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Geschichte

„Wunder der Integration“

Rinderspacher eröffnet Ausstellung der Seliger-Gemeinde im historischen Schloss Eggmühl. Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie.

Markus Rinderspacher Foto: Auer

Eggmühl. In Bayern gab es nicht nur ein Wirtschaftswunder. Davon ist Markus Rinderspacher überzeugt. „In Bayern gab es auch das Wunder der Integration“, verkündete der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion bei der Eröffnung der Ausstellung der Seliger-Gemeinde zur Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie im BRK-Altenheim Schloss Eggmühl.

Bayern, „ein durch Krieg ausgelaugtes Land“, habe über zwei Millionen Vertriebene und Flüchtlinge mit Nahrung, Wohnung und Arbeit versorgt und ihnen schließlich eine neue Heimat gegeben, würdigte Rinderspacher diese „gewaltige Herausforderung an Politik und Gesellschaft“.

Kommunalpolitik beeinflusst

Auch Bayern habe den Sudetendeutschen viel zu verdanken, betonte er. Auch der Wiederaufbau der SPD nach dem Krieg und ihre Leistungen in der Kommunalpolitik seien vielerorts ganz wesentlich vom Engagement der Vertriebenen beeinflusst worden.

Die Ausstellung erzähle eine große Geschichte der sudetendeutschen Sozialdemokratie, auf die man stolz sein dürfe. Markus Rinderspacher schilderte in bewegenden Worten ihren Kampf um das Selbstbestimmungsrecht in der tschechoslowakischen Republik zwischen 1919 und 1938 und die Zeit der Verfolgung durch die Nazi-Diktatur. Über 30000 sudetendeutsche Sozialdemokraten seien in die Konzentrationslager gekommen, Tausende dort ermordet und mehr als 5000 ins Exil getrieben worden.

Umso bitterer sei für sie nach 1945 der Verlust der geliebten Heimat gewesen. Der Fraktionsvorsitzende erinnerte an die großen Verdienste von sudetendeutschen Sozialdemokraten für Bayern, für die Integration der Vertriebenen und für die Einheit Europas in Frieden und Völkerverständigung.

Zu ihnen zählten Wenzel Jaksch, Volkmar Gabert und Peter Glotz. Aber auch der sozialdemokratische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner blieb nicht unerwähnt. Sein Flüchtlingsgesetz habe die Grundlage für die Integration von Millionen Menschen nach 1945 geschaffen. Er habe die sudetendeutschen Mitbürger zum vierten Stamm Bayerns ernannt. Markus Rinderspacher abschließend: „Die Sudetendeutschen haben immer gewusst, welche Bedeutung die Verständigung zwischen den Völkern hat. “

Zahlreiche Vertreter des SPD-Arbeitskreises Labertal und der SPD der Region Regensburg, darunter auch die Landtagsabgeordnete Margit Wild, der stellvertretende Landrat Josef Weitzer, der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende der AG 60plus, Gerhard Kulig, und die Landshuter SPD-Kreis- und Fraktionsvorsitzende Ruth Müller, waren gekommen.

Weitzer betonte die Aufbauleistung der Vertriebenen im Landkreis Regensburg. Wild sah in ihrem Grußwort die Seliger-Gemeinde als politische Gesinnungsgemeinschaft, die als Brückenbauerin zwischen den beiden Nationen große Anerkennung finde. Sie freute sich daher über die diesjährige Verleihung des Karlspreises durch die Sudetendeutsche Landsmannschaft an den sudetendeutschen Sozialdemokraten Max Mannheimer.

Sozialistischer Aufschwung

Die SPD-Landtagsabgeordnete zitierte aus einem alten Parteibuch der sudetendeutschen Sozialdemokratie: „Die vierte Pflicht ist Treue und Bekenntnis. Bedenke, dass in Zeiten allgemeinen sozialistischen Aufschwungs wenig dazugehört, Mitglied der Partei zu sein, dass sich nur in Tagen schwerster Kämpfe deine Treue bewähren kann. Deine Treue und dein Bekenntnis sind ein großes sittliches Gut für dich und die Partei.“

Karl Garscha vom Bundesvorstand der Seliger-Gemeinde gab in seinem Beitrag einen Überblick über die Ausstellung von den Anfängen der sudetendeutschen Sozialdemokratie 1863 im österreichischen Kaiserreich bis in die Gegenwart.

Die Ausstellung „Sudetendeutsche Sozialdemokratie“ ist bis zum 8. Juli im Schloss Eggmühl zu Gast und wandert dann am 11. Juli nach Regensburg ins Evangelische Bildungswerk.

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