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Volksmusik lässt das Gruseln vergessen

„Chanson-chez“ und Peter Schmidt mit Raunachtgeschichten locken viele Besucher. Über 1000 Euro werden für Taifun-Opfer auf den Philippinen gespendet.
Von Ralf Strasser, MZ

  • „Chanson-chez“ mit Andreas Zwicknagl, Franz Maier und Gotthard Unger starteten einen musikalische Reise durch Europa. . Foto: Strasser
  • Peter Schmidt las Traditionelles und Geschichten von F. X. Schönwerth. Foto: Strasser

Fussenberg. Der Andrang ist enorm, der Saal propenvoll und die am meisten gestellte Frage „Hätten Sie noch einen Platz frei?“ wurde mit einem bedauernden Kopfschütteln beantwortet. Der Magnet für die vielen Gäste heißt „Chanson-chez“ – eine Gruppe aus drei Musikern, die mit Volksmusik aus Europa der etwas anderen Art Raunachtgeschichten und Sagen begleitet. Dabei sei man eigentlich „nur“ in kleiner Besetzung in Fußenberg, erklärt Frontmann Andreas Zwicknagl.

Zusammen mit Franz Maier und Gotthard Unger, mit denen er sonst im Ensemble der „7gscheitn“ mit traditioneller bairischer Tanzlmusi die Leute beglückt, bildet er eine Gruppe, die nicht von ungefähr wie „Scho so schee“ klingt. Für Andreas Zwicknagl ist es fast ein Heimspiel, denn viele der Zuhörer kommen aus Regenstauf, wollen hören und helfen. Schließlich ist es ein Benefizkonzert, das im Saal der Gaststätte Gambachtal in Fußenberg zum Besten gegeben wird.

Operette mit Dudelsack

Gesammelt wird für ein Projekt der Salvator-Mission, das Tochter Barbara Zwicknagl auf den Philippinen unterstützt. Die Spenden sind für Opfer des Taifuns, der Anfang November in der Provinz Cebu wütete, erklärt Geiger und Textbegleiter Franz Maier. Dann legt er den Zeigefinger auf die Lippen. „Bitte das Gemurmel einstellen, wir spielen heute auch leise Töne.“

Das kleine Orchester stimmt sich ein, Dudelsack, Low-Whistle, Hackbrett, Geige, Gitarre, Zither und Akkorden checken die Tonleiter. „Haben alle wichtigen Leute etwas zu trinken?“, fragt Maier. „Alles Walzer“, heißt es dann und „Chanson-chez“ legt mit einer schrägen Operettenversion mit Dudelsackbegleitung los.

Die Gruppe mit der ungewöhnlichen Zusammenstellung von Musikrichtungen und Instrumenten nimmt den Zuhörer buchstäblich mit auf eine Reise durch ganz Europa. Dem österreichischen Auftakt folgt ein schwedischer Hambo im Dreivierteltakt, der einem irischen Volkstanz weicht.

Nächste Station: Bayern. Perchten, wilde Gestalten, schaurige Sagen, Geschichten und Bräuche übernehmen. Peter Schmidt, der Vorsitzende der Regensburger Egerländer Gmoi, erzählt von höllischem Spektakel im finsteren Schneetreiben, nur beleuchtet vom Schein brennender Fackeln.

Von gar gruseligen Masken wird berichtet, von ängstlichen „Weiberleit“, die sich vor den bösen Moosweiberln fürchten oder Reißausnehmen vor den rauen Gesellen, die es eigentlich ja nur gut meinen und nur das Böse austreiben wollen. „Heit ist Raunacht“, lässt Schmidt die Perchten rufen, begleitet von Kuhglocken und einem Schnäpschen zur Beruhigung.

Erzählungen von Schönwerth

Schmidt liest Geschichten von F.X. Schönwerth und traditionell überlieferten Erzählungen, bearbeitet und präsentiert sie mit böhmischer und oberpfälzischer Mundart. Nichts für Norddeutsche, meint eine Besucherin lächelnd, während ihr Begleiter simultan übersetzt. Zur Beruhigung: Auch der geneigte Regensburger muss sich beim Böhmischen konzentrieren.

Im Wechsel mit den alten Geschichten aus den Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig geht die musikalische Reise weiter. Neun Länder werden besucht, „Chanson-chez“ lässt mit virtuellem, fröhlichem aber auch gedämpften Spiel die Spannung der Erzählungen im steten Wechsel etwas abklingen. Am Ende verweilt man im Bayerischen. „Neun Länder haben wir bereist, das könnte auch für neun Euro stehen“, meint Maier mit einem Querverweis auf die Spendenbereitschaft der Besucher. Die ist angesichts des vergnüglichen Abends dann doch wesentlich größer. Über 1000 Euro kamen zusammen und die Protagonisten sagen „Herzlichen Dank.“

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