MyMz
Anzeige

Soziales

Wo Pflegenotstand ein Fremdwort ist

Das Hermann-Grötsch-Haus in Regenstauf hat neun Auszubildende. Personalmangel ist in dem Caritas-Heim kein Thema.
Von Sieglinde Geipel

Bevor es in die Praxis geht, müssen die Auszubildenden im Hermann-Grötsch-Haus in Regenstauf mit einer Puppe üben. Foto: Geipel
Bevor es in die Praxis geht, müssen die Auszubildenden im Hermann-Grötsch-Haus in Regenstauf mit einer Puppe üben. Foto: Geipel

Regenstauf.Mit drei Auszubildenden, die bereits im 2. Ausbildungsjahr sind und sechs neuen Auszubildenden geht das Seniorenheim in die Ausbildungsoffensive. „Wenn es keine Fachkräfte gibt, müssen wir selbst verstärkt ausbilden“, sagt Maria Seidl, die Leiterin des Hauses. Im Hermann-Grötsch Haus herrsche kein Fachkräftemangel, die geforderten 50 Prozent werden überschritten.

Maren Schröder: Sie ist Quereinsteigerin, nachdem sie vorher eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolviert hat. Für sie ist wichtig, direkt mit Menschen zu arbeiten. „Ich bin mit meinem ganzen Herzen dabei, auch wenn nicht jeder Tag gleich schön ist.“ Foto: Geipel
Maren Schröder: Sie ist Quereinsteigerin, nachdem sie vorher eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin absolviert hat. Für sie ist wichtig, direkt mit Menschen zu arbeiten. „Ich bin mit meinem ganzen Herzen dabei, auch wenn nicht jeder Tag gleich schön ist.“ Foto: Geipel

Es sei schade, dass in der Öffentlichkeit die Tätigkeit in der Altenpflege negativ dargestellt werde. Die Rede ist von schlechter Bezahlung, schlechten Arbeitsbedingungen, Drei-Schicht-System oder auch starker körperlicher Belastung. Was die Bezahlung angehe, sei es wichtig, dass die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden. In der dreijährigen Ausbildung beträgt die Vergütung 1100 bis 1350 Euro.

Gute Organisation nötig

Was die körperliche Belastung betrifft, gibt es heute zahlreiche Hilfsmittel, die die Arbeit sehr erleichtern. So müssen bettlägerige Bewohner nicht mehr mit Körperkraft bewegt werden, dafür gibt es Lifter, Aufstehhilfen und ähnliche Geräte. Natürlich helfen diese nur, wenn sie auch in ausreichender Anzahl vorhanden sind und das Personal dafür geschult ist. Im Seniorenheim in Regenstauf gibt es diese Hilfsmittel auf jeder Station, und es finden regelmäßige Schulungen statt, in denen durch gezielte Übungen das Personal lernt, wie die Pflege rücken- und gelenkschonend durchgeführt werden kann.

Marcus Rossmeissl: Er hat seinen Vater gepflegt habe und dabei den Wunsch verspürt, in die Altenpflege zu gehen. Zuerst sei er unsicher gewesen, aber nach seiner Ausbildung zum Pflegehelfer habe er gewusst, dass er für sich den richtigen Beruf erlerne. Foto: Geipel
Marcus Rossmeissl: Er hat seinen Vater gepflegt habe und dabei den Wunsch verspürt, in die Altenpflege zu gehen. Zuerst sei er unsicher gewesen, aber nach seiner Ausbildung zum Pflegehelfer habe er gewusst, dass er für sich den richtigen Beruf erlerne. Foto: Geipel

„Wir versuchen, die Pflege auf die Bedürfnisse der Bewohner soweit wie möglich auszurichten“, erklärt der Pflegedienstleiter Hermann Pigerl. Dies alles erfordere einen hohen Personalschlüssel und gut ausgebildeten Nachwuchs. Natürlich freue er sich sehr, dass sich nun neun junge Menschen, für den Beruf der Altenpflegerin bzw. des Altenpflegers entschieden hätten.

Diskussion

Regensburger Sorgen um Gesundheitssystem

Ärztemangel, Impfpflicht und Pflegenotstand bewegen auch die Regensburger. Staatssekretär Gebhart stand Rede und Antwort.

