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Politik

Zoff wegen Wörther Bereitschaftspraxis

Die Ärztevereinigung lehnt eine solche Einrichtung an der Kreisklinik bisher ab. Die CSU fordert Schritte des Landkreises.
Von Walter Schiessl und Heiner Stöcker

Die Einrichtung einer Bereitschaftspraxis könnte nach Auffassung der CSU den Krankenhausstandort Wörth langfristig sichern. Foto: Archiv-Schiessl
Die Einrichtung einer Bereitschaftspraxis könnte nach Auffassung der CSU den Krankenhausstandort Wörth langfristig sichern. Foto: Archiv-Schiessl

Wörth.Bei der Behandlung von zwei Anfragen der CSU-Fraktion zur abgelehnten Bereitschaftspraxis an der Kreisklinik und zum Annahmestopp des Müllzweckverbands Schwandorf gerieten die Meinungen bei der gestrigen Kreistagssitzung aneinander. Während die CSU von einer Notwendigkeit sprach, diese Themen an die Öffentlichkeit zu bringen, wies FW-Fraktionschef Harald Stadler dies als wenig sinnvoll zurück. Zuvor hatten sich bei der Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet in Sinzing ebenfalls Kontroversen zwischen Grünen und ÖDP auf der einen Seite und den anderen Parteien im Gegenpart ergeben.

Erstmals hatte Landrätin Tanja Schweiger eine Kreistagssitzung im Wörther Bürgerhaus anberaumt. Im Vorfeld des anschließend folgenden Fests mit der Verleihung des Altlandrats-Titels an Herbert Mirbeth standen die Herausnahme von Flächen für Sinzing, Sulzbach, Altenthann und Beratzhausen auf der Tagesordnung. Während es beim Vorhaben in der Stadtrandgemeinde Sinzing, wo auf 3300 Quadratmetern nahe der Autobahn eine Photovoltaikanlage entstehen soll, keine Einwendungen gab, entstand bei einer weiteren Fläche in Altenthann eine Diskussion darüber, ob man Themen, die durch Fridays for Future hervorgerufen wurden, einfach im Landkreis ignorieren könne. „Wir können doch nicht die Hinterzimmerpolitik der CSU weiter unterstützen“, monierte Maria Scharfenberg von den Grünen. Man dürfe doch nicht an der Peripherie der Gemeinde ein Wohngebiet errichten, wenn es im Zentrum noch freie Flächen gebe. Mit der Ausnahme von fünf Gegenstimmen (Grüne/ÖDP) schlossen sich alle Kreisräte der Meinung von Landrätin Tanja Schweiger (FW) an, wonach der Landkreis die Entwicklung der Gemeinden nicht behindern wolle. Ein weiterer Antrag, auf die Herausnahme eines Gebietes bei Sulzbach war vom Markt Donaustauf wieder zurückgezogen worden. Er soll aber neu gestellt werden.

Krisenmanagement nicht gut

Grünes Licht“ gab es dann auch für die Herausnahme einer Fläche bei Beratzhausen, auf der ein Vollsortimenter zur Nahversorgung mit einem großen Parkplatz davor entstehen solle. Allerdings trafen hier unterschiedliche Meinungen der CSU, SPD und FW sowie von Grünen und ÖDP zutage. Während die beiden Öko-Parteien darauf verwiesen, dass irgendwann ein Umdenken stattfinden müsse und auch noch Unterlagen fehlten, erinnerten Heinz Kiechle, Erich Dollinger und Konrad Maier, Beratzhausens Bürgermeister (alle CSU), daran, dass die Alternative auf dem Wiendl-Gelände nicht zur Verfügung stehe. Hans Jurgowsky (FW) sprach sich dafür aus, die Entwicklung der Gemeinde nicht zu beeinträchtigen. Erst vor über einer Woche hatte es einen Bürgerentscheid gegeben, in dem sich 76 Prozent für die Bebauung des Areals ausgesprochen hatten. Neun Kreisräte votierten aber dagegen.

Zwei Anfragen, gestellt von der CSU-Fraktion, ließen dann die Emotionen etwas hochkochen. So wollte Josef Karl von der Landrätin wissen, ob es stimme, dass es in der Müllverbrennungsanlage Schwandorf Engpässe und einen Anlieferstopp für gewerblichen Müll gegeben habe und ob Kapazitätsbegrenzungen für Hausmüll drohten. Andreas Hügel, der Sachgebietsleiter für Abfallwirtschaft im Landratsamt, konnte Entwarnung für die Bevölkerung geben, denn im, nächsten Jahr werde eine Sperrmüllsortierungsanlage in Betrieb gehen, die den Müll weiter verringere, aber grundsätzlich sei es so, dass die Schwandorfer Anlage gut ausgelastet sei. „Unsere Bevölkerung bringt aber schon jetzt weniger Müll als der Oberpfälzer und der bayerische Durchschnitt auf“, konstatierte die Landrätin. Harald Stadler seitens der Freien Wähler kritisierte die CSU, die sich ja bei ihrem Zweckverbandsmitglied Erich Dollinger jederzeit hätte über die Thematik informieren können, was aber offenbar nicht geschehen sei. Dollinger wiederum räumte ein, dass das Krisenmanagement des Zweckverbandes nicht gut gewesen sei. Eine weitere CSU-Anfrage war wegen der bisherigen Ablehnung einer Bereitschaftspraxis an der Wörther Kreisklinik durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) an die Landrätin gerichtet worden. Solche Einrichtungen wurden in zwei Regensburger Krankenhäusern und der Kelheimer Klinik erlaubt, nicht aber in Wörth.

„Die Zeit drängt“

Tanja Schweiger und Krankenhausdirektor Martin Rederer teilten mit, dass die zweijährige Erprobungsphase im April 2020 auslaufe. Sylvia Stierstorfer sagte, sie sei von Anfang an gegen die KVB-Pläne gewesen, jetzt müsse man die zugrunde gelegten Zahlen überdenken, so seien Urteile ohne Kenntnisse gefällt worden. „Die Zeit drängt“, sagte sie. Dr. Gerhard Bawidamann forderte dazu auf, der Einrichtung einer Bereitschaftspraxis in Wörth Nachdruck zu verleihen, sie sei letztendlich auch ein Garant für den Erhalt der Kreisklinik auf lange Sicht.

Nachdem Harald Stadler auch diese Anfrage für nicht an die richtige Adresse gerichtet hielt, denn Landrätin Tanja Schweiger und Martin Rederer seien mit der Thematik bestens vertraut, gab es Empörung aufseiten der CSU.

Eine Bereitschaftspraxis müsste an der Kreisklinik angesiedelt sein und nach der ersten Behandlung müsse entschieden werden, ob der Patient in die Notaufnahme komme oder vom Bereitschaftsarzt behandelt werde.

Eine Notaufnahme: gibt es in Wörth natürlich. „Unsere Ärzte und unser Personal sind 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr für die Patienten da. Jeder kann zu uns kommen“, sagte Landrätin Tanja Schweiger.

Bürgerentscheid

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