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Geschichte

Wie ein ganzes Haus umzog

Ein uraltes Steinhaus wurde vor über 20 Jahren von Matting nach Bad Windsheim versetzt. Dort steht es im Freilandmuseum.
Von Josef Eder

Das über 700 Jahre alte Anwesen Riepl steht heute im Museum Bad Windsheim. Fotos: Josef Eder
Das über 700 Jahre alte Anwesen Riepl steht heute im Museum Bad Windsheim. Fotos: Josef Eder

Pentling.Ein altes Mattinger Steinhaus der heute 92-jährigen Anna Riepl zog Anfang der 90er-Jahre vom Donauufer ins Freilandmuseum Bad Windsheim. Es war eines der ersten drei Anwesen, die im damaligen Weiler Matting (13./14. Jahrhundert) errichtet wurden. Die Familien Karl und Fröhlich, die das Steinhaus über Generationen bewohnten, stellten den Bergmeister, was die Bedeutung unterstrich und die Zweigeschossigkeit erklärt.

Das Haus mit einer Grundfläche von zehn mal zehn Metern ohne Stallanbau wurde komplett von der Oberpfalz nach Mittelfranken versetzt. Abgebaut wurde es 1990/91. Der originalgetreue Wiederaufbau fand von 1993 bis 1996 an einem kleinen Wasserlauf hinter hohen Bäumen statt. An einer Hausseite wachsen Heckenrosen. Rechts neben dem Giebel steht an der Eingangsseite ein Baum, der diesen beschattet. Unweit davon zeugen Weinreben vom Weinbau in Matting.

Erstmals Wände versetzt

„Der damalige Museumsleiter Professor Dr. Konrad Bedal, ein Studienkollege des verstorbenen ehemaligen Oberpfälzer Bezirksheimatpflegers Dr. Adolf J. Eichenseer, versetzte damit erstmals ganze Wände, um die Bausubstanz zu schonen. Bedal gründete das Museum und leitete es mehr als drei Jahrzehnte lang bis 2010.

Der Fletz mit der vom Rauch schwarzgefärbten Kuchl Foto: Josef Eder
Der Fletz mit der vom Rauch schwarzgefärbten Kuchl Foto: Josef Eder

Besonders wichtig war, dass die Wandmalereien nicht beschädigt wurden. Ein normaler Abbau hätte die circa 800 Jahre alten Gemälde, die auf das Mauerwerk aufgetragen waren, nicht erhalten können. Es musste trocken sein, als um die Wände mit Hölzern und Eisen eine stützende Transportkiste gebaut wurde. In 25 Teile wurden die gemauerten Wände zerlegt. Das Größte war fünf Meter lang, 2,5 Meter hoch und 50 Zentimeter stark. Es wog zehn Tonnen.

Die Schnitte zwischen den Mauerteilen wurden möglichst im Bereich jüngerer Veränderungen und später eingebrochener Fenster und Türen gelegt. Auf diese Weise wurden 90 Prozent des in Matting noch erhaltenen Mauerwerks aus der Zeit vor 1600 ins Museum gebracht, mit Putzen, Farben und Gebrauchsspuren, erinnert sich Erika Eichenseer. Das zweite Meisterwerk war, beim Wiederaufbau die gemauerten Wände unbeschädigt einzusetzen. Mit neuem Putz wurden nur geringe Hausteile versehen.

Haus um 1350 gebaut

Erbaut wurde das Steinhaus um 1350. Der erste Umbau fand 1410 statt, der Umbau der oberen Stube im Jahre 1580. Die Rekonstruktion des Zustandes datiert das späte 14. Jahrhundert mit den Bauphasen 1410 und 1580. Anstelle der späteren Stein- oder Holzfußböden sind sie hier aus Lehm. Im Museum ist zu lesen: Das ehemalige Winzerdorf (erste urkundliche Erwähnung 901 n. Chr.) liegt am Südufer der Donau, also schon in Bayern. Jedoch weist das Haus mit seinem flach geneigten, mit Kalkplatten gedecktem Satteldach ein typisches Merkmal der Bauernhäuser der Altmühlregion im südlichen Franken auf. Hinzu kommen sein hohes Alter und die eher ungewöhnliche zweigeschossige Massivbauweise mit Kalk- und Sandbruchsteinen.

Malerei aus dem 14. Jahrhundert Foto: Josef Eder
Malerei aus dem 14. Jahrhundert Foto: Josef Eder

Das Wohnhaus war nicht das erste Wohngebäude des Anwesens. Ausgrabungen zufolge wurde bereits Ende des 13. Jahrhunderts ein hölzernes Haus in Pfostenbauweise errichtet. Vermutlich brannte es ab. Vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert war das Anwesen ein Weingut. Dessen Besitzer lassen sich bis ins Jahr 1380 zurückverfolgen.

Der Fletz (Tenne) zog sich zur Bauzeit wohl bis zur rückwärtigen Nordwand (weitere Türe). Später wurden die Küche und eine Kammer abgetrennt. Die Haupteingangstüre konnte schon zur Bauzeit von innen mit einem Riegel gesichert werden. Kleine schwarz gefärbte Mauerschlitze nahmen brennende Kienspäne als rauchige, spärliche Lichtquelle auf.

Fenster zu Beginn nur Schlitze

Zur Bauzeit bestanden in der östlichen Haushälfte zwei durch eine Holzwand getrennte, gleichgroße Räume. Einer war vermutlich schon eine rauchfreie Stube. Um 1410 wurde anstelle der Holzwand eine Mauer mit Nische eingebaut, so dass eine kleine Kammer und eine Stube entstanden. In Letztere kam ein Ofen mit Rauchabzug. Mit dem Umbau bekam der Wohnraum größere Fenster. Zuvor waren es, wie noch zu sehen, kleine schlitzartige Öffnungen.

Die Stubendecke (16. Jahrhundert) entspricht der Umbauphase des oberen Stockwerks. Der Raum zeigt, wie auch das gesamte Erdgeschoss, eine Besonderheit: Das Gebäude war schon zur Bauzeit auf einem horizontal nicht eingeebneten Grund errichtet worden. Der aus einem Lehmestrich bestehende Raumboden fällt mit dem Gelände etwas ab.

Der Rauch zog durchs Haus

Zur Bauzeit gab es weder Küche noch Kamin. Der Rauch zog frei durchs Haus. 1410 wurde ein Schlot eingebaut. Sein begehbares Unterteil war die Küche (Rauchküche). Der kleine, mittig im Haus sitzende Raum besaß eine gemauerte Feuerstelle und war rauchig-rußig-schwarz.

Die Wände sowie Fensterwandungen im Obergeschoss sind mit naiven Malereien (um 1560) versehen. Sie zeigen Bäume, Ranken und Vögel, angedeutete Säulen und eingesperrtes Federvieh (Hühner); weiter Menschen in der damals typischen Kleidung (kurze gepluderte Hose und tailliertes Oberteil, Beinkleider und dunkle Schuhe) sowie einen Degen mit verziertem Griff. Über eine Stange hingen Würste.

Die Steinhäuser

  • Stil:

    Der Baustil der Steinhäuser kannte keine Grenzen. Er zieht sich von Treuchtlingen durch das Altmühltal bis Tegernheim.

  • Beispiele:

    Heute zeugen in Matting und im nahen Oberndorf noch etliche erhaltene Häuser aus dem 14. Jahrhundert davon. Die meisten Häuser sind noch bewohnt. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte umgebaut. Bekannt ist neben dem Riepl-Anwesen auch die renovierte historische Mattinger Hofstelle.

Wahrscheinlich war es die sogenannte gute Stube oder eine Schankstube, wie sie noch im Mattinger Zunftstüberl (Wandmalereien um 1620) erhalten ist. Denn auch an einer weiteren Außenwand sind kleinere gemalte Teile freigelegt. Die Innenwände sind aus Holz und überputzt. Auch im Erdgeschoss (Eingangsbereich) ist unter mehrlagigem Putz Farbe zu erkennen.

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