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Eine Fusion auf Augenhöhe

Die Raiffeisenbanken Hemau-Kallmünz und Parsberg-Velburg wollen verschmelzen. Es geht ihnen um die Zukunftssicherung.
Von Heiner Stöcker

Die Raiffeisenbanken Hemau-Kallmünz und Parsberg-Velburg wollen fusionieren: Roland Pirzer ( v.li.), Vorstand, Roland Lehner,Aufsichtsratsvorsitzender, Martin Reindl, Sprecher des Vorstands, Klaus Federholzner (Vorstandsvorsitzender), Stephan Paulus, Vorstand, Hans Pollinger (Aufsichtsratsvorsitzender) stellten die Pläne vor. Foto: Stöcker
Die Raiffeisenbanken Hemau-Kallmünz und Parsberg-Velburg wollen fusionieren: Roland Pirzer ( v.li.), Vorstand, Roland Lehner,Aufsichtsratsvorsitzender, Martin Reindl, Sprecher des Vorstands, Klaus Federholzner (Vorstandsvorsitzender), Stephan Paulus, Vorstand, Hans Pollinger (Aufsichtsratsvorsitzender) stellten die Pläne vor. Foto: Stöcker

Hemau.Gemeinsam in die Zukunft: Die benachbarten Raiffeisenbanken Hemau-Kallmünz und Parsberg-Velburg wollen heiraten. Das haben die Vorstandsmitglieder Martin Reindl und Roland Pirzer (Parsberg-Velburg) sowie Klaus Federholzner und Stephan Paulus (Hemau-Kallmünz) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Hemau bekannt gegeben. Im Mai oder Juni sollen die Genossenschaftsmitglieder bei den Vollversammlungen noch ihren Segen dazu geben. Dann könnte der Zusammenschluss nach der Eintragung im Genossenschaftsregister unter dem Namen „Raiffeisenbank im Oberpfälzer Jura eG“ und der technischen Fusion im Oktober 2019 vollzogen sein. Rückwirkend soll sie dann zum 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Einstimmige Zustimmung

Die Vorstandschaften und die Aufsichtsräte haben bereits am Montag einstimmig grünes Licht für die Verschmelzung gegeben. Die beiden Geldhäuser wollen ihre Kräfte bündeln, um auf dem nach der Finanzkrise hart umkämpften Bankensektor bestehen zu können.

Klaus Federholzner, Vorstandsvorsitzender Foto: Stöcker
Klaus Federholzner, Vorstandsvorsitzender Foto: Stöcker

Dabei spielen strategische Erwägungen eine Rolle: „Noch ist das eine Fusion auf Augenhöhe zweier gleichwertiger Partner“, sagte Vorstandsvorsitzender Federholzner. Aber in den vergangenen Jahren haben zahlreiche regionale Genossenschaftsbanken ihre Kräfte gebündelt und ihren Wirkungsbereich vergrößert. Zum Beispiel die Raiffeisenbanken Bad Abbach und Bad Gögging, die zur Raiffeisenbank Kreis Kelheim fusionierten oder die neu entstandene Volksbank Raiffeisenbank Regensburg-Schwandorf. „Irgendwann