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Astronomie

Aliens sind ganz schön wahrscheinlich

Allein in unserer Milchstraße könnte es 100 Milliarden Planeten geben. Sollte wirklich nur die Erde bewohnt sein?

Künstlerische Darstellung: Planet Gliese 667 C, der möglicherweise Wasser beherbergt. Bild: ESO/L. Calçada
Künstlerische Darstellung: Planet Gliese 667 C, der möglicherweise Wasser beherbergt. Bild: ESO/L. Calçada

Paris.Die Stadt an der Seine im Jahr 1686: Nach dem Abendessen gehen Monsieur de Fontenelle und die Marquise de la Mesangire noch im Garten spazieren. Eine duftende Brise und ein wolkenloser Sternenhimmel laden zum Philosophieren ein. Man spricht über die neuesten astronomischen Erkenntnisse.

Schließlich ruft die Marquise aus: „Sie wollen mir sagen, dass die Sterne Sonnen sind? Unsere Sonne hat Planeten, die sie erleuchtet. Warum sollte dann nicht jeder Fixstern auch Planeten haben, die er erleuchtet?“ „Genau so ist es“, antwortet der galante Gelehrte Fontenelle, „und die Natur hat nicht gespart, sondern ihre Reichtümer überall verschwendet. All diese Welten sind bewohnt. Es wäre doch sehr merkwürdig, wenn nur unsere Welt bewohnt wäre, diese vielen anderen Welten jedoch nicht!“

Feurige Venusianer

Diese Szene entspringt dem Buch „Unterhaltungen über die Vielzahl der Welten“ von Bernard le Bovier de Fontenelle, ein Bestseller seiner Zeit. Es gibt in Form einer leichten Erzählung das Weltbild des Zeitalters der Aufklärung wieder: Das Universum ist unendlich groß, von einer unendlichen Anzahl von Sonnen und Planeten erfüllt und die Planeten beherbergen Pflanzen, Tiere und wahrscheinlich auch intelligente Bewohner.

Über deren Aussehen wollte man sich aber sicherheitshalber keine konkrete Vorstellung machen, doch allgemeine Charakterzüge ließen sich aus den Lebensbedingungen auf den Planeten ableiten. Die Venusianer zum Beispiel müssten aufgrund der Nähe der Venus zur Sonne „ein schwarzes Völkchen sein, von der Sonne verbrannt, voll Geist und Feuer und immer verliebt“. Auf dem Saturn dagegen, wo es kalt und dunkel ist, sind die Wesen eher träge, dumm und humorlos. Da können wir uns glücklich schätzen, dass unsere Erde in der gemäßigten Mitte liegt.

Von Leben und Planeten

  • Erde 2.0:

    Exoplaneten sind Planeten, die andere Sterne als unsere Sonne umkreisen. Sie sind zu weit entfernt, als dass sie mit der verfügbaren Technik direkt beobachtet werden können. Ihre Existenz kann beispielsweise durch eine Verdunklung des Muttersterns gemessen werden, sofern sie vor diesem vorbeiziehen.

  • Viele Kandidaten:

    Leben im Sonnensystem ist derzeit nur auf der Erde bekannt. Allerdings gibt es eine ganze Reihe weiterer Monde und Planeten, auf denen nicht intelligentes Leben für möglich gehalten wird oder in der Vergangenheit gelebt haben könnte. Dazu gehören die Monde Europa, Enceladus und Titan sowie früher der Mars.

  • Lebensgrundlage:

    Flüssiges Wasser wird momentan als die Grundvoraussetzung für Leben angesehen. Sowohl Wasser als auch Kohlenstoffverbindungen, die Bausteine des Lebens, sind im Universum in großen Mengen vorhanden. Es ist unklar, wie viele Exoplaneten tatsächlich flüssiges Wasser beherbergen.

  • Geheimnis:

    Die Entstehung des Lebens ist nicht im Detail verstanden. Zwar existieren viele Erkenntnisse, beispielsweise über die Entstehung von zellähnlichen Membranen oder RNA aus unbelebter Materie. RNA ist chemisch etwas einfacher aufgebaut als DNA und dient beispielsweise Viren als genetisches Erbgut.

Nicht nur Fontenelle vertrat solche Ansichten, sondern auch der im 17. Jahrhundert lebende niederländische Astronom Christiaan Huygens, der sich in seinem letzten Werk ausschließlich unseren außerirdischen Nachbarn widmete. Selbst der schärfste Denker der Aufklärung, der Philosoph Immanuel Kant, grübelte über die Unterschiede der Lebewesen auf dem Merkur und dem Jupiter.

Dieser Optimismus der Aufklärer, der ein unendlich großes und dicht bevölkertes Universum als selbstverständlich ansah, ist heute verlorengegangen. Damals waren die Gedanken über Außerirdische reine Spekulation, die Gelehrten betonten aber, das sei alles vernünftig begründet und auf wissenschaftlicher Grundlage. Wer heute von Außerirdischen spricht, wird schnell entweder in die Science-Fiction-Ecke geschoben oder im schlimmsten Fall als Spinner abgetan.

3000 Exoplaneten entdeckt

Jedoch sind die Überlegungen wieder aktuell, denn die Ausgangslage hat sich grundlegend geändert. Zwar wissen wir, dass es in unserem Sonnensystem kein weiteres intelligentes Leben gibt. Dafür haben die Astronomen mit verschiedenen Methoden bereits über 3000 sogenannte Exoplaneten entdeckt, die andere Sterne umkreisen. Schon bei unserem nächsten Nachbarstern Proxima Centauri findet sich eine Nachbarwelt.

Den Stern Trappist-1 umrunden sieben Planeten, die in Größe und Masse unserer Erde vergleichbar sind. Man geht heute davon aus, dass im Schnitt jeder Stern einen Planeten erleuchtet. Für unsere Milchstraße ergibt sich daher eine erstaunliche Schlussfolgerung: Wir können mit über 100 Milliarden Planeten in unserer Galaxis rechnen. Es wäre doch sehr merkwürdig, wenn die alle unbewohnt wären.

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