MyMz
Anzeige

Fasching

Waschweiber nahmen Mitmenschen aufs Korn

Die Frauen legten sich in Hemau wieder ins Zeug. Nicht nur Politiker musssten sich Spott gefallen lassen.
Von David Santl

Göttervater Zeus alias Bürgermeister Hans Pollinger verabschiedete sich von der Bühne.  Fotos: David Santl
Göttervater Zeus alias Bürgermeister Hans Pollinger verabschiedete sich von der Bühne. Fotos: David Santl

Hemau.Gespanntes Warten liegt in der Luft an diesem Sonntagnachmittag im rappelvollen Bruckmeier-Saal. Plötzlich erklingt Akkordeon-Spiel. „Falleri und fallera, Wasser ist zu Waschen da“, singen ein paar als Wäscherinnen verkleidete Frauen, während sie die große Fläche in der Mitte des Saals betreten.

Sofort stimmt das Publikum mit ein und klatscht begeistert im Rhythmus. Das „Titellied“ der Waschweiber können die meisten mittlerweile auswendig. Die Tour der Waschweiber ist eben für viele Menschen auf dem Tangrintel ein Pflichttermin – auch wenn er im letzten Jahr ausfallen musste. Damit legten die Waschweiber auch los. Sie erzählten, dass sie im Zehentstadel nicht auftreten konnten: „Der Raum dort heißt doch Bürgersaal und Bürger san mir doch all“, meinten sie spitzzüngig.

Doch sie waren auch reichlich stolz: Der „Bruckmeier Sepp“ würde an seinem vierten Stern arbeiten und im renovierten Donhauser-Saal, der wie ein Dom sei, dauere es aufgrund der Akustik eine Woche, bis das Echo zurückkommt. „Nur der Trulli backt drei Pizzen, tschüss und ciao – und nimmer ist er in Hemau“, dichteten sie.

Pfarrer auf falschem Friedhof

Vor allem die Missgeschicke von bekannten Hemauern sorgten aber für nicht nur bei den Waschweibern für einen Hauch von Schadenfreude: Stadtpfarrer Berno Läßer wollte zum Beispiel auf dem Friedhof St. Salvator eine Trauerfeier halten, doch leider fehlten die Angehörigen. Da fiel ihm plötzlich ein, dass er eigentlich am Waldfriedhof sein müsste. Er hielt also auf der Straße das nächstbeste Auto an – mit der Bitte, ihn doch sofort zum richtigen Friedhof zu fahren.

Von Burkhard Götz wussten die Waschweiber, dass er seine Frau ermahnte, in der Beratzhauser Straße nicht zu schnell zu fahren, um nicht geblitzt zu werden. Nur er selbst beherzigte seinen Rat leider nicht. Marita Beslmeisl wollte in der Winterzeit besonders viele Orangen essen, um gesund zu bleiben. Während sie die Zitrusfrüchte schälte, nahm sie ihr Hörgerät raus und legte es zu den Schalen. Diese warf sie schließlich in den Ofen – mit dem Hörgerät.

Modenschau nimmt Kleidung aufs Korn

Die kühle und verregnete italienische Nacht im Sommer des letzten Jahres nutzten die Waschweiber um eine bayerisch-italienische Modenschau zu präsentieren, bei der die teils eigenartigen Kleidungsstile von Hemauern aufs Korn genommen wurden.

Auch der Wahl-Skandal in Thüringen spielte eine Rolle. Besonders hart ins Gericht gingen die Waschweiber dabei mit dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich. Dieser hatte sich am Mittwoch mit Hilfe der AfD zum Ministerpräsidenten wählen lassen: „Sich wählen lassen von rechten Banausen – da würde ich lieber Affen entlausen“, lautete der eindeutige Kommentar.

Die Crux mit dem Dreiradl

Besonderen Schabernack trieben die Waschweiber aber mit der Kommunalpolitik. Dazu wurde es richtig düster im Saal: Am Tangrintel beginnt ja nun die „Götterdämmerung.“ Der Göttervater Zeus (bzw. Bürgermeister Hans Pollinger) verlässt seinen Regierungssitz und schickt seine Botschaften in Zukunft aus der Tiefe – genauer gesagt aus Kochenthal. Natürlich wurden auch die Kandidaten für seine Nachfolge Petra Lutz (SPD) und Herbert Tischhöfer (CSU), sowie die Freien Wähler und die „grünen Raketenstarter“ derbleckt.

„So viel Herz für Hemau hat nur die rote Frau“, spielten sie auf den Slogan von Petra Lutz an. Bei Herbert Tischhöfer war sein Wahlkampfmobil ein gefundenes Fressen: „Herbert, du warst ein braver Sohn. Doch das mit dem Dreiradl ist ein Schmarrn, die Roten haben einen viel größeren Karr’n“, schallte die Stimme des „Göttervaters“ aus dem Nichts.

Der dreirädrige Roller von Tischhöfer sei ohnehin recht klein. Wenn er und sein Helfer Klemens Wild drinsitzen, drücke es den Motor raus, meinten die Waschweiber. Dann würde nur noch die Autowerkstatt des dritten Bürgermeisters Robert Pollinger helfen. Vorausgesetzt, Tischhöfer und Wild finden wieder den Weg aus dem neuen Doppelkreisel vor Pollingers Werkstatt. „Weil wenn sie immer nur um den Kreisel foahn, dann sind sie vor der Wahl schon narrisch woan.“

Der Auftritt der Waschweiber 2020

Nach Mexiko entführt ein neues Lokal auf dem Tangrintel. Foto: David Santl
Nach Mexiko entführt ein neues Lokal auf dem Tangrintel. Foto: David Santl

Mexiko: Sogar ein Hauch von Mexiko wehte beim Auftritt der Waschweiber durch die Wirtshäuser. Kein Wunder: Mit dem Lokal „El Coyote“ eröffnete erstmals ein mexikanisches Restaurant auf dem Tangrintel. Und so spielte Ruth Dettenwanger-Baumer die schnellste Maus von Mexiko, die jetzt beim Coyote wohnt.

Der „Stinker“ hatte seinen traditionellen Auftritt. Foto: David Santl
Der „Stinker“ hatte seinen traditionellen Auftritt. Foto: David Santl

Stinker: Traditionell hatte der „Stinker“ seinen Auftritt bei den Waschweibern. Und wieder wetterte er über aktuelle Themen, die ihm „stinken“, wie Plastik in den Meeren, die Bonpflicht und US-Präsident Trump. „Und das Klima spinnt, das weiß nicht nur dieses schwedische Kind.“

Der Altlandrat bekam sein Fett weg. Foto: David Santl
Der Altlandrat bekam sein Fett weg. Foto: David Santl

Satire: Auch einige bekannte Hemauer bekamen ordentlich ihr Fett weg. Neben allgemeinen Missgeschicken nahmen die Waschweiber zum Beispiel Altlandrat Herbert Mirbeth mit seinen Immobilien-Projekten für Senioren aufs Korn oder den etwas krummen Christbaum auf der Stadtterrasse (Foto).

Die Neueröffnung von Aldi kam bei den Waschweibern gut an. Foto: David Santl
Die Neueröffnung von Aldi kam bei den Waschweibern gut an. Foto: David Santl

Einkauf: „Hurra, hurra, endlich Aldi Süd ist da“, freuten sich die Waschweiber über die Neueröffnung eines Aldi im Gewerbegebiet. Auch die „Hemau-Taschen“ vom Fachgeschäftekreis waren Thema: Bei den vielen Einkaufsmöglichkeiten habe man in Hemau nun schwer zu tragen. (lds)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht