MyMz
Anzeige

Rundgang

Wörth ist nicht überall barrierefrei

Der Gehsteig zu hoch, das Geländer zu kurz: Betroffene zeigten auf, wo die Stadt in Sachen Inklusion noch nachbessern kann.
Von Theresia Luft

Die Teilnehmer der Ortsbesichtigung versammelten sich vor dem Bürgerhaus.  Foto: Theresia Luft
Die Teilnehmer der Ortsbesichtigung versammelten sich vor dem Bürgerhaus. Foto: Theresia Luft

Wörth.Barrierefreiheit ist nicht nur wichtig für ältere Menschen oder Menschen mit Handicap, auch für eine Mutter mit Kinderwagen oder wenn sich jemand ganz banal den Fuß gebrochen hat, ist es eine enorme Erleichterung, wenn zum Beispiel Türen sich automatisch öffnen oder der Bürgersteig abgesenkt ist.

Die Stadt Wörth ist bestrebt, sich im Bezug auf Barrierefreiheit und Inklusion ständig zu verbessern. Hildegard Schindler, Vorsitzende des Ausschusses für Jugend, Familie, Senioren und Soziales, lud deswegen zu einer Ortsbegehung ein. Dabei waren als Vertreter des Landratsamtes Petra Haselbeck, Leiterin des Sachgebietes Senioren und Inklusion, ihr Stellvertreter Stefan Steinkirchner sowie Martin Tischler, Behindertenbeauftragte des Landkreises und Vertreter von Phönix e. V. – Beratung und Hilfen für behinderte Menschen mit ihrer Expertengruppe und einige Mitglieder des Wörter Stadtrates.

Stammtisch legte die Route fest

Die Behindertenbeauftragte der Stadt Wörth, Edeltraud Forster, hatte gemeinsam mit den Mitgliedern des Inklusions-Stammtisches, der sich einmal im Monat trifft, die Route zusammengestellt:

Das Bürgerhaus, die Straßenquerung bei der Polizei, die Pfarrkirche, der kleine „Stadtpark“ bei der Kirche, die Schlossstraße und das Bürgerbüro standen auf der Agenda . Wie Forster sagte, sei der Stammtisch eine gute Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder auch einmal die Sichtweise eines Anderen, der andere Beeinträchtigungen habe zu hören.

An dieser Stelle müssen Rollstuhlfahrer einen Umweg in Kauf nehmen, anderswo kommen sie gar nicht oder nur schwer weiter.  Foto: Theresia Luft
An dieser Stelle müssen Rollstuhlfahrer einen Umweg in Kauf nehmen, anderswo kommen sie gar nicht oder nur schwer weiter. Foto: Theresia Luft

Ein Rollstuhlfahrer braucht andere Hilfsmittel oder Unterstützung als beispielsweise ein Sehbeeinträchtigter oder eine Person mit Gehörbeeinträchtigung. Schon im Foyer des Bürgerhauses wurde das sichtbar. Die letzte breite Treppenstufe sei nicht optimal und Sehbehinderte brauchten einen Handlauf bis wirklich zur allerletzten Treppenstufe, merkte Tanja Knappe vom Bayerischer Blinden- und Sehbehindertenbund an und regte an, an Blindenleitsysteme in den verschiedenen Einrichtungen zu denken. Beim Aufzug, der in den zweiten Stock zum Bürgersaal führt, scheiterte Forster mit ihrem Elektrofahrzeug, das ein wenig zu lang ist, so dass die Aufzugtür nicht schloss.

Hilfreich ist außerdem ein Niederflurbus, der sich an der Haltestelle absenkt und das Einsteigen – egal ob mit Rollstuhl, Kinderwagen oder mit Gehhilfen wie Rollator oder Krücken – erleichtert. Eine Herausforderung für Rollstuhlfahrer sei auch das alte Kopfsteinpflaster in der Schlossstraße, so Martha Eichinger, die seit 13 Jahren auf den Elektrorollstuhl angewiesen ist und täglich mit so manchen Problemen konfrontiert ist. Da würde beispielsweise ein geteerter Streifen Abhilfe schaffen.

Beim Eingang zur Metzgerei ist der Bürgersteig zu hoch, am Friedhof ist ein Schotterweg, der mit dem Rollstuhl nicht zu bewältigen ist. Ansonsten gilt es zum Beispiel bei der Behindertentoilette im Bürgerhaus einen zusätzlichen Bügel an der Tür innen oder einen größeren Schließknopf für die Tür anzubringen.

Barrierefreiheit und Inklusion in Wörth

  • Stammtisch:

    Edeltraud Forster ist Behindertenbeauftragte der Stadt und organisiert einmal im Monat einen Inklusions-Stammtisch, an dem regelmäßig sechs bis sieben Leute teilnehmen.

  • Senioren:

    Auch für ältere Mitbürger ist Barrierefreiheit oft ein Thema. Um ihre Interessen kümmert sich vor allem Horst Seppenhauser. Er ist Seniorenbeauftragten der Stadt Wörth.

  • Familien:

    Auch für Eltern mit Kinderwagen werden lange Treppen und hohe Gehsteigkanten schnell zum Problem. Auch für sie gibt es Angebote von Seiten der Stadt. Das Projekt „Welcome“ hilft etwa bei der Babybetreuung. Auch der Familienstützpunkt, eine Jugendbeauftragte sowie die Nachbarschaftshilfe versuchen, den Familien in der Stadt das Leben zu erleichtern.

  • Info:

    Bei Fragen oder Problemen zu oder mit den Angeboten hilft das Bürgerbüro weiter. (llt)

Hindernisse gibt es überall

Ein elektrischer Türöffner wäre am Eingang zur Pfarrkirche und zum Bürgerbüro von Vorteil, ein Hinweisschild an der Kirche über die Inklusionsschleife und eine mobile Rampe für die Bühne im Bürgerhaus wurden angeregt. Thematisiert wurde außerdem ein Sitzplan im Bürgerhaus, bei dem bei Veranstaltungen Plätze für Menschen mit Einschränkungen gekennzeichnet werden könnten, damit die Einsatzkräfte im Notfall sofort Bescheid wüssten.

Ein Vorteil wäre es allgemein, bevor irgendwo etwas renoviert, saniert oder neu gebaut werde, zunächst mit den Betroffenen zu reden und gegebenenfalls das ein oder andere zu berücksichtigen, so der Konsens aller Beteiligten bei der Abschlussbesprechung im Gasthaus Geier.

Petra Haselbeck zeigte sich im Großen und Ganzen zufrieden, für örtliche Gegebenheiten müsse ein Kompromiss gefunden werden und Wörth sei auf einen guten Weg, Inklusion zu leben. Am wichtigsten sei es, die Menschen für diese Themen zu sensibilisieren, davon profitierten dann letztendlich alle.

Weitere Berichte aus dem Landkreis lesen Sie hier

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht