Kommandounternehmen schlug fehl. Die Sowjets konnten die Mitglieder festsetzen. Im Anschluss wurden sie zu zwanzig Jahren „Besserungslager“ verurteilt. Ab diesem Zeitpunkt befand er sich in einem sogenannten „Schweigelager“, er durfte keinerlei Post mehr verschicken oder erhalten. Die spärlichen Karten, die bis 1947 aus dem normalen Kriegsgefangenenlager noch in die Heimat gelangten, durften davon nichts verkünden. Also blieb sein Schicksal ungeklärt. Sechs Jahre waren die Angehörigen ohne Nachricht über seinen Verbleib.

Das Wiedersehen

  • Krieg:

    Im Herbst 1944 hatten Xaver und Luise während eines Heimaturlaubs geheiratet,. Am 30. Dezember 1953 fand die Geschichte ein glückliches Ende.

Gerüchte besagten damals, dass er wie viele, nicht nur deutsche Soldaten in den Gefangenenlagern oder bei unterschiedlichsten Arbeitseinsätzen verstorben seien. Doch Sonner hatte Glück, dass er nicht nur die Kampfeinsätze, sondern auch die lange Gefangenschaft überlebte. Als sein Lager im Südural aufgelöst wurde, kamen die Gefangenen nach Hause. Die Verurteilten wurden in einen weltverlassenen Winkel der großen russischen Weiten geschickt.

Xaver Sonner wartete wie viele andere Kriegsgefangene geduldig auf die Heimkehr. Um den „Aufenthalt“ ein wenig erträglicher zu machen, wurde beispielsweise am Abend vor Heiligabend ein „kleiner Baum“, der aus Distel-Ästen bestand, aufgestellt. Als Schmuck diente das weiße Innenfutter ihrer Jacken. Doch als Soldaten zur Kontrolle kamen und fragten, wem dieser Baum gehörte, meldete sich zuerst niemand. Nach der Androhung, dass an Heiligabend die Essensrationen nicht ausgeteilt werden, meldete sich Xaver Sonner und übernahm die Verantwortung; zur Strafe wurde er verprügelt. Daran erinnerte er sich jedes Weihnachten, erzählte seine Frau Luise.

Ein glücklicher Augenblick

Am 30. Dezember kam der erste Zug mit Spätheimkehrern aus Sibirien in Regensburg an. Ohne zu wissen, ob ihr Xaver dabei war, fuhr seine Frau mit ihrem Vater nach Regensburg, wo sie ihren Mann wieder in die Arme nehmen konnte. Er trug, für ihn ungewöhnlich, einen Anzug und einen Mantel, da sie im Grenzdurchgangslager Friedland neu eingekleidet worden waren. (lje)

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