MyMz
Anzeige

Gewässerschutz

Zoff um Fische und einen Weiher

In Fischbach hat das Landratsamt den Weiher renaturieren lassen. Die Fischer zeigen sich damit nicht einverstanden.
Von Andrea Leopold

So sieht der Dorfweiher nach der erfolgreichen Belebung durch Ausbaggern des Schlamms aus: ein Biotop, das sich nun erholen kann. Foto: Andrea Leopold
So sieht der Dorfweiher nach der erfolgreichen Belebung durch Ausbaggern des Schlamms aus: ein Biotop, das sich nun erholen kann. Foto: Andrea Leopold

Fischbach.Große Aufregung vorige Woche am Dorfweiher in Fischbach: Ein Bagger fuhr heran und begann im Auftrag der Gemeinde den Weiher von Schlamm zu befreien. Dies störte nach dem Empfinden des zufällig hinzugekommenen Fischers Christian Lotter empfindlich die Ruhe am Weiher – und vor allem das Überleben der Fische und Kaulquappen dort. Er protestierte gegen die Maßnahme. Als er angekommen war, gab es aus seiner Sicht nur mehr zwei Wasserlöcher, in denen die Fische kaum noch Platz zum Schwimmen hatten. Er mobilisierte deshalb Fischer und Feuerwehr zur Entnahme der Fische und überführte diese in die Naab.

Josef Schütz vom Landschaftpflegeverband des Landratsamtes Regensburg sieht auf unsere Anfrage die Sache ganz anders: Die Landschaftspflege mit dem Wasserentwicklungsplan sehe vor, dass im Rahmen der Gewässerpflege der stark entlandete Weiher in Fischbach vor dem Umkippen bewahrt werden sollte. Dieser sei, so Schütz, in den 80-er Jahren im Rahmen der Flurbereinigung entstanden. Mittlerweile war dieser aber schon so stark mit Schilfgras zugewachsen, dass er sicher bald verschwunden wäre, sagen Beobachter. Zudem mussten dringend die unterirdischen Quellen von Schlamm befreit werden, die den Weiher von unten gespeist hatten. Diese Quellen waren mit Schlamm bedeckt und verstopft.

Diskussion um richtigen Zeitpunkt

Christian Lotter, Mitglied des Fischereivereins Burglengenfeld, sagt, dass die Maßnahme „dringend nötig“ war – jedoch aus seiner Sicht zu einem ganz unglücklichen Zeitpunkt. Solche Maßnahmen seien nur im Herbst oder Winter durchzuführen, jedenfalls zu einer Zeit, wenn alle Kaulquappen geschlüpft seien. Er sah auch das Leben der Fische gefährdet – durch den niedrigen Wasserstand bei der Maßnahme und das Baggern zur Fischlaichzeit.

Dazu sagt Gewässerschutzbeauftragter Schütz: „Von Mitte August bis Ende November dürfen wir aus fachlicher Sicht in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde Gewässer reinigen.“ Man hätte die Fische „unbedingt drin lassen sollen“. Schütz: „Es geht gar nicht, was die Fischer da gemacht haben.“ Und: „Mindestens 20 Prozent der Fische sind durch das Umsetzen kaputt gegangen. Sonst wäre gar nichts passiert. Die hätten das locker ausgehalten.“ Bei Beginn habe es „gewurlt von Fröschen.“ Also sei die Laichzeit bereits vorbei, so Schütz.

„Es geht gar nicht, was die Fischer da gemacht haben.“

Gewässerschutzbeauftragter Josef Schütz

Schütz berichtete auf Nachfrage der Mittelbayerischen, dass der Markt Kallmünz als Eigentümer der Auftraggeber der Maßnahme sei, was Bürgermeister Ulrich Brey mit dem Bürgerwillen begründete. Der Landschaftspflegeverband habe deshalb auch 30 Prozent der Maßnahme bezahlt. Der Teich sei zwar weit abgesenkt worden, aber für die Fische sei genügend Wasser noch da gewesen.

