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Tradition

Tradition sticht Halloween in Hemau

Am Donnerstag stand Hemau wieder ganz im Zeichen der süßen Spitzl. Manche Schausteller kommen schon seit 30 Jahren.
Von David Santl

Eine Runde über den Spitzlmarkt zu flanieren, das gehört für die Hemauer einfach dazu. Es gab auch wieder viel zu entdecken.  Fotos: David Santl
Eine Runde über den Spitzlmarkt zu flanieren, das gehört für die Hemauer einfach dazu. Es gab auch wieder viel zu entdecken. Fotos: David Santl

Hemau.Bürgermeister Hans Pollinger und seine Ehefrau Maria stehen am Unteren Stadtplatz und beobachten das Markttreiben. Immer wieder kommen Leute her und ratschen mit ihnen. Mal geht es um Privates, mal um „Berufliches“, wie den neuen, leiseren Straßenbelag vor dem Haus.

Mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen, gefällt dem Bürgermeisterehepaar besonders am Spitzlmarkt. „Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es doch wichtig, dass wir unser Miteinander pflegen“, meint Hans Pollinger. Und natürlich ist es auch die Tradition, die dem Bürgermeister besonders am Spitzlmarkt gefällt. An diesem Tag spielt Halloween nur eine Nebenrolle auf dem Tangrintel.

„Das ist ja auch importiert. Wir haben bei uns so viele schöne Traditionen, da müssen wir sowas nicht fördern. Und das darf auch ruhig mal gesagt werden“, schmunzelt der Bürgermeister.

„Jedem Spotzl sei Spitzl“

Gegen das traditionsreiche Rautengebäck hat „Süßes oder Saures“ in Hemau also bei den Meisten keinen großen Erfolg. Da stört es auch kaum, dass auf dem Markt selbst kein Stand mehr mit Spitzln ist. Dafür ist ja die Bäckerei Dürr mitten im Marktgeschehen. Und dort stand die Schlange teilweise bis vor der Tür.

Jeder wollte die süße Leckerei für sich selbst oder für seine Liebsten kaufen. Nicht umsonst heißt es ja: „Jedem Spotzl sei Spitzl.“ Vor allem Patenkinder, Enkel oder Partner werden zu Allerheiligen mit der süßen Leckerei beschenkt. Früher sah das ein bisschen anders aus: Damals schenkten Bauern ihren Knechten und Mägden zum Ende der Erntezeit ein Spitzl, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Seither hat sich auch das Spitzl selbst verändert: Neben dem einfachen Lebkuchenspitzl dürfen natürlich auch kunstvoll verzierte Torten- oder Cremespitzl nicht fehlen. Vor allem Engelsmotive sind hier gerne gesehen.

Und mit einem heißen Getränk im kleinen Café der Bäckerei Dürr lässt es sich am besten genießen. Währenddessen schlendern draußen andere einfach an den Ständen vorbei und kommen mit den Schaustellern ins Gespräch. Manche von ihnen kommen schon seit 30 Jahren auf den Spitzl-markt. Einer von ihnen ist der Spielzeughändler Peter Scharl. „Der Spitzlmarkt hat sich über die Jahre hinweg eigentlich nicht verändert. Er bleibt immer gleich“, erzählt er. Natürlich genehmigt er sich auch jedes Jahr ein Spitzl. „Das gehört einfach dazu“, lacht er. Aber für eines ist Scharl wohl vor allem bei Kindern bekannt:

Das war der Spitzlmarkt in Hemau

  • Spitzl:

    In der Bäckerei Dürr am Stadtplatz war der Ansturm auf die süßen Spitzl wieder groß. Die Verkäuferinnen hatten alle Hände voll zu tun. Der Teig für die Spitzl wird übrigens schon Anfang September vorbereitet. Eine Woche vor dem Markt werden die Spitzl dann noch verziert.

  • Würstl:

    Natürlich war auch die Würstelbude des Gasthofs „Ferstl-Bruckmeier“ wieder auf dem Spitzlmarkt. Eine „Knackersemmel mit allem“ gehört für viele Marktbesucher eben einfach dazu. Die süßen Spitzl schätzen die Verkäufer trotzdem: „Die gibt‘s eben nur einmal im Jahr.“

  • Spielzeug:

    Dieses süße Plüschwiesel mit dem Ball fällt irgendwie jedes Jahr beim Spitzlmarkt auf. Der Grund: Es ist immer angesagt. „Dieser Wieselball ist kein Trendspielzeug“, erklärt Verkäufer Peter Scharl, „deshalb mag ich es auch so gerne. Ich kann es seit Jahren verkaufen.“

  • Fenster:

    In der Stadtpfarrkirche gab es einen schönen Abschluss des Markttages. Während der Vorabendmesse zu Allerheiligen beleuchteten die Ministranten und Pastoralassistent Felix Schamburger die Heiligen in den Kirchenfenstern und sorgten für eine besondere Atmosphäre. (lds)

Für ein kleines Plüschtier, das mit einem Ball spielt. Jedes Jahr steht eine kleine Schachtel auf dem Boden, in der das Tierchen seine Runden dreht und vor allem die kleinen Besucher erfreut. „Das ist ein Wieselball“, erklärt Scharl, „der unterliegt keinem Trend. Sowas kann ich immer verkaufen.“ Doch nicht nur Kinder kaufen diesen „Wieselball“ häufig: „Ungefähr jeder Zweite kauft ihn für sein Haustier“, erzählt der Spielzeughändler.

Traditionsort für Jahrmärkte

Nebenan hat Richard Weigl aus Bodenwöhr seinen Stand. Auch er zählt zu den alten Bekannten auf dem Hemauer Spitzlmarkt. „Bei ihm gibt es die besten Socken“, meint eine Besucherin. Und tatsächlich: „Ich habe viele Stammkunden. Von Kindern bis zur Oma ist alles dabei“, erzählt Richard Weil. Und seine Waren sind durchaus speziell: „Das sind extrem weite Socken, die auch für bandagierte Füße passen.

Die gibt es fast nirgends“, erzählt Weigl, während er auf ein paar Socken zeigt. Auch er kann in all den Jahren kaum Veränderungen am Spitzlmarkt feststellen: „Der Stadtplatz ist natürlich sehr schön geworden. Auch mit der Stadtverwaltung klappt die Zusammenarbeit immer sehr gut“, freut er sich. Trotzdem findet Weigl, dass in diesem Jahr weniger Besucher auf dem Markt waren. „Vielleicht ist es ein bisschen zu kalt“, meint er. Das ist auch Josef Achhammer aufgefallen, der mit seinen vielfältigen Honigwaren ebenfalls von keinem Hemauer Spitzlmarkt mehr wegzudenken ist. „Trotzdem habe ich wieder viele alte Bekannte gesehen. Hemau ist eben einfach ein alter Traditionsort für Jahrmärkte“, freut er sich.

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