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Sport

Der TV Hemau feiert doppelt

Vor 115 Jahren wurde der TV Hemau gegründet, seine Fußballabteilung vor 90 Jahren. Beide haben viele Höhen und Tiefen erlebt.
Von David Santl

Eine Jubelszene aus dem Jahr 1971, als der TV Hemau dem Tabellenführer TSV Deuerling ein Unentschieden abtrotzte.  Foto: Archiv/Tutschku
Eine Jubelszene aus dem Jahr 1971, als der TV Hemau dem Tabellenführer TSV Deuerling ein Unentschieden abtrotzte. Foto: Archiv/Tutschku

Hemau.Es gibt wohl kaum einen Verein auf dem Tangrintel, der eine solch bewegte Geschichte hinter sich hat wie der TV Hemau und seine Fußballabteilung. In diesem Jahr haben beide aber Grund zu feiern. Der TV als Gesamtverein kann auf 115 Jahre zurückblicken und seine Fußballabteilung feiert das 90-jährige Jubiläum.

Eine große Jubiläumsparty wird es zwar nicht geben, aber trotzdem erinnern sich in diesem Jahr viele gern an die Anfänge und die Entwicklung „ihres“ Sportvereins zurück. Und wer es ganz genau wissen will, der braucht nur in den Chroniken von Helmut Tutschku stöbern. Und dort findet sich allerlei Verblüffendes: Der TV Hemau entstand nämlich aus einem Radsportverein.

Erst Fahrrad, dann Turnen

Im Jahr 1890 wurde der „Radfahrer Club Hemau“ gegründet. Aber der Radsport schien einigen Mitgliedern nicht genug gewesen zu sein. Am 12. Oktober 1903 gründete sich eine Unterabteilung: die „Turnabteilung des Radfahrer Clubs Hemau.“ Nach einem halben Jahr machten sich die Turner selbstständig. So kam es am 28. März 1904 zur Gründung des Turnvereins Hemau. Und der junge Verein entwickelte sich bestens. Im Jahr 1929 kam es dann zur Gründung einer eigenen Fußballabteilung. Zuerst war die Spielstätte übrigens hinter dem ehemaligen Postgebäude.

Da werden Erinnerungen wach: TV-Rekordtorschütze Gerhard Dietz und Chronist Helmut Tutschku blättern gemeinsam in alten Ordnern. Foto: Santl
Da werden Erinnerungen wach: TV-Rekordtorschütze Gerhard Dietz und Chronist Helmut Tutschku blättern gemeinsam in alten Ordnern. Foto: Santl

„Aber seit Ende der 1960er Jahre sind wir an der Dietfurter Straße“, so Tutschku. Seit ihrer Gründung gab es viele Auf- und Abstiege. Doch vor allem das letzte Jahrzehnt war schicksalshaft für die TV-Fußballer. In der Saison 2009/10 spielten sie in der Bezirksliga und mussten dann wegen Spielermangels abgemeldet werden – ein Schock für den ganzen Verein. Aber die Fußballer blickten nach vorne, obwohl sie ganz unten in der B-Klasse wieder anfangen mussten.

In den zwei darauffolgenden Jahren glückte der Durchmarsch von der B-Klasse über die A-Klasse bis in die Kreisklasse. Im Jahr 2016 gab es sogar einen Doppelaufstieg. Die erste Mannschaft spielt seither wieder in der Kreisliga, die zweite Mannschaft in der A-Klasse.

Der „Tangrintel-Cup“

  • Anfang:

    Den Tangrintel-Cup gibt es seit dem Jahr 1976. Ursprünglich hieß das Fußballturnier „Bürgermeister-Schuster-Pokal“ und wurde vom damaligen Bürgermeister Hans Schuster gestiftet.

  • Idee:

    Ziel war es damals, das „Wir-Gefühl“ in der Großgemeinde zu stärken. Am Tangrintel-Cup nehmen die Fußballvereine der Großgemeinde teil. Das sind der TV Hemau, die SG Hohenschambach, der SV Aichkirchen und die DJK Eichlberg-Neukirchen.

  • Verlauf:

    In den letzten Jahren gewannen den Cup meist die DJK Eichlberg-Neukirchen oder die SG Hohenschambach. Um das Verletzungsrisiko vor der Saison zu reduzieren, schicken aber nicht alle Vereine die erste Mannschaft.

  • Spiele:

    Heute um 17 Uhr spielt der TV Hemau gegen die DJK Eichlberg-Neukirchen, um 19 Uhr die SG Hohenschambach gegen den SV Aichkirchen. Das Spiel um Platz 3 ist am Samstag um 16 Uhr, das Finale um 18 Uhr, alle auf dem TV-Gelände.

„Das haben wir vor allem den damaligen Spielertrainern Marco Holzer und Sergej Frank zu verdanken“, ist sich Tutschku sicher. Vor allem eins fällt ihm beim TV auf: „Die Spieler haben ungefähr das gleiche Niveau. Es gibt zwar einige sehr gute ältere Spieler, aber auch die Jüngeren zeigen, was sie können“, so der Chronist. Aber einen „Star“ gab es beim TV Hemau doch: Gerhard Dietz, der Rekordtorschütze. „Ich bin zwei Jahre lang in der Jugend Torschützenkönig gewesen und dann 14 Mal hintereinander mit der ersten Mannschaft“, erzählt Dietz, der allgemein nur als „Fuzzy“ bekannt ist. „Das ist ein Rekord für die Ewigkeit, sowas gibt es heute nicht mehr“, meint auch Tutschku.

Der „Gerd Müller“ von Hemau

Aber ein Geheimrezept gibt es bei Dietz nicht: „Das ist einfach eine Gabe Gottes“, lacht er. Früher sei er oft mit Gerd Müller verglichen worden. „Ich war noch ein echter Mittelstürmer“, sagt er. Insgesamt hat er es beim TV Hemau auf 660 Tore gebracht, bei über 700 Spielen.

Momentan ist es bei ihm aber ein bisschen ruhiger geworden. „Aber ich sollte direkt mal wieder am Sportplatz vorbeischauen.“ Und dort ist es bei den Trainingseinheiten zur Zeit interessant: Zum 90-jährigen Jubiläum gibt es nämlich auch einen neuen Trainer. Holger Gisske heißt der Mann, der auf Roland Renner als TV-Trainer folgt. Und Gisske hat klare Ziele: „Wir wollen nicht nur den Klassenerhalt schaffen, sondern in der oberen Hälfte mitspielen“, erklärt er.

In der kommenden Saison sei die Kreisliga bärenstark. Aber sein erster Eindruck von der Mannschaft ist positiv. „Klar gibt es noch Defizite, aber daran arbeiten wir noch. Die Burschen machen einen willigen Eindruck“, so Gisske. Ein bisschen fehle ihm noch die Aggressivität. Doch eins ist ihm besonders wichtig: „Ich will eine Mannschaft, die nicht nur die 90 Minuten auf dem Platz zusammenhält.“

Das wünschen auch Dietz und Tutschku dem Verein: „Zusammenhalten und miteinander was unternehmen Das gab es bei uns früher auch schon. Eine gute Kameradschaft hatten wir beim TV schon immer.“

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