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Statistik

Weniger Einbrüche, mehr Diebstähle

2017 stieg die Zahl der Taten, wegen derer die Polizei ermittelt. Trotzdem ist der Kreis Regensburg fast Bayerns sicherster.
Von Bettina Mehltretter

Bei der Regensburger Kripo sind zwei Beamte dafür abgestellt, Bürger für Wohnungsdiebstähle zu sensibilisieren – wohl mit Erfolg: Inzwischen melden immer mehr Menschen aus dem Landkreis verdächtige Beobachtungen. Foto: Bodo Marks/dpa
Bei der Regensburger Kripo sind zwei Beamte dafür abgestellt, Bürger für Wohnungsdiebstähle zu sensibilisieren – wohl mit Erfolg: Inzwischen melden immer mehr Menschen aus dem Landkreis verdächtige Beobachtungen. Foto: Bodo Marks/dpa

Regensburg.Keine Region in der Oberpfalz ist so sicher wie der Landkreis Regensburg. Statistisch gesehen sind dort im vergangenen Jahr 2461 Straftaten pro 100 000 Einwohner begangen worden. Zum Vergleich: In Regensburg, der unsichersten Region in der Oberpfalz, musste die Polizei wegen mehr als dreimal so vielen Straftaten pro 100 000 Einwohnern ermitteln. Offiziell weiß Landrätin Tanja Schweiger es noch nicht, aber sie traut es sich schon zu sagen: „Mit zu den sichersten Landkreisen in Bayern zu gehören, das ist ein schönes Gefühl.“ Am Ende dürfte der Landkreis Regensburg wohl auf Platz drei, vier oder fünf des Rankings der 71 bayerischen Landkreise landen. Die Aufklärungsquote der Fälle im Landkreis lag 2017 bei 63,8 Prozent (Vorjahr: 66,5 Prozent).

Die Polizeispitzenkräfte mit Landrätin Tanja Schweiger (6. von rechts), Landratsamtssprecher Hans Fichtl (5. von rechts) und Stefan Stelzer, Leiter der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Foto: Claudine Pairst
Die Polizeispitzenkräfte mit Landrätin Tanja Schweiger (6. von rechts), Landratsamtssprecher Hans Fichtl (5. von rechts) und Stefan Stelzer, Leiter der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Foto: Claudine Pairst

Am Freitag haben die Spitzenkräfte des Polizeipräsidiums, der Kriminalpolizei, der Verkehrspolizeiinspektion und der Polizeiinspektionen im Landkreis im Landratsamt mehrere positive Zahlen vorgelegt. Stolz sind die Beamten, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche 2017 wieder rückläufig war. Die Ermittler registrierten 91 Fälle, das sind 20,2 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Polizeipräsident Gerold Mahlmeister sagt: „Die Hausbesitzer sind sensibler geworden und melden häufiger verdächtige Beobachtungen.“ Er führt das auf die intensive Präventionsarbeit zurück. Dafür seien zwei Stellen bei der Kripo geschaffen worden. Auch würde mehr kontrolliert. Insgesamt ist die Zahl der Diebstähle aber um 5,3 Prozent gestiegen, unter anderem in den Orten an den Autobahnen. Laut Mahlmeister seien häufig Rauschgiftabhängige unter den Tätern. Jeder von ihnen brauche für die Befriedigung seiner Sucht zwischen 100 und 150 Euro pro Tag.

Fahrraddiebstähle nehmen zu

2017 hat die Polizei unter anderem wegen mehr Ladendiebstählen, zum Beispiel im Bereich Neutraubling, und mehr Diebstählen aus Kraftfahrzeugen ermittelt. Auffällig ist auch die Steigerung bei den Fahrraddiebstählen. Während in der Stadt Regensburg 2017 wieder weniger Räder abhandengekommen sind, wurden im Landkreis – besonders in den Orten im Speckgürtel – mehr Räder geklaut.

Insgesamt hat die Polizei im Landkreis 2017 wegen 4707 Straftaten ermittelt – das entspricht einem Anstieg von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Spitzenkräfte der Polizei und für Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger ist das trotzdem ein guter Wert. Auch Prof. Dr. Henning Ernst Müller, Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzugsrecht an der Universität Regensburg, gibt Entwarnung. Wer in Deutschland lebt, dürfe sich „relativ sicher“ fühlen. Allerdings warnt er davor, die Kriminalstatistik, mit der die Polizei und Politiker landauf, landab die Sicherheitslage belegen, unreflektiert hinzunehmen. Müller zufolge sei diese Statistik nicht mehr als ein Tätigkeitsbericht der Polizeibeamten. Aktuell forscht auch ein Masterand Müllers dazu, wie die Bürger solche Statistiken wahrnehmen (zur Umfrage).

Denn ein ganz großer Teil der Delikte, die darin aufgeführt werden, beruhe auf den Strafanzeigen, die Bürger gestellt haben. „Das heißt: Es kommt sehr darauf an, ob das Opfer einer Straftat genügend motiviert ist, bei der Polizei eine Anzeige zu erstatten und vielleicht später auch als Zeuge aufzutreten“, sagt der Experte. Bei Einbrüchen dürfte diese Motivation besonders hoch und die Dunkelziffer daher relativ gering sein. Also dürften die Zahlen, die die Polizei hier nennt, besonders verlässlich sein.

Laut Müller zeigen Dunkelfelduntersuchungen, dass nur 40 Prozent der Menschen, die angeben, Opfer einer Straftat geworden zu sein, die Tat tatsächlich auch anzeigen. Seien zum Beispiel Verwandte, Freunde, Bekannte oder Nachbarn involviert – beispielsweise bei Sexual- oder Körperverletzungsdelikten, werden Taten häufig nicht angezeigt. Im Bereich der Gewaltkriminalität, die Delikte wie Körperverletzung, Vergewaltigung und Raub umfasst, sind in der polizeilichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr bereits 152 Fälle genannt. Das ist eine Zunahme von knapp 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit 2011. Wie hoch hier die tatsächliche Zahl ist, ist schwer zu sagen.

Sehen Sie hier, wie sich die Aufklärungsquote entwickelt hat:

Mehr Unfälle bei A 3-Ausbau?

Beim Sicherheitsgespräch im Landratsamt hat die Polizei auch die Verkehrsunfallstatistik vorgestellt. Sie zeigt für 2017 mit 5764 Unfällen einen neuen Höchststand im Zehn-Jahres-Vergleich. Vize-Polizeipräsident Thomas Schöniger erklärt das mit „mehr Fahrzeugen, mehr Einwohnern und mehr Pendlern“. Allerdings wurden 2017 bei den Crashs mit 693 Menschen so wenige wie sonst nie in den vergangenen zehn Jahren verletzt.

Doch was droht nun mit dem A 3-Ausbau? Polizeipräsident Gerold Mahlmeister formuliert seine Befürchtungen so: „Unsere Erfahrung zeigt, dass in der verengten Fahrspur der ein oder andere Unfall zusätzlich passieren wird.“ Mit dem Mega-Projekt sehen alle – Verkehrspolizisten und Beamte der Inspektionen im Landkreis – auch mehr Arbeit auf sich zukommen. Zum Beispiel in Wörth, wo die Beamten versuchen wollen, Lastwagen aus dem Ort herauszuhalten. Personelle Unterstützung bekommt in nächster Zeit aber niemand. Mahlmeister rechnet jedoch damit, dass in den nächsten Jahren des Öfteren Beamte der Operativen Ergänzungsdienste zu Hilfe kommen werden.

Sehen Sie hier Fälle, die die Menschen im Landkreis 2017 bewegt haben:

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