Stefan Link vom Bund Naturschutz, welcher die Maßnahme auf Bitte der Gemeinde begleitet hatte, sagt, dass sobald die Quellen von Schlamm befreit waren, sogleich frisches Wasser nachgeströmt sei: „Je mehr Schlamm draußen war, desto schneller ist von unten der Wasserstrahl stärker nachgekommen.“ Der Baggerführer sei ein sehr versierter Mann gewesen – und am Morgen sei Josef Schütz auch da gewesen, um die Aktion einzuleiten. Stefan Link teilte auf Nachfrage der Mittelbayerischen mit, dass er „verunsichert“ worden sei, als die Fischer so massiv aufgetreten seien: „Am Montagabend waren zehn bis 15 Mann da, einer gescheiter als der andere.“ Er hätte sich unwohl gefühlt, da hier sehr unterschwellig aggressiv gegen ihn vorgegangen worden sei. Ihm sei gesagt worden, er „stehe hier blöd herum“. Dann hätten die Fischer ihm eine Hose gegeben und ihn aufgefordert, bei der Entnahme der Fische mitzuhelfen.

Dieser Aufforderung sei Link dann auch nachgekommen. Er jedoch habe die Maßnahme weder veranlasst noch gewusst, ob alles richtig sei. Im Nachhinein glaube er jedoch, dass es gut abgelaufen sei, da die Quellen sprudeln und der Teich wieder mit Wasser gefüllt sei. Link: „Es war ziemlicher Unsinn, ein Aufruhr für nix!“ Und es sei kontraproduktiv gewesen, konstatiert er im Nachgang. Es wären sich dann ja alle einig gewesen, dass die Maßnahme notwendig war.

„Zu spät zum Entnehmen“

Die Fischer machten sich Sorgen um den niedrigen Wasserstand. Sie setzten die Fische deshalb in die Naab ein. Foto: Christian Lotter
Die Fischer machten sich Sorgen um den niedrigen Wasserstand. Sie setzten die Fische deshalb in die Naab ein. Foto: Christian Lotter

Die Fische im Teich seien bei der Aktion „putzmunter“ gewesen. Er wusste zu berichten, dass nach dem Wasserentwicklungsplan die Gräben im Umfeld biologisch aufgewertet werden sollen und in Verbindung zur Naab auch der Bach neben der Straße ausgebaggert würde. Leider sei aus seiner Sicht zu spät kommuniziert worden. Er sei von Bürgermeister Brey gebeten worden, „sich darum zu kümmern“. Leider habe er nicht mitgeteilt bekommen, was genau gemacht würde. Er habe deshalb drei Tage vorher den Fischervereinsvorsitzenden Hermann Luba gefragt, was mit den Fischen geschehen solle. Dieser meinte, es sei „zu spät zum Entnehmen“.

Auf Nachfrage bei Luba, ob die Aktion der Herausnahme fachlich richtig gewesen sei, meinte er, die Fische und das Wasser sollten wohl drinbleiben. Es ginge auch ohne Abpumpen mit einfachem Ausbaggern. Luba: „Wegen möglichen Krankheiten, also Parasiten oder Pilzen, kann man die Fische weder verspeisen noch in die Naab einsetzen.“ Über die Teichwirtschaft müsse erst geprüft werden, ob die Fische Krankheiten haben. Es stünde ihnen auch nicht zu, Fische zu entnehmen und woanders einzusetzen. Luba berichtete, dass es eine gängige Praxis sei, Gewässer auszubaggern, ohne die Fische zu entnehmen. Stefan Link vom Bund Naturschutz wünsche sich eine bessere Kommunikation im Vorfeld zwischen den beteiligten Behörden. „Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass man sich nicht zuhört.“

Weitere Nachrichten und Berichte aus dem Landkreis Regensburg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht