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Bundestagswahl

Schwere Schlappe für Lerchenfeld

Der MdB wird von der Kreis-CSU nur zum Ersatzdelegierten gewählt. Die Kandidaten-Vorauswahl ist gestrichen.
Von Christof Seidl, Andrea Rieder und Heinz Klein, MZ

Peter Aumer (links) und Philipp Graf von und zu Lerchenfeld werden bei der Bundestags-Nominierungsversammlung in Regensburg ohne eine Vorab-Empfehlung der Landkreis-CSU antreten.
Peter Aumer (links) und Philipp Graf von und zu Lerchenfeld werden bei der Bundestags-Nominierungsversammlung in Regensburg ohne eine Vorab-Empfehlung der Landkreis-CSU antreten. Foto: CSU

Deuerling.Der CSU-Kreisverband Regensburg-Land hat bei seiner „Besonderen Kreisvertreterversammlung“ am Freitagabend keinen Kandidaten für die Bundestags-Nominierungsversammlung am 26. November empfohlen. Bei dieser Versammlung werden die CSU-Kreisverbände der Stadt und des Landkreises Regensburg gemeinsam den CSU-Kandidaten für die Wahl 2017 aufstellen.

Aus der Landkreis-CSU haben sich der frühere Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Peter Aumer (40) und der aktuelle, direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (64) für diese Kandidatur beworben. Als dritte Bewerberin tritt Dr. Astrid Freudenstein (43) aus dem CSU-Kreisverband Regensburg-Stadt an. Sie ist 2013 über die CSU-Landesliste in den Bundestag eingezogen. Die Nominierungsversammlung am 26. November besteht aus 104 Landkreisdelegierten, die am Freitag in Deuerling gewählt wurden, sowie aus 56 Delegierten des Stadt-Verbands, die bereits im Juli bestimmt wurden.

Die faustdicke Überraschung kam am Freitag spät in der Nacht, als alle Stimmen ausgezählt waren. Das Ergebnis der Delegiertenwahl spricht eine deutliche Sprache: Während Bewerber Peter Aumer mit den meisten Stimmen zu einem der 104 Delegierten gewählt wurde, die am 26. November den Kanditen nominieren, landete Lerchenfeld lediglich auf der Liste der Ersatzdelegierten. Ein Ergebnis, das der Graf auf Anfrage der MZ weder als Enttäuschung noch als schlechtes Omen sehen wollte. Der MdB ist auf Platz 183 – dass er bei der Nominierungsversammlung doch noch als Delegierter dabei ist, ist damit so gut wie unmöglich.

Streit mit Lerchenfeld beigelegt

Auch Dr. Astrid Freudenstein von der Stadt-CSU bewirbt sich als Bundestagskandidatin. Sie ist 2013 über die CSU-Landesliste in den Bundestag eingezogen.
Auch Dr. Astrid Freudenstein von der Stadt-CSU bewirbt sich als Bundestagskandidatin. Sie ist 2013 über die CSU-Landesliste in den Bundestag eingezogen. Foto: CSU

Mit dem Verzicht auf eine Empfehlung für Aumer oder Lerchenfeld endet ein handfester Streit, der im Frühjahr innerhalb der Landkreis-CSU ausgebrochen war. Aumer, der bereits seit 2009 als direkt gewählter Abgeordneter für die CSU im Bundestag saß, hatte 2013 auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Er bewarb sich stattdessen 2014 für den Posten des Landrats im Landkreis Regensburg, unterlag allerdings der jetzigen Landrätin Tanja Schweiger (FW). Anstelle von Aumer bewarb sich 2013 Graf Lerchenfeld für das Bundestagsdirektmandat – mit Erfolg.

Im März dieses Jahres kündigte Aumer bei einer Kreisvorstandssitzung überraschend an, dass er erneut für den Bundestag kandidieren will. Gleichzeitig legte der Kreisvorstand unter seiner Führung das Vorgehen bis zur Nominierung fest – einschließlich einer Empfehlung der CSU für einen Kandidaten, der dann gegen Freudenstein ins Rennen ziehen sollte.

Lerchenfeld wollte bei dieser internen Vorauswahl nicht mitspielen. In einem Brief an die Kreisvorstandsspitze schrieb er im März, „ich fürchte, dass jede Vorgehensweise, die nach einer Manipulation aussehen könnte, Schaden für unsere Partei verursachen kann. Deshalb werde ich Eurem Vorschlag nicht folgen.“

„Ich bin davon ausgegangen, dass das so kommen wird“

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, CSU-Bundestagsabgeordneter

Für den Grafen hat die landkreisinterne Kandidaten-Vorauswahl „ein Gschmäckle“, zumal sich der unterlegene Kandidat auch noch verpflichten müsse, seine Kandidatur nicht mehr aufrechtzuerhalten. Der Weg sei, so Lerchenfeld im März, „im Hinterzimmer“ ausgedacht. Der Graf kündigte an, er werde ein Votum auf Kreisebene nicht akzeptieren, sondern nur die Entscheidung der offiziellen Nominierungsversammlung annehmen.

