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Freitag, 21. September 2018 28° 3

Einsatz

Wenn Löschwasser nur tröpfelt

Die Feuerwehr will löschen, aber es kommt kein Wasser. So geschehen in Mintraching: Wie oft passiert das?
von Gustav Wabra

Trotz fehlendem Wasser konnte der Brand gelöscht werden. Fotos: Wabra
Trotz fehlendem Wasser konnte der Brand gelöscht werden. Fotos: Wabra

Roith.Es war ein tragischer Tag für die Familie Hupfer in Roith, einem Ortsteil von Mintraching. Zwei ihrer Scheunen brannten mit dem Futter für das ganze Jahr für ihre Tiere nieder. Eine dritte Scheune mit einem Dieseltank blieb von den Flammen weitestgehend verschont – dank der schnell handelnden Feuerwehr. Kurzzeitig standen die Einsatzkräfte aber vor leeren Schläuchen. Gleich mehrere Rohrbrüche legten das Leitungsnetz lahm. Wir fragten Experten, ob so etwas häufiger vorkommt – wie sieht es mit dem Brandschutz im Landkreis aus?

„Das ist dann wie ein Schlag mit einem Hammer auf die Leitung.“

Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer

Laut Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer ist die Löschsicherheit im Landkreis gewährleistet. Dennoch können Rohrbrüche wie in Mintraching zum Problem werden. Denn die Feuerwehren können sie selbst verursachen. Sobald Wasser durch den Hydranten und den Schlauch spritzt, sinke der Druck in den betreffenden Leitungen. Schließt man jedoch den Schlauch wieder, erhöht sich der Druck schnell und drastisch. „Das ist dann wie ein Schlag mit einem Hammer auf die Leitung.“ Dadurch kam es in Mintraching zu zwei Rohrbrüchen. Wenn es erst einmal zu mehreren Brüchen gekommen ist, ist nicht mehr genügend Druck auf der Leitung, um noch löschen zu können.

Wassernetz am Limit

Trotz des Problems mit den Rohrbrüchen sieht Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer im Landkreis keine Gefahr, dass die Feuerwehren öfters vor leeren Schläuchen stehen; denn Wasser komme nicht nur aus den Hydranten, sondern auch aus Fahrzeugen oder aus Löschbecken. Ob eine Leitung platzt, sagt Scheuerer, hängt auch von ihrem Alter ab.

Einsatz

Wasser fehlte bei Großbrand in Roith

Landwirt Wilhelm Hupfer aus Mintraching ist sauer. Mehrere Hydranten fielen aus, zwei Scheunen brannten nieder.

Martin Gottschalk, Pressesprecher der Rewag, erklärt, dass Leitungen eine durchschnittliche Lebensdauer von ungefähr 80 Jahren haben. Man könne Rohrbrüche aber nicht pauschal einem Lebensalter von Netzen zuordnen. Vielmehr sei es grundsätzlich einfach nicht auszuschließen, dass es im Falle einer sehr schnellen Entnahme von sehr viel Wasser zu Rohrbrüchen komme. Einige Kommandanten aus dem Landkreis bestätigten uns, dass Rohrbrüche immer wieder vorkommen. Es gehe in Extremsituationen wie bei Bränden immer darum, schnellstmöglich zu helfen. Dass ein Rohrbruch dazu führt, dass kein Wasser mehr laufe, sei sehr selten, komme aber vor, so einige Verantwortliche bei den Feuerwehren.

Sehen Sie hier ein Video vom Brand in Mintraching

Zwei landwirtschaftliche Hallen brannten nieder

Fred Wiegand ist SPD-Fraktionsvorsitzender im Marktgemeinderat in Regenstauf. Die Situation in Mintraching schreckte ihn auf. Auf seine Anfrage hin sollen jetzt die Leitungen in der Region geprüft werden. Er weiß von einer Übung einer Feuerwehr in Grafenwinn, bei der durch Rohrbrüche kein Wasser mehr kam. Er warnt: „Das darf im Ernstfall nicht passieren.“

„Die Feuerwehren achten darauf, dass die Druckspitzen nicht zu groß werden, um Rohrbrüche zu vermeiden.“

Johannes Buchhauser Leiter der Berufsfeuerwehr in Regensburg

Entwarnung gibt Johannes Buchhauser, Leiter der Berufsfeuerwehr in Regensburg. „Die Feuerwehren achten darauf, dass die Druckspitzen nicht zu groß werden, um Rohrbrüche zu vermeiden.“ Jedoch gebe es einen Unterschied zwischen Stadt und Land. In der Stadt gebe es so viele Verzweigungen bei den Leitungen, dass sogar trotz Rohrbrüchen Wasser käme. Auf dem Land, vor allem in abgelegenen Gebieten, sei das anders. Bei einem Brand in der Größenordnung wie in Roith sei es vor allem gut, dass die Feuerwehren trotz der Umstände den Brand unter Kontrolle gebracht und schnell reagiert haben.

Mintraching war ein Extremfall

In Roith legten die Feuerwehren, als kein Wasser mehr kam, dann einen Schlauch über die Bundesstraße zu einer Kiesgrube nahe dem Roither Weiher. Von dort bekamen sie dann das nötige Löschwasser. Zusätzlich kamen Feuerwehren mit Wassertanks und löschten so das Feuer. Die Brandursache ist weiter ungeklärt.

Dennoch sind sich Anita und Wilhelm Hupfer sicher: Wenn das Wasser nicht kurzzeitig gefehlt hätte, wäre der Schaden an ihrem Hof geringer gewesen. Beide danken den Feuerwehren für ihren Einsatz. Für sie bleibt unverständlich, warum auf einmal kein Wasser mehr lief. Sie machen dem Zweckverband zur Wasserversorgung einen Vorwurf.

Sehen Sie hier Bilder vom Brand in Mintraching

Feuerwehr bekämpft Brand in Mintraching

Laut Karl Irrgang, stellvertretender Leiter des Zweckverbands Wasserversorgung Regensburg-Süd, sind die Leitungen in Roith 1977 gebaut und erst in diesem Jahr erneuert worden. Kein Fehler im Netz, sondern die hohe Belastung, sei das Problem gewesen. Eine so große Entnahme verkrafte kein Leitungsnetz. Dadurch kam es zu den Rohrbrüchen, bestätigt auch der Wassermeister Bernhard Putz des Zweckverbands.

Johannes Buchhauser betont, dass Mintraching ein extremer Fall gewesen sei, der keinesfalls die Regel unter Bränden darstelle.

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