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Verkehr

Stadtbahn soll ins Land führen

Regensburg plant bisher nur auf eigenem Gebiet – wegen der Förderung. Kreisräte wollen, dass großräumiger gedacht wird.
Von Christof Seidl

Eine Expertenstudie favorisiert eine moderne Stadtbahn für Regensburg. Als förderfähig gelten aber nur zwei Linien im Stadtbereich. Verlängerungen in den Landkreis sind bisher kein Thema.  Symbolfoto: Komobile
Eine Expertenstudie favorisiert eine moderne Stadtbahn für Regensburg. Als förderfähig gelten aber nur zwei Linien im Stadtbereich. Verlängerungen in den Landkreis sind bisher kein Thema. Symbolfoto: Komobile

Regensburg.Das Themenspektrum hätte vermutlich gereicht, um bis in die frühen Morgenstunden zu diskutieren. Die Planungs- und Baureferentin der Stadt Regensburg, Christine Schimpfermann, hatte im Wirtschaftsausschuss des Landkreises in Sachen Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) viel zu sagen – und wurde mit ebenso vielen Fragen konfrontiert. Das konkrete Thema waren die Stadtbahnpläne, die Schimpfermann dem Gremium an Donnerstagabend vorstellte.

Ein von der Stadt beauftragtes Gutachten empfiehlt eine Straßenbahn mit zwei Linien, die zwischen Stadtnorden und -süden verkehren. Nur dort werde die Schwelle der Förderfähigkeit erreicht, sagte die Planungsreferentin. Und: Bei diesen ersten Untersuchungen geht es nur um standardisierte Linien und noch nicht um Trassen. Schimpfermann räumte ein, es sei möglich, dass die Rentabilität der beiden Linien bei einer konkreten Planung unter die Förderschwelle sinkt.

Thomas Gabler (CSU) kritisiert: „Die RVV- Busse stehen im Stau, die Schiene ist voll und eine Donau-Brücke fehlt.“ Foto: Beate Popp
Thomas Gabler (CSU) kritisiert: „Die RVV- Busse stehen im Stau, die Schiene ist voll und eine Donau-Brücke fehlt.“ Foto: Beate Popp

Würde das Zwei-Linien-Konzept umgesetzt werden, wären Burgweinting und Wutzlhofen die äußersten Umstiegspunkte für den ÖPNV aus dem Landkreis. Das ist den Kreisräten zu wenig. Sie stellen sich eine Stadtbahn bis Neutraubling oder Regenstauf vor. Nur dann sei eine echte Entlastung des Individualverkehrs wahrscheinlich. Die CSU-Fraktion im Kreistag hatte für die Ausschusssitzung sogar einen Antrag formuliert, der eine Ausweitung der Stadtbahn-Untersuchung auf den Landkreis fordert.

„Wir sind mit dabei“

Thomas Gabler (CSU) befürchtete, dass der Landkreis bei den ÖPNV-Planungen der Stadt nicht mitreden könne. Dem widersprach Landrätin Tanja Schweiger (FW): „Wir sind mit dabei.“ Der Landkreis sitze in den RVV-Gremien, über die die ÖPNV-Planungen laufen, mit am Tisch. Harald Stadler (FW) kritisierte die Fördervoraussetzungen für eine Stadtbahn. Diese seien derzeit so gestaltet, dass nur Ballungsräume davon profitieren könnten. Schimpfermann erklärte, dass man erst an den Stellschrauben der Förderung drehen müsse, bevor auch Landkreisbereiche eine Chance auf einen Stadtbahnanschluss hätten. Sie hofft, dass der Bundestag den ÖPNV künftig stärker unterstützen wird.

Edwin Schicker (Grüne) meint: „Ich träume bereits von fünf S-Bahnlinien vom Landkreis in die Stadt.“ Foto: Theresia Luft
Edwin Schicker (Grüne) meint: „Ich träume bereits von fünf S-Bahnlinien vom Landkreis in die Stadt.“ Foto: Theresia Luft

Die Planungsreferentin hatte ihrerseits Wünsche an den Landkreis. Dort müssten Busse an Ampelanlagen eine Bevorrechtigung nutzen können, die die Ampelschaltung entsprechend ändert. In der Stadt sei dies bereits an allen relevanten Signalanlagen der Fall. RVV-Geschäftsführer Josef Weigl sagte dazu, dass es in Neutraubling bereits entsprechende Ampelanlagen gebe, bei Staats- und Bundesstraßen sei man mit den zuständigen Behörden im Gespräch.

Schimpfermann betonte in der Sitzung, dass man nicht auf die Realisierung einer Stadtbahn warten dürfe. Auf die Frage von Gabler nach dem Zeitrahmen antwortete sie: „Das kann Ihnen heute noch kein Mensch sagen. Wir reden hier bestimmt von mehr als zehn Jahren.“

Harald Stadler (FW) sagt: „Die Stadt Regensburg blockiert zwei große Projekte des Landkreises.“ Foto: Petra Schmid
Harald Stadler (FW) sagt: „Die Stadt Regensburg blockiert zwei große Projekte des Landkreises.“ Foto: Petra Schmid

Deshalb müssten Stadt und Landkreis schon jetzt gemeinsam die Alternativen zum Individualverkehr ausbauen. Dazu zähle eine verstärkte Werbung für den RVV ebenso wie zusätzliche Angebote und mehr Informationen für die RVV-Nutzer, ein gemeinsames Radweg-Konzept oder auch ein einheitliches Erscheinungsbild der Busse, die für den RVV fahren. Vieles davon sei freilich nicht schnell umsetzbar, sagte Schimpfermann: „Das ist ein langer Weg, auf den wir uns machen.“

Kneitinger Brücke war Thema

Damit stieß sie bei den Kreisräten zwar auf Zustimmung. Trotzdem gab es in der Sitzung deutliche Kritik an der Stadt. Harald Stadler sagte, die Stadt blockiere zwei der drei großen Projekte, die der Landkreis nach dem Verkehrsgutachten für den Großraum Regensburg von 2005 umsetzen sollte – die Sinzinger und die Kneitinger Brücke über die Donau. Er wollte wissen, ob die Stadt sachliche Gründe für die Ablehnung der Kneitinger Brücke habe, oder ob es hier nur um die Wünsche einiger weniger gehe. Schimpfermann entgegnete, dass es sehr wohl sachliche Argumente gebe. So zeige ein Gutachten, das der Landkreis 2011 anfertigen ließ, dass die (von der Stadt ebenfalls auf Eis gelegten) Parallelbrücken zur Pfaffensteiner Brücke mehr Verkehr aufnehmen könnten als die Kneitinger Lösung. Landrätin Schweiger ergänzte, dass mit der Stadt vereinbart sei, die Verkehrszahlen auf der Pfaffensteiner Brücke neu zu ermitteln, um eine aktuelle Entscheidungsgrundlage zu erhalten.

Die Planungsreferentin betonte, es mache keinen Sinn, auf alten Streitpunkten zu verharren. Sie befürworte ebenfalls eine weitere Donauquerung, aber eben nicht bei Kneiting. Sie und Schweiger kündigten eine Neuauflage des Verkehrsgutachtens von 2005 an. Darin soll dann auch die Brückensituation aktuell beleuchtet werden.

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