Aumer widersprach damals Lerchenfelds Darstellung. Der Beschluss des Kreisvorstands sei die übliche Praxis. „Demokratischer kann man es nicht machen. Von Mauschelei kann keine Rede sein, im Gegenteil: Alles ist offen und transparent.“ Noch im Oktober hatte Aumer gegenüber unserer Zeitung an der Empfehlungsstrategie festgehalten. „Das ist geltende Beschlusslage“, sagte er.

„Ein starkes Votum abgeben“

Bei ihrer Versammlung in Deuerling hat die Landkreis-CSU die 104 Delegierten für die Nominierungsversammlung in Regensburg bestimmt.  Foto: cs
Bei ihrer Versammlung in Deuerling hat die Landkreis-CSU die 104 Delegierten für die Nominierungsversammlung in Regensburg bestimmt. Foto: cs

Die Entscheidung, nun doch auf eine Empfehlung für einen Kandidaten zu verzichten, fiel erst am Freitag bei einer Vorstandssitzung der Kreis-CSU, die direkt vor der Delegiertenversammlung in Deuerling stattfand. Auf der Tagesordnung war sie noch aufgeführt.

Vor den Versammlungsteilnehmern sagte Aumer als Kreisvorsitzender, man habe auf die Vorauswahl verzichtet, weil sie nicht möglich sei. Graf Lerchenfeld sei bei seiner Meinung geblieben. Der Vorstand habe daher eine „demokratische und faire Entscheidung“ getroffen. Die Landkreis-CSU verfüge über zwei gute Kandidaten, die in Regensburg zur Wahl stehen. Aumer forderte die Delegierten für die Nominierungsversammlung auf, dort „ein starkes Votum abzugeben. Dann bleibt das Mandat im Landkreis.“

Wie Aumer gegenüber unserer Zeitung bestätigte, habe Lerchenfeld erneut bekräftigt, dass er eine Entscheidung nur der Landkreis-Delegierten nicht akzeptieren werde. Deshalb habe der Kreisvorstand übereinstimmend beschlossen, auf die geplante Empfehlung zu verzichten. Lerchenfeld sagte auf Anfrage, „ich bin davon ausgegangen, dass das so kommen wird“. Die Vorstandssitzung sei ruhig und sachlich verlaufen.

Aus mehreren Quellen ist am Samstagnachmittag aber zu hören, dass die Stimmung in der Kreis-CSU nach der Vorstandsitzung und Delegiertenversammlung alles andere als ruhig, sondern vielmehr angespannt sei. Der Graf aber bleibt bei dem Bild der Ruhe. Am Sonntag zeigte er sich in einem Gespräch mit der MZ zufrieden mit dem Ausgang der Versammlung vom Freitag. „Nun können die Delegierten in Ruhe unter den drei Kandidaten entscheiden“, sagte Lerchenfeld. Sein Abrutschen auf die Ersatzdelegiertenliste werte er nicht als Omen oder Vorentscheidung. Das Abschneiden des Grafen wollte auf Anfrage der MZ Peter Aumer nicht kommentieren, sieht aber sein gutes Abschneiden als Bestärkung, mit Optimismus in die Nominierungsversammlung zu gehen.

Politische Karrieren

  • Der Amtierende:

    Philipp Graf von und zu Lerchenfeld war von 2003 bis 2013 Mitglied des bayerischen Landtags und dort unter anderem finanzpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion. Seit 2013 ist er direkt gewähltes Mitglied des Bundestags. Er ist Mitglied des Finanzausschusses und Vertreter in drei weiteren Ausschüssen.

  • Die Listenkandidatin:

    Astrid Freudenstein ist seit 2008 Stadträtin in Regensburg und zog 2013 über die CSU-Landesliste in den Bundestag ein. Sie ist Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales und im Ausschuss für Kultur und Medien sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.

  • Der Ehemalige:

    Peter Aumer ist seit 2002 Marktrat in Regenstauf und Kreisrat. 2008 wurde er 3. Bürgermeister des Markts Regenstauf. 2009 zog er als Nachfolger von Maria Eichhorn als CSU-Direktkandidat in den Bundestag ein. Aumer war bis zu seinem Abschied vom Bundestag 2013 Mitglied im Finanzausschuss .

Im Wahlkreis Regensburg, der sich aus Stadt und Landkreis zusammensetzt, sind bei der CSU in der Vergangenheit mit einer Ausnahme nur Bewerber aus dem Landkreis zum Zug gekommen. Der Grund: Die Landkreis-CSU verfügte bei den Nominierungsversammlungen immer über weit mehr Stimmen als die Stadt-CSU.

Die Nominierung des CSU-Bundestagskandidaten für die Wahl 2017 war ursprünglich bereits Ende Juli geplant. Sie verzögerte sich durch eine schwere Krebserkrankung Lerchenfelds. Er meldete sich im Oktober als gesund zurück und nahm seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter wieder auf.

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