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Wörth: 2500 sind gegen Stromtrasse

Eine Bürgerinitiative gegen den SuedOstLink übergab gesammelte Unterschriften an Wirtschaftsminister Aiwanger.
Von Kerstin Hafner

Die Bürgerinitiative „Östlicher Landkreis Regensburg gegen den SuedOstLink“ – allen voran die Sprecher Irmgard Sauerer (rechts) Evi Luft und Dr. Helmut Stadler – übergab die Unterschriftenlisten an Hubert Aiwanger (links).  Foto: Hafner
Die Bürgerinitiative „Östlicher Landkreis Regensburg gegen den SuedOstLink“ – allen voran die Sprecher Irmgard Sauerer (rechts) Evi Luft und Dr. Helmut Stadler – übergab die Unterschriftenlisten an Hubert Aiwanger (links). Foto: Hafner

Wörth.Die Bürgerinitiative „Östlicher Landkreis Regensburg gegen den SuedOstLink“ (BI) besteht aus Betroffenen und Kommunalrepräsentanten aus dem Raum Brennberg, Frauenzell und weiteren Orte, die im vorläufig geplanten Korridor jener Stromleitung liegen, die sie gerne als Monstertrasse bezeichnen. Den Besuch des bayerischen Wirtschaftsministers anlässlich des Festakts zum zehnjährigen Bestehen des Zweckverbands Gewerbegebiet Wörth-Wiesent nutzte die BI am Freitag, um Hubert Aiwanger einige Mappen mit 2500 Unterschriften von Trassengegnern zu überreichen.

„Wir hoffen, dass du demnächst den Bundeswirtschaftsminister triffst und ihm berichtest, wie sehr uns dieses Thema beschäftigt“, erklärte Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer, selbst Mitglied der Freien Wähler. Die Trassengegner haben Angst vor Erkrankungen (vorrangig Krebs) durch Elektrosmog bei Mensch und Tier.

Angst vor Elektrosmog

Die Landwirte, auf deren Grund die Leitungen verlegt werden sollen, befürchten, dass durch die Strahlung der unterirdischen Stromleitung das Bodenleben irreparabel geschädigt werden könnte, so dass sie dort nach 2030 weder gesunde Lebensmittel noch gesundes Futter für ihr Vieh produzieren können. Aiwanger – selbst Landwirt – hatte Verständnis für diese Sorge, zumal sich auch die Grundwasserzirkulation im betroffenen Streifen verändern werde.

Zukunft

Kommt 2020 der Trassenstopp?

Seit drei Jahren kämpft Brennberg gegen die SüdOstLink-Pläne. Den anstrengenden Weg will der Ort weitergehen.

Wie schon zu anderen Gelegenheiten betonte der Minister auch in Wörth, er könne von Bayern aus nur bis zu einem gewissen Grad Einfluss nehmen, letztlich werde der Bund entscheiden. Und Berlin schalte bei dem Thema momentan auf stur. Außerdem sei seine Partei im Freistaat nun mal der kleinere Koalitionspartner.

Zahlreiche Bürgerinitiativen protestierten im Herbst vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen gegen die Trasse.  Foto: Bernhard Neumeyer
Zahlreiche Bürgerinitiativen protestierten im Herbst vor dem Feuerwehrhaus in Mühlhausen gegen die Trasse. Foto: Bernhard Neumeyer

Einer der Sprecher der BI, Dr. Helmut Stadler aus Frauenzell, erinnerte Aiwanger daran, dass „wir Sie gewählt haben, weil Sie früher selbst gegen die Trasse demonstriert haben.“ Aiwanger versprach, er werde sich in den nächsten Jahren verstärkt dafür einsetzen, die Rahmenbedingungen in Bayern so zu verändern, dass der Bund im Rahmen der Energiewende keine Notwendigkeit für Nord-Süd-Stromtrassen mehr sieht – vielleicht nicht für alle, aber doch für einige der geplanten Trassen. Er werde sich dazu vor allem um einen Südbonus für Windenergie bemühen, der den Standortnachteil ausgleiche.

Das Problem: Seit 2017 werden Windkraftanlagen zentral ausgeschrieben. Dabei gewinnt, wer seine Anlage am günstigsten betreibt, wer also am wenigsten Förderung benötigt. Bayerische Anlagen können preislich nicht mit den norddeutschen mithalten, weil Kraftwerke auf dem flachen Land billiger sind als in Berg- und Hügelland.

Initiativkreis-Gutachten widerlegt Bedarf

  • Symbole:

    Gekreuzte Bretter in Rot und Gelb pflastern die Straßenränder im Vorwald. Sie sind Ausdruck des Protests gegen den von TenneT und der Bundesnetzagentur geplanten SuedOstLink.

  • Trasse:

    Die Trasse soll überschüssige Windkraft aus Nordsee-Offshore-Parks in den Freistaat bringen, um nach der Abschaltung der hiesigen Atommeiler Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Trassengegner sehen ebenso wie Minister Aiwanger eher fragwürdige Konzerninteressen als Motiv für den SuedOstLink denn Versorgungsengpässe in Bayern.

  • Institut:

    Der Initiativkreis rund um die BI, den BUND und weitere Organisationen hat ein Gutachten bei einem Wiesbadener Institut in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis Brennbergs Bürgermeisterin Irmgard Sauerer Aiwanger mitteilte.

  • Untersuchung:

    Gutachter Lorenz Jarass, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule RheinMain, ist nach BI-Angaben der Ansicht, dass die aktuelle Trassenplanung der Energiewende schadet. Er widerlege den Bedarf und zeige auf, dass die erheblichen Baukosten nicht einberechnet worden seien.

Ferner, so Aiwanger, seien die bayerischen Dachflächen nur zu etwa einem Drittel von Photovoltaik belegt. Der Ausbau mache derzeit jedoch nur für Hauseigentümer Sinn, 50 Prozent der Dachflächen im Freistaat befänden sich aber auf Mehrparteien-Mietshäusern. Trotzdem betrachtet der Minister die Kombination aus Windkraft und Solarenergie als idealen regenerativen Strommix.

Trasse überflüssig machen

Als optimale dezentrale Versorgungseinheit für Städte und Gemeinden sieht Aiwanger die Kraft-Wärme-Kopplung, also die gleichzeitige Gewinnung von mechanischer Energie und nutzbarer Wärme, die in einem gemeinsamen thermodynamischen Prozess entstehen. Auch hier sei Luft nach oben. Und nicht zuletzt könne man schließlich auch die bestehenden Stromleitungen intelligenter steuern, denn deren Kapazitäten seien bei weitem noch nicht ausgenutzt.

Aus all diesen Gründen stehe er selbst der Notwendigkeit der Trasse nach wie vor kritisch gegenüber und wolle Bayern derart fit machen, dass auch Berlin die Überflüssigkeit der Maßnahme einsehe.„Oder ...“, lächelt er süffisant, „vielleicht hält im Norden um fünf vor zwölf doch noch die Vernunft Einzug und man nutzt in Friesland die überschüssige Windenergie lieber zur Wasserstoff-Erzeugung als Speichermöglichkeit“.

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