Fast alle haben bereits Erfahrung als Pflegehelfer gesammelt und sich dann bewusst für diese Ausbildung entschieden. Eine solch hohe Zahl an Auszubildenden verlange auch eine gute Organisation und einen hohen Personaleinsatz, schließlich müssten sie bei allen Arbeiten von einer Fachkraft begleitet und angeleitet werden. Erst wenn sie in der Theorie die verschiedenen Fachgebiete gelernt und in der Praxis an einer Übungspuppe ihre Kenntnisse erfolgreich umsetzen können, dürfen sie entsprechend ihrem Ausbildungsstand auch die Bewohner alleine betreuen, berichtet Pigerl. Neben Praxiswochen im Seniorenheim stehen Theoriewochen in der Fachschule.

Doris Hippeli: Die Praxisanleiterin arbeitet seit 2006 in der Altenpflege und sagt: „Ich liebe meinen Beruf und ich habe meine Berufswahl noch nie bereut.“ Ich schöpfe Kraft aus meinem Beruf und ich habe Spass daran, Menschen zu helfen. Natürlich ist es manchmal positiv stressig. Foto: Geipel
Doris Hippeli: Die Praxisanleiterin arbeitet seit 2006 in der Altenpflege und sagt: „Ich liebe meinen Beruf und ich habe meine Berufswahl noch nie bereut.“ Ich schöpfe Kraft aus meinem Beruf und ich habe Spass daran, Menschen zu helfen. Natürlich ist es manchmal positiv stressig. Foto: Geipel

Alle Auszubildenden zeigen sich äußerst motiviert und sehen sich in ihrem zukünftigen Beruf nicht benachteiligt. Sie sind sich einig, sie erlernen einen krisensicheren Beruf, in dem sie je nach Fort- und Weiterbildung auch gute Aufstiegschancen haben werden. Der Schichtdienst sei im Haus sehr gut geregelt. Es herrsche ein gutes Betriebsklima, so dass man sich entsprechend den persönlichen Bedürfnissen absprechen könne.

Ein Lächeln zaubern

An erster Stelle steht für die angehenden Altenpfleger, der Umgang mit den Menschen. Sie übernehmen gerne Verantwortung und sehen in ihrer Arbeit eine sinnhafte Beschäftigung. Es ist für sie sehr befriedigend, zu erleben, dass sie helfen und auch Freude und gute Stimmung verbreiten können.

Gesundheit

Die hässliche Seite der Pflege

Alle suchen Rezepte gegen den Pflegenotstand. Rund um Cham hat das Tauziehen um die Fachkräfte aber auch bösartige Auswüchse.

„Es freut mich, wenn ich gute Laune verbreiten kann und die Bewohner zum Lachen bringe“, sagt Maren Schröder mit einem herzlichen Lächeln im Gesicht. Wie angesehen ist der Beruf bei Freunden und Bekannten, wenn man z. B. mal keine Zeit zum gemeinsamen Ausgehen hat? Besonders angetan waren alle von der Begegnung mit der Heimaufsicht. Die Gespräche seien für sie sehr informativ gewesen und sie hatten das Gefühl: wir werden ernst genommen.

Manuel Kretschmar: Ich habe zuerst eine zweijährige Helferausbildung gemacht. Danach war ich beim BRK, dort habe ich bald bemerkt, dass die Arbeit mit alten Menschen für mich das Richtige ist. Ich fühle mich von meinen Freunden anerkannt und respektiert. Foto: Geipel
Manuel Kretschmar: Ich habe zuerst eine zweijährige Helferausbildung gemacht. Danach war ich beim BRK, dort habe ich bald bemerkt, dass die Arbeit mit alten Menschen für mich das Richtige ist. Ich fühle mich von meinen Freunden anerkannt und respektiert. Foto: Geipel

Es fehlt in der Altenpflege die männliche Komponente, sagt Pflegedienstleiter Pigerl. „Oft entscheiden sich männliche Arbeitnehmer gar nicht bewusst gegen einen Pflegeberuf, sondern sie ziehen ihn erst gar nicht für sich in Betracht“, so Pigerl. Auch für die Bewohner selbst sei es wichtig, dass sie nicht nur von weiblichen, sondern auch von männlichen Fachkräften umsorgt werden, ergänzt die Heimleiterin. Wenn sich das Personal wenigstens zum Teil aus weiblichen und männlichen Mitarbeiter zusammensetze, wirke sich das auch sehr positiv auf das Betriebsklima aus.

Soziales

Bessere Bezahlung ist wichtig

Fachkräfte fehlen in sozialen Berufen: Staatsministerin Schreyer fordert mehr Anerkennung, Wertschätzung – und Geld.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht