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Munitionsfund

Bombe entschärft, Granate gesprengt

Eine Granate wurde gesprengt und eine 500-Pfund-Bombe entschärft. Die Suche im Obertraublinger Baugebiet ist beendet.
Von Michael Jaumann, Sandra Adler und Simone Grebler

  • Die 500 Pfund schwere Bombe wird nun fachmännisch in ihre Bestandteile zerlegt. Foto: Tino Lex
  • Michael Weiß zeigt die Zünder. Foto: Michael Jaumann

Obertraubling.Rainer Sinn hat derzeit schwer zu tun. Als Vertreter für den im Krankenstand weilenden Bürgermeister Rudolf Graß ist Sinn nicht nur Verwaltungschef. Die letzten zwei Tage war der SPD-Politiker auch als Krisenmanager gefragt. Nach dem Fund einer Flakgranate und einer 500 Pfund-Bombe in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Kindergartens in der Anno-Santo-Siedlung musste Sinn die Evakuierung von 1800 Anwohnern, Arbeitskräften und Realschülern vorbereiten und war eng in die Zusammenarbeit von Polizei, Feuerwehren und Rettungskräften eingebunden.

Rettungskräfte transportierten Betroffen zur Schule. Foto: Michael Jaumann
Rettungskräfte transportierten Betroffen zur Schule. Foto: Michael Jaumann

Bis in die späte Nacht war Sinn am Montag im Einsatz und von Dienstag morgen an pendelte er zwischen Rathaus, Feuerwehrhaus als Sitz der Einsatzleitung und der Grundschule als Quartier für die Evakuierten hin und her.

700 Meter Sicherheitsradius

Rund um die Fundstelle der Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg im geplanten Neubaugebiet in der Anno-Santo-Siedlung war ab dem Dienstagmorgen ein Evakuierungsbereich mit einem Radius von 700 Metern eingerichtet worden. Gegen 9 Uhr begannen die Sicherheitskräfte, das Gebiet abzusperren.

Auch die Kirche lag im Sicherheitsbereich. Foto: Michael Jaumann
Auch die Kirche lag im Sicherheitsbereich. Foto: Michael Jaumann

Das Rathaus an der Hauptstraße lag knapp außerhalb des Sicherheitsbereichs. Dort war Verwaltungskraft Barbara Mullen bis in den späten Montagabend und am Dienstmorgen ab 7 Uhr am Telefon ununterbrochen im Einsatz, um besorgten Bürgern Auskunft zu geben, was sie beim Verlassen des Hauses mitnehmen sollten und was mit Haustieren passieren sollte. Mitarbeiter der Verwaltung transportierten mit Kleinbussen des Sportvereins zusammen mit Ehrenamtlichen der Sanitätsdienste Pflegebedürftige und andere Betroffene in Übergangsquartiere.

Sehen Sie hier mehr Bilder von der Evakuierung und Entschärfung:

Obertraubling: Bomben erfolgreich entschärft

Die Gemeinde hatte die Turnhalle der Hermann-Zierer-Schule als zentrales Übergangsquartier für Evakuierte bereitgestellt. Zwischen 30 und 40 Anwohner fanden sich dort ein und wurden von der BRK-Bereitschaft Regenstauf verköstigt. Gulaschsuppe und Putencurry mit Reis stand zur Auswahl.

Thomas Stetter in seiner Feldküche. Foto: Michael Jaumann
Thomas Stetter in seiner Feldküche. Foto: Michael Jaumann

Eigens einkaufen musste Koch Thomas Stetter am Dienstag dazu nicht. Die Zutaten waren beim BRK-Trupp vorrätig. Die vor der Halle aufgebaute Feldküche könnte bei Bedarf ganze Kompanien versorgen. Helfer des Roten Kreuzes lieferten die Mittagsmahlzeit auch an das Kommandozentrum im Feuerwehrhaus und die Polizeikräfte an den Absperrungen. Nachdem der Sicherheitsbereich evakuiert war, konnten die Nachbarwehren schon abrücken.

In der Grundschule hatte sich Rektor Gilbert Cabarth zum Schulschluss aufmerksam im Eingangsbereich postiert. Dort fielen Eltern und andere Betreuungspersonen in Scharen ein und holten in Windeseile die Sprösslinge ab. Nur eine Handvoll Grundschüler blieb zunächst nach Schulschluss über. Sie durften in Cabarths Zimmer Hausaufgaben machen. Schon vor 14 Uhr waren aber auch diese Schüler aus dem Rektorat verschwunden.

Ein gestrandeter Schüler

Anwohner wurden in der Turnhalle der Grundschule versorgt. Foto: Michael Jaumann
Anwohner wurden in der Turnhalle der Grundschule versorgt. Foto: Michael Jaumann

Die Realschule hatte den Nachmittagsunterricht abgeblasen. Wer eine Betreuung bedurfte, hätte in die Grundschule wechseln können, aber kein einziger Realschüler nahm das Angebot an. Ein Schüler landete schließlich doch in der Turnhalle. Er hatte die im Vorfeld veröffentlichten Informationen nicht mitbekommen und war am Heimweg zur Anno-Santo-Siedlung von der Polizei an den Absperrungen abgefangen worden. Polizei und Rotes Kreuz telefonierten schier um die Wette, um Angehörige zu erreichen.

In diesem Loch wurde die Granate gesprengt. Foto: Michael Jaumann
In diesem Loch wurde die Granate gesprengt. Foto: Michael Jaumann

Unterdessen machten sich Michael Weiß, Christian Scheibinger und Sebastian Prehn auf dem Acker in der Anno-Santo-Siedlung ans Werk. Sie legten die 250 Kilo-Bombe frei und holten die beiden Zünder und die Bombe heraus. Anschließend legten sie die Granate in das Loch, bedeckten sie mit Erde und sprengten sie an Ort und Stelle. Die Detonation war weit in den Ort hinein zu hören.

Mit den beiden Sprengkörpern fanden die Munitionssucher an zwei von 16 Verdachtspunkten tatsächlich Munition. Ihre Arbeit ist nun beendet. Dann folgen die Archäologen. Bodendenkmäler werden im Baugebiet ebenfalls vermutet.

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