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Aktion

Zum Wohle der Artenvielfalt

„Werden Sie Pate von Blühflächen!“ Dazu hatte Bauer Andreas Adlhoch im Frühjahr eingeladen. Die Resonanz darauf war groß.
Von Resi Beiderbeck

Andreas Adlhoch lud die Blüh-Paten ein, bei einem Sommerspaziergang ihren Beitrag für eine intakte Umwelt persönlich zu begutachten. Foto: Beiderbeck
Andreas Adlhoch lud die Blüh-Paten ein, bei einem Sommerspaziergang ihren Beitrag für eine intakte Umwelt persönlich zu begutachten. Foto: Beiderbeck

Brennberg.Für 50 Euro je 100 Quadratmeter konnte sich jeder aktiv am Artenschutz beteiligen und damit Blüh-Pate werden. „Und aus jeder Patenschaft mache ich freiwillig zwei“, so lautete das Versprechen, die Fläche auf eigene Rechnung zu verdoppeln. „Große Hoffnungen habe ich mir nicht gemacht“, erinnert sich Landwirt Andreas Adlhoch, denn Berufskollegen, die ebenfalls eine solche Kampagne gestartet hatten, berichteten ihm von null Resonanz. In Wernetsgrub dagegen meldeten sich 22 Familien und machten mit.

Wo vorher Kleegras stand, säte Andreas Adlhoch am 15. Mai Blumenmischungen – relativ spät, weil er wollte, dass alles „hintenraus“ möglichst lange blüht, und zwar bis in den Herbst hinein.

7520 Quadratmeter Fläche

Dass diese seit dem 15. Jahrhundert in Bayern beheimatete Blume blau blüht, weiß jeder. „Dass es aber auch Kornblumen mit weißen und rosaroten Blüten gibt, finde ich faszinierend“, so Landwirt Andreas Adlhoch. Foto: Beiderbeck
Dass diese seit dem 15. Jahrhundert in Bayern beheimatete Blume blau blüht, weiß jeder. „Dass es aber auch Kornblumen mit weißen und rosaroten Blüten gibt, finde ich faszinierend“, so Landwirt Andreas Adlhoch. Foto: Beiderbeck

„Die Brennberger Insekten bedanken sich für die Schaffung von 7520 Quadratmeter Nahrungs- und Lebensraum“ ist nun auf einem großen Transparent direkt am Feld zu lesen. Darunter sind die Namen sämtlicher Unterstützer aufgelistet. Eine Schautafel informiert darüber, was hier alles blüht. Klatschmohn und Sonnenblume, Ölrettich, Boretsch, Leindotter, Wilde Möhre, Luzerne, Flockenblume, Natternkopf und sechs verschiedene Kleesorten ergeben ein sanft im Wind wogendes, duftendes, in herrlichen Farben leuchtendes Bild. So war das jetzt wochenlang, aber nun, beim Treffen der Blühflächen-Paten, regnete es.

„Die Brennberger Insekten bedanken sich für die Schaffung von 7520 Quadratmeter Nahrungs- und Lebensraum.“

Das ist keineswegs bedauerlich, im Gegenteil: „Alles, was wir angebaut haben, hat dringend auf Regen gewartet – und das gilt auch für die Blühflächen hier“, erklärt der Landwirt. „Zwölf Liter Regen waren es heute – immerhin.“

Die Sonnenblume ist mit einem reichen Pollen- und Nektarangebot eine gute Bienenweide. Foto: Beiderbeck
Die Sonnenblume ist mit einem reichen Pollen- und Nektarangebot eine gute Bienenweide. Foto: Beiderbeck

Ausführlich informiert er seine Mitstreiter nun darüber, was er hier ausgesät hat. So sei die „regionale Mischung“, die hauptsächlich Kräuter enthält, ziemlich erfolglos gewesen, während die ganz normale, einjährige sogenannte „Tübinger Mischung“ bestens gedeiht. „Natürlich is net alles aufganga, aber des is halt so.“

Die Kulturmalve ist anspruchslos, tief wurzelnd und mineralstoffreich. Ihre Blütezeit dauert bis in den Spätherbst. Foto: Beiderbeck
Die Kulturmalve ist anspruchslos, tief wurzelnd und mineralstoffreich. Ihre Blütezeit dauert bis in den Spätherbst. Foto: Beiderbeck

Mit zufriedenem Summen und Brummen machen sich die Bewohner bemerkbar, die zwischen Ringelblume, Buchweizen und Wegwarte tummeln. Dass heute weniger Insekten herumfliegen als an trockenen Tagen versteht sich von selbst. Trotzdem sind viele von ihnen aktiv. Bis 15. März bleiben die Blühflächen unbeeinflusst stehen, denn viele Arten überleben den Winter gemütlich eingenistet in den Stängeln. Ende März wird dann entweder gemulcht oder die Pflanzen werden eingegrubbert. Danach wird wieder ganz normal Getreide angebaut.

Für intakte Strukturen sorgen

Die Phacelia kennt man auch unter dem Namen „Büschelschön“. Als prima Bienenweide bekam sie den Namen „Bienenfreund“. Foto: Beiderbeck
Die Phacelia kennt man auch unter dem Namen „Büschelschön“. Als prima Bienenweide bekam sie den Namen „Bienenfreund“. Foto: Beiderbeck

Bürgermeisterin Irmgard Sauerer zeigte sich begeistert darüber, dass sich ein junger Landwirt in positiver Weise der Thematik stellt und die Biodiversität unterstützt. Es bringe ja nichts, wenn Bürger auf die Landwirte schimpfen und wenn umgekehrt Bauern die Kiesvorgärten von Privatleuten anprangern. Nur mit gegenseitigem Verständnis und dem Willen, dazu zu lernen, komme man weiter. Menschen, die keinen eigenen Grundbesitz haben, können mit Blühflächen-Patenschaften ebenfalls aktiv werden zum Wohle der Artenvielfalt, zugleich die Landwirte unterstützen und über die Arbeit der Bauern mehr erfahren. „Sie sind es ja, denen wir hier bei uns im Vorwald kleinteilige Landbewirtschaftung und intakte Strukturen verdanken.“

„Aus jeder Patenschaft machen wir freiwillig zwei, denn die unerwartet große Resonanz freut mich unbandig.“

Landwirt Andreas Adlhoch

„Ich würde da gerne auch nächstes Jahr wieder mitmachen“, kamen gleich Wortmeldungen von überzeugten Naturfreunden. Das Wernetsgruber Artenschutzprojekt geht also in die nächste Runde, dann auf einer anderen Fläche – und es gilt auch 2020 das Versprechen des Landwirts: „Aus jeder Patenschaft machen wir freiwillig zwei, denn die unerwartet große Resonanz freut mich unbandig.“

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