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Bildung

Überlebensinsel im Industriegebiet

Regensburger Montessori-Schüler setzen mit Aytec eine Ausgleichsmaßnahme direkt im Gewerbegebiet Rosenhof um.
Von Kerstin Hafner, MZ

  • Montessori-Schüler des Wahlkurses Biotop stellten beim Spatenstich-Termin in der Firma Aytec schon mal erste Ideen vor. Fotos: Hafner
  • Landrätin Tanja Schweiger (rechts) übernimmt die Patenschaft für das Biotop-Projekt der Firma Aytec. Robert Lehner (Zweiter von rechts) hatte zum Spatenstich auch Schüler und Lehrer der Montessori-Schule eingeladen. Ebenfalls anwesend: Landschaftsgärtner Karl Artinger und Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank.

Mintraching.Einen kleinen Beitrag zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt und gegen das Insektensterben möchte die Aytec Automation GmbH im Mintrachinger Gewerbegebiet Rosenhof beisteuern. Auf rund 400 Quadratmetern soll direkt vor dem Haupteingang des weltweit tätigen Maschinenbauunternehmens, inmitten industriell versiegelter Flächen, ein Stückchen Natur erhalten werden, und zwar nicht in Form eines Zierfischteichs mit Koikarpfen und Bambus drumherum, sondern als wertvolles Biotop, in dem sich nach und nach heimische Tiere und Pflanzen ansiedeln können.

Natürlich wird die Wasserfläche, die es beinhalten soll, künstlich angelegt und auch mit einer Grundausstattung regional heimischen Bewuchses versehen. Aber erst in zwei, drei Jahren wird sich daraus – hoffentlich – ein Ökosystem entwickelt haben.

Ein Ganzjahres-Schulprojekt

Der Clou an der Idee: Das Aytec-Biotop soll als Ganzjahres-Schulprojekt (Wahlkurs für 7./8. Klassen) von Mädchen und Jungen der Regensburger Montessori-Schule betreut werden. Schon jetzt überlegen die Kursteilnehmer fleißig, mit welchen Gräsern und Stauden man die unterschiedlichen Ufer- und Gewässerzonen bepflanzen könnte, damit sich später dort Insekten, Vögel, Amphibien und vielleicht auch mal ein Igel wohlfühlen können.

Beim Spatenstich für das Überlebensinsel-Projekt stellten die Schüler bereits eine Fülle von Ideen vor.
Beim Spatenstich für das Überlebensinsel-Projekt stellten die Schüler bereits eine Fülle von Ideen vor.

Bei einem offiziellen Spatenstich-Termin mit Patenschaftsträgerin Tanja Schweiger stellten die Schüler erste Ideen vor. Ab Februar wird sich Karl Artinger, Geschäftsführer von Landschaftsbau Artinger, mit der Umsetzbarkeit der Schüler-Ideen beschäftigen. „Nach dem Brainstorming der Kinder prüfe ich die Vorschläge auf Sinnhaftigkeit und Durchführbarkeit. Ich werde mit den Lehrern und Schülern durchsprechen, warum manche Pflanzen einfach nicht in unsere Region gehören und welche Standortbedingungen sie brauchen, oder welche Pflanzen für welche Tiere wichtig sind.“

Im Frühjahr wird seine Firma die schweren Gerätschaften zur Verfügung stellen, um die anstehenden Erdbewegungen durchzuführen. Momentan klafft anstelle des künftigen Biotops noch eine relativ kahle Mulde im Beton. Die Ufer sollen terrassiert angelegt werden, um verschiedene Lebensräume zu bieten.

Initiator Robert Lehner von der Firma Aytec
Initiator Robert Lehner von der Firma Aytec

„Wir haben unsere Idee mehreren Schulen vorgeschlagen, aber nur die Montessori-Schule war an einem Ganzjahresprojekt interessiert“, erzählte Initiator Robert Lehner von Aytec. Er würde sich sogar wünschen, dass das Projekt zwei oder drei Jahre lang schulische Betreuung fände. „Den Kindern wird von uns rund zehnmal im Jahr ein Shuttlebus zur Verfügung gestellt, der sie von Regensburg hierher bringt, damit sie die Fortschritte am Biotop in Augenschein nehmen und dokumentieren können.“ Zirpende Grillen und quakende Frösche, summende Libellen und zwitschernde Vögel – idealerweise soll die kleine Überlebensinsel im Industriegebiet in ein paar Jahren auch eine angenehme Geräuschkulisse für die Mitarbeiter und Besucher von Aytec darstellen.

Bis Juli soll alles bepflanzt sein. Dann ist ein Abschlussfest mit dem Wahlkurs geplant. Sollte etwas aus dem Ruder laufen, zum Beispiel der Teich aufgrund zu starker Trockenheit und zu wenig Frischwasserzufuhr eutrophieren („umkippen“), so sollen die Schüler auch das analysieren können und die Gründe dafür erfahren. „Das ist Biologieunterricht hautnah“, freuen sich die Beteiligten. Dem Gewässer kann im Zweifel schnell geholfen werden, denn auf dem 400 Quadratmeter großen Fleckchen befindet sich ein Brunnen zum Grundwasser.

Rückzugsraum vor der Haustür

Landrätin Tanja Schweiger war voll des Lobes: Diese Idee sollte Nachahmer finden.
Landrätin Tanja Schweiger war voll des Lobes: Diese Idee sollte Nachahmer finden.

Landrätin Tanja Schweiger und Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank waren voll des Lobes für dieses „Leuchtpunktprojekt“, das als Zeichen für größere Unternehmen dienen könne, sich ebenfalls mit kleineren Maßnahmen für die Natur zu engagieren, und zwar innerhalb von Gewerbegebieten. „Oft werden Ausgleichsmaßnahmen ja irgendwohin ausgelagert, man exportiert Natur in die Natur“, kritisierte Karl Artinger. „Aytec schafft einen Rückzugsraum direkt vor der Haustür.

Das ist bemerkenswert. Denn normalerweise müssen wir als Gemeinde den Firmen immer das Nötigste abringen“, bedankte sich Bürgermeisterin Ritt-Frank. Schweiger schloss sich an: „So ein Projekt gibt es meines Wissens nach im gesamten Landkreis noch nicht. Es sollte Nachahmer finden.“ Schulleiter Heribert Weinmann bedankte sich für die Möglichkeit, den Jugendlichen Biologie-Unterricht vor Ort zu ermöglichen.

Wer übernimmt die Bestäubung?

  • Studie:

    Der Naturschutzbund NABU veröffentlichte im Oktober einen Bericht über eine wissenschaftliche Studie zum Insektensterben in Deutschland. Untersuchungen, die fast drei Jahrzehnte lang in Schutzgebieten geführt wurden, belegen massive Biomasseverluste bei Fluginsekten. Die Studie berichtet von einem Rückgang der Zahl der Fluginsekten um 75 Prozent.

  • Folgen:

    Es stelle sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten stecke, sondern wie das Sterben zu stoppen sei. Japanische Forscher haben laut „Technological Review“ bereits eine technische Drohne entwickelt, die das Bestäuben übernehmen soll. In manchen Teilen der Welt werden die Blüten von Obstbäumen derzeit von Menschen mit Pinseln bestäubt. (lkh)

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