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Kultur

Der Meister des „Einetheaterns“

Der Kabarettist Hosea Ratschiller testet in Kneiting sein neues Programm. Er führt sein Publikum auf verschlungene Pfade.
Von Claudia Kreissl

Minimalismus pur: Hosea Ratschiller bei seinem Auftritt in Kneiting Foto: Claudia Kreissl
Minimalismus pur: Hosea Ratschiller bei seinem Auftritt in Kneiting Foto: Claudia Kreissl

Kneiting.Das hat es auf der Bühne im Kneitinger Dorfhaus noch nicht gegeben. Zum Kabarett-Abend im Rahmen des Pettendorfer Kulturherbstes präsentierte OGV-Vorsitzender Thomas Teufl eine Vorpremiere: Der österreichische Kabarettist Hosea Ratschiller zeigte in Kneiting sein nagelneues Programm „Ein neuer Mensch“ weit vor der eigentlichen Deutschland-Premiere im kommenden Januar – und traf damit den Nerv des Publikums.

Der Wiener Kabarettist, Kolumnist und Moderator ist in unserem südlichen Nachbarland bekannt für innovative Satire-Experimente. Vor zehn Jahren gab er sein Kabarett-Debut im Wiener Kabarett Niedermair, dort wo er nun Ende September die offizielle Premiere seines aktuellen Programms feierte. Mittlerweile ist Ratschiller in Österreich eine anerkannte Kabarett-Größe. Den österreichischen Kabarettpreis, den Salzburger Stier und das kleine Passauer Scharfrichterbeil hat er bereits bei sich zu Hause stehen.

Viel reduzierter kann Kabarett eigentlich schon nicht mehr sein, wenn Hosea Ratschiller auftritt. Auf der Bühne steht ein Wasserglas auf einem einsamen Barhocker neben einem Mikrofon auf einem dünnen Stativ. Ersteres leert sich in den folgenden zwei Stunden nur marginal, während Letzteres sofort in der Ecke landet, als der ganz in Schwarz gekleidete Wiener die Bühne betritt.

Ein selbsternannter Außenseiter

Und da interessiert den selbsternannten Außenseiter, der in seiner Jugend mit großer Überzeugung Motivpullover getragen hat, auf denen sich zwei Schwammerl gegenseitig anspeien, so scheinbar nebenbei erstmal nur eines: „Waren Sie schon mal chinesisch essen?“, fragt er das Publikum im Dorfhaus, das in der Folge kaum mehr mitkommt bei all den Ausschweifungen und Erzählverschlingungen Ratschillers. Diese Verschlingungen führt er aber immer wieder erst unmerklich und dann so plötzlich auf die Fäden seines Programms zurück, dass die Erkenntnis die Zuhörer beinahe wie ein Blitz trifft.

„Einetheatern“ nennt er das auf gut Österreichisch, wenn er scheinbar an Anekdoten hängenbleibt, die so gar nichts mit dem zu tun haben, was er eigentlich sagen wollte. Aber was war denn das gleich wieder eigentlich? Ratschiller macht es seinen Zuhörern gewiss nicht leicht, ihm auf den verschlungenen Pfaden zu folgen, durch die er in seinem Programm wandelt.

Dabei plaudert der Österreicher eigentlich wunderbar unaufgeregt und charmant, zumindest solange er sich nicht „einetheatert“ in die Geschichten von seiner Tochter, der der ach so coole Papa dann doch zu laut befiehlt, ihr Zimmer aufzuräumen, von seinem Freund, dem Staubsauger-Roboter, mit dem er gemeinsam im Internet surft, und vom Bäcker mit dem besseren Brot, dessen paradiesische Kruste sich aber letztlich als zu stark erweist für das schnöde Messer eines ziemlich Sterblichen. Ja, und dann blickt er noch auf diese große Gelassenheit der Kaufleute zwischen den Jahren – wenn sie am 27. Dezember das Christuskind im Schaufenster gegen eine Sau aus Marzipan austauschen.

Der Grönlandhai taucht auf

Der Spargeltarzan Ratschiller plaudert nicht nur, er hat viel zu sagen, ganz getreu dem Motto seiner Großmutter: „Tiefe brauchen nur Menschen, die keine Breite haben.“ Vom Turbokapitalismus bis hin zur Umweltzerstörung reichen seine Themen. Letztere hat jetzt übrigens auch der Grönlandhai registriert: „Schau an, das Eis ist auch nicht ewig“, legt der Wiener dem Hai in den Mund, einer Spezies, die 400 Jahre alt wird und deshalb – so Ratschillers Theorie – von der Aufklärung bis zur Klimakrise so ziemlich alles mitbekommen haben müsste.

Kulturherbst

  • Vortrag:

    Am Donnerstag, um 19 Uhr, ist Bernhard Suttner zu Gast in der Gemeindebücherei. In seinem Vortrag „Und ewig währt das Plastik – praktisch, bunt, gefährlich?“ beschäftigt sich der Politologe unter anderem mit Unmengen von Verpackungsmüll aus Plastik, die jährlich ins Meer gelangen.

  • Eintritt:

    Der Eintritt für Mitglieder des Frauenbunds ist frei. Nicht-Mitglieder zahlen drei Euro.

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