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Von Rennautos bekommt er nie genug

Thomas Staudt aus Eichhofen hat 1111 Slotcars im Maßstab 1:24 gesammelt. Auf die Carrera-Bahn dürfen die Modelle aber nicht.
Von Dietmar Krenz, MZ

Thomas Staudt präsentiert einen Teil seiner imposanten Rennauto-Sammlung. Einen besonderen Faible hat er für die Marke Ford. Krenz
Thomas Staudt präsentiert einen Teil seiner imposanten Rennauto-Sammlung. Einen besonderen Faible hat er für die Marke Ford. KrenzFotos:
Regelmäßig liefert sich Staudt Duelle mit Freunden auf seiner Carrera-Bahn.
Regelmäßig liefert sich Staudt Duelle mit Freunden auf seiner Carrera-Bahn.

Eichhofen.Carrera-Bahnen sorgten einst für leuchtende Kinderaugen – auch bei Thomas Staudt. Der 48-jährige Vorsitzende der Eichhofener Feuerwehr wünschte sich schon als kleiner Bub eine eigene Rennbahn. Er hat sie aber nie bekommen. Stattdessen gab es vom Vater eine Eisenbahn zum Weihnachtsfest, die nach und nach erweitert wurde. Erst als Staudt selber Nachwuchs hatte, entschloss er sich, seinen Traum in die Realität umzusetzen. Beim Ausverkauf eines Regensburger Spielwarenladens gab er richtig Gas und holte sich eine Rennbahn, eine Handvoll Slotcars und allerlei Zubehör. Das war vor rund 15 Jahren. Heute füllen 1111 dieser Miniflitzer seine Billy-Regale im Wohnhaus.

Elektrische Autorennbahnen, wie wir sie heute kennen, existieren seit den 50er-Jahren. Führend auf dem deutschen Markt war lange Zeit die 1963 auf den Markt gekommene Carrera-Bahn des Fürther Spielzeugherstellers Neuhierl. Bei Sammlern sind diese Systeme noch äußerst begehrt – vor allem die passenden Rennautos.

Weltweit führend ist laut Staudt die englische Marke Scalextric. Denn wie bei Carrera gibt es die verschiedensten Varianten, Marken, Modelle sowie ausgefallene Lackierungen und limitierte Auflagen. „Einfach alles, was das Sammlerherz begehrt“, erklärt er .

Auf der Bahn ist schnell der Lack ab

Macht der Sammler mit der Carrera-Bahn und den zugehörigen Autos das, wofür sie eigentlich bestimmt sind – nämlich Rennen fahren – ist relativ schnell der Lack ab. „Selbst bei vorsichtiger Fahrweise ist nicht zu verhindern, dass die Autos beschädigt werden“, sagt der Eichhofener. Wie jeder weiß, fliegt solch ein Teil bei zu flinkem Daumen schon mal rasant aus der Kurve. Ob ein Abflug oder eine Ungeschicklichkeit des Gegners auf der Parallelspur, oftmals lassen sich eine Kollision oder Überschläge nicht vermeiden. „Und dafür sind die Slotcars viel zu schade“, meint der 48-Jährige.

Literatur und besonders wertvolle Exemplare gehören für Thomas Staudt dazu.
Literatur und besonders wertvolle Exemplare gehören für Thomas Staudt dazu.

Zu Beginn seiner Sammelleidenschaft hatte der bekennende Ford-Fan und Mustang-Fahrer zwar den Spleen, alle seine Rennautos auf der Bahn zu testen, hat dies aber schon längst aufgegeben. Das hat einen einfachen Grund: Höchstpreise werden nur für unbespielte Fahrzeuge in Originalverpackung gezahlt. Denn nur die sind auch wirklich selten. Schon die kaputte oder gar fehlende Hülle wirkt sich wertmindernd aus.

Schnäppchenjagd im Internet

Wenn es vielleicht so aussehen mag, Thomas Staudt sammelt nicht um jeden Preis. Natürlich hat er noch unzählige Wunsch-Modelle im Kopf, die aber noch viel zu teuer sind. Mehr als 20 bis 40 Euro gibt er selten für solch ein Exemplar aus. Tagtäglich stöbert er im Internet, durchsucht die bekannten Plattformen nach Schnäppchen oder stößt auch mal wieder Teile seiner umgangreichen Sammlung ab.

Ein echtes Prunkstück ist dieser Ford Capri RS Turbo in limitierter Auflage.
Ein echtes Prunkstück ist dieser Ford Capri RS Turbo in limitierter Auflage.

Über das Auktionshaus ebay hat er schon einige Raritäten günstig erworben. „Cool bleiben und abwarten“, lautet seine Devise. Wenn er ein besonders seltenes Stück entdeckt, das zur Komplettierung einer Serie noch fehlt, muss auch der Preis stimmen. Mehr als den realistischen Schätzwert legt er nicht auf den Tisch. Neuanschaffungen wickelt er zumeist über den Online-Händler seines Vertrauens ab.

Neben dem Sammeln dieser besonderen Modelle ist der Eichhofener FFW-Vorsitzende auch ein echter Experte für Autorennbahnen geworden. Da verwundert es nicht, dass er eine Spezialanfertigung im Keller aufgebaut hat. Dort werden regelmäßig heiße Rennen gefahren. Um die nötige Traktion für die Flitzer zu bekommen, werden vor dem Start die Reifen mit Sonnencreme eingeschmiert.

Profis fahren mit Handreglern, die wie Pistolengriffe geformt sind.
Profis fahren mit Handreglern, die wie Pistolengriffe geformt sind.

Nach dem Einsetzen der Slotcars auf der Startlinie, wird kräftig Gas gegeben. Aber nicht mit den üblichen Handreglern, die per Daumen gesteuert werden, sondern mit echten Profidrückern, die wie eine Pistole geformt sind. Mit dem Zeigefinger regulieren echte Slotracer das Tempo. „Damit hat man ein besseres Gefühl“, sagt Staudt und lässt seinen Mini-Porsche um die Kurven donnern. Nur eine Handvoll seiner Modelle kommen auf die Bahn.

Motorengeräusch aus Lautsprecher

Drei dieser Flitzer können gleichzeitig gegeneinander antreten. Auf dem Monitor an der Wand leuchten die Rundenzeiten auf. Beim Überqueren der Ziellinie kommt das Röhren der Motoren aus dem Lautsprecher. Hochkonzentriert verfolgen Thomas Staudt und Kumpel Mirko die kreisenden Slotcars. „An Turnieren oder Meisterschaften hat der 48-Jährige noch nie teilgenommen – will er gar nicht. Ihm macht es einfach Spaß, die kleinen Rennautos so schnell und unfallfrei wie möglich, über die Strecke sausen zu lassen.

Selbst Nachtrennen werden mit den eingebauten Scheinwerfern gefahren.
Selbst Nachtrennen werden mit den eingebauten Scheinwerfern gefahren.

Den Entschluss, die Modelleisenbahn gegen die Rennbahn einzutauschen, hat er nie bereut. Die großzügigen Spur-N-Anlage samt Loks und Gelände hat er seinem Vater zurück gegeben und weint ihr keine Träne nach.

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Miniflitzer für die Rennbahn

  • Slotcars

    sind angetriebene Automodelle in verschiedenen Maßstäben für Modellrennbahnen. Der Begriff slot kommt aus dem Englischen und bedeutet „Schlitz“. Ziel des Spieles ist es, möglichst schnelle Runden mit den Fahrzeugen auf der Rennbahn zu fahren, ohne dass dabei die Mini-Flitzer von der Strecke abkommen. Slotcar-Rennen reichen von Treffen unter Freunden in den eigenen vier Wänden bis hin zu internationalen Meisterschaften, bei denen die Teilnehmer die Slotcars aufbauen oder modifizieren, um maximale Leistung zu erreichen.

  • Bahnen:

    Viele Heimrennstrecken werden aus zusammensteckbaren Spritzgussteilen aus Kunststoff gefertigt, die den Renn-Sets beiliegen. Diese Strecken werden als „Kunststoffstrecken“ bezeichnet. Laden- und Club-Strecken, die für Wettbewerbe in den Maßstäben 1:32 und 1:24 genutzt werden,

  • sind zumeist handgefertigte, gefräste Strecken, bei denen die Führungsschlitze für die Strecke in eine Platte oder eine Kombination aus wenigen Platten gefräst werden, um so eine glatte und möglichst durchgehende Oberfläche zu gewährleisten.

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