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Wörther Familie trotzt den großen Betrieben

Das Wörther Unternehmen hält im Konkurrenzkampf wacker mit. Die gebrannten Steine werden bis Südtirol geliefert.
von walter schiessl, mz

wörth. Franz Senft (85) hat die Wörther Ziegelei kurz nach dem Krieg gegründet. Seit 63 Jahren kämpft sein Unternehmen gegen die Großen der Branche, von denen in den letzten Jahren schon einige das Handtuch geworfen haben. Geblieben aber ist der Betrieb im Wörther Osten, der sich wacker hält und aufgrund seiner Flexibilität nach wie vor besondere Aufträge erhält. „Mit unseren Ziegeln wurden das Prinz-Carl-Palais in München und der Beratzhausener Zehentstadel bestückt“, freut sich der Senior des Unternehmens. Besonders die Denkmalschützer empfehlen den Wörther Hersteller für dessen Produkte.

Schon 1993 hat Franz Senft die Ziegelei, in der die Töchter Brigitte Delp und Christa Steger und der weitschichtig verwandte Franz Laumer mitarbeiten, an seinen Sohn, der natürlich ebenfalls Franz heißt, übergeben. Der heute 57-Jährige ist eigentlich ein studierter Architekt, der aber schon als kleiner Junge in Papas Zieglei mitgeholfen hat. „Ich hätte mir nie vorstellen können, etwas anderes zu machen“, lacht Franz Senft junior. Die Ziegel seien eben sein Leben.

Eine Woche im Ofen

Er weiß ebenso genau wie sein Vater, wie man den Lehm für die Fertigung der Ziegel zu behandeln hat. „Nicht zu nass und auch nicht zu trocken muss er sein“, sagt der Chef und führt die schweren Maschinen, mit denen der Lehm gequetscht wird, vor. Die Steine werden später aus einem „Teig“ gepresst, geschnitten und getrocknet, ehe die Fahrt auf dem Schamott-Wagen in den 80 Meter langen Ofen ansteht. Fast eine Woche lang bleiben die Ziegel, die langsam auf Temperatur gebracht werden und dann auch wieder langsam abkühlen, in dem Tunnel, in dessen Mitte bis auf fast 1000 Grad erhitzt.

Natürlich gibt es jede Menge von Steinen, die die Senft‘sche Ziegelei in den Sommermonaten herstellt. Sie sind u-förmig, mit Löchern durchzogen oder nur glatt. „Fertigen kann man viel“, sagt der Seniorchef trocken und zeigt auf die Auslassstücke, von denen die Senfts an die 50 haben. Diese sind äußert wichtig, werden handgefertigt und kosten bis zu 15 000 Euro. „Die einfacheren machen wir selbst, die komplizierten werden in einer Firma am Bodensee gemacht“, fügt der Chef an.

„A Riesen-Freud‘“

Die Wörther Ziegel werden inzwischen weitum transportiert. Freilich ist es den Betreibern lieber, wenn die Kundschaft nahe an Wörth lebt, denn das spart Benzin- und Zeitkosten, aber es kommt schon mal vor, dass Steine bis nach Südtirol gefahren werden. Die Ziegel, die in die Zimmerdecken kommen, mache fast keiner der großen Betriebe mehr. „Das ist eines unserer Nischen-Produkte“, erzählt Franz Senft jun. Auf solche Nischen hat sich das Familienunternehmen längst spezialisiert, Kunden aus dem weiten Umkreis bestellen denn ihre Steine auch in der Wörther Firma.

So war es auch, als in München das Prinz-Carls-Palais saniert wurde. Der ganze Bodenbelag wurde mit den Wörther Ziegelplatten bestückt. Wenn heute dort der bayerische Ministerpräsident Gäste aus aller Herren Länder empfängt, dann bewegt sich die ganze Gesellschaft auf Steinen, die von Franz Senft hergestellt wurden. Das sei schon etwas ganz Besonderes, wissen Vater und Sohn, die schon stolz darauf sind, das Unternehmen durch schwere Zeiten gehievt zu haben.

Die Senft‘schen Steine werden auf Bestellung und auf Vorrat produziert. Senior-Chef Franz Senft, der unlängst mit der Wörther Bürgermedaille ausgezichnet wurde, lacht verschmitzt, wenn er auf die Konkurrenzsituation angesprochen wird. Da wird ab und zu sogar mal bei Lieferfahrten ein Umweg vorbei an einer großen Ziegelei in Kauf genommen, um den Chefs dieser Firma zu zeigen, man sei noch da. „Da hab‘ ich immer a Riesen-Freud“, grinst der 85-Jährige.

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