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Wiedereinstieg fällt nicht immer leicht

Wollen Frauen nach der Familienpause wieder arbeiten, erfordert das eine gute Planung und hohe Motivation. Die Lebenslage muss analysiert werden.
Von Angelika Lukesch, MZ

Viele Frauen wollen nach der Familienpause wieder arbeiten. Doch der Wiedereinstieg in den Beruf will gut geplant sein. Archivfoto: Silvia Marks, dpa

Regensburg.Viele Frauen pausieren im Beruf, um für die Familie da zu sein. Nach der Pause fällt der Wiedereinstieg in das Berufsleben jedoch oft sehr schwer. Die Expertin Andrea Teichmann von der Bundesagentur für Arbeit gibt im Gespräch mit der Mittelbayerischen Zeitung gute Tipps für den Wiedereinstieg.

Wie soll eine Frau vorgehen, wenn sie nach der Familienpause wieder in den Beruf einsteigen will?

Teichmann: Es ist wichtig, die neue Lebenslage genau zu analysieren und mit dem Partner, in der Familie und mit einer Freundin zu besprechen: Wie viele Stunden kann und möchte ich arbeiten, wie ist die Kinderbetreuung geregelt (auch in den Ferien), wie sieht es mit meinen beruflichen Kompetenzen aus, wie mobil bin ich? Grundsätzlich schlage ich vor, mit dem letzten Arbeitgeber Kontakt aufzunehmen, ob ein Wiedereinstieg im alten Unternehmen möglich ist, eventuell mit geänderten Arbeitszeiten. Ist dies nicht möglich, sollte sie sich einen Überblick über offene Stellen verschaffen. Das gelingt am einfachsten über Stellenbörsen im Internet, aber auch die Zeitung oder Gespräche mit Bekannten. Das Bewerben auf ausgeschriebene Stellen, aber auch Initiativbewerbungen sind ein schweres Stück Arbeit. Sollten keine Stellen gemeldet sein, müsste sich die Frau Alternativen überlegen.

Ist es ein Hemmschuh für eine erfolgreiche Bewerbung, wenn man längere Zeit nicht im Beruf gearbeitet hat?

Frauen, die längere Zeit aus dem bezahlten Erwerbsleben waren, haben es oft besonders schwer. Es ist ihnen unklar, welche beruflichen Kompetenzen sie überhaupt vorweisen können, da Berufstätigkeit schon zu lange zurückliegt. Hier ist es wichtig, sich der eigenen Fähigkeiten und Stärken bewusst zu werden! Misserfolge aufgrund wenig aussagekräftiger Bewerbungen rauben sonst den letzten Rest an Motivation und Selbstsicherheit. Meistens ist es notwendig, sich neue Qualifikationen anzueignen. Es gibt zum Beispiel die kostenlosen Angebote der Lernbörse über die Agentur für Arbeit, aber auch tolle Angebote über das Regionalzentrum Frau und Beruf.

Kann man bei einem Wiedereinstieg auch die während einer Familienpause gewonnen Fähigkeiten (Organsiation, Multi-Tasking) als Plus verwerten? Oder ist nur Jugend gefragt?

Fähigkeiten, die man sich bei der Familienarbeit erworben hat, sind auch im Beruf wichtig, das ist allen Arbeitgebern klar. Allerdings werden auch aktuelle Kenntnisse erwartet, wie der Umgang mit dem Computer. Es erschreckt mich, wenn Frauen, die noch 20 Jahre Berufstätigkeit vor sich haben, während der Familienzeit bei den technischen Entwicklungen ausgestiegen sind und zum Beispiel nicht per E-Mail kommunizieren.

Worauf muss eine Frau, die in den Beruf wieder einsteigt, besonders achten?

Der Wiedereinstieg ins Berufsleben verändert das ganze Familienleben, deshalb müssen alle Familienmitglieder von Anfang an in diese Entscheidung mit einbezogen werden. Es muss klar sein, dass die Berufstätigkeit der Mutter für deren Zufriedenheit und finanzielle Absicherung notwendig ist und nun umgesetzt werden muss. Die Familienarbeit muss in dieser Situation wieder auf mehrere Schultern verteilt werden. Oftmals wird der Minijob als ideale Form für den Wiedereinstieg gesehen. Das kann für die eine oder andere Frau auch so sein, sollte aber nicht zur Dauerlösung werden. Wichtig ist, dass sich Frauen durch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung den eigenen Lebensunterhalt sichern.

Vollzeit oder Teilzeit: Wo ist der Wiedereinstieg leichter?

Obwohl die Zahl der Teilzeit-Beschäftigten in den letzten Jahren angewachsen ist, sind deutlich mehr Stellen in Vollzeit zu besetzen, als Stellen in Teilzeit. Insofern erhöhen sich die Chancen beim Wiedereinstieg, je mehr Arbeitsstunden man leisten kann. Vielleicht kann man sich mit dem Arbeitgeber auch eine reduzierte Stundenzahl im Betrieb und zusätzliche Home-Office-Stunden einigen oder bereits in der Bewerbung anklingen lassen, dass man derzeit die Stundenzahl noch begrenzt, aber mittelfristig wieder Vollzeit arbeiten möchte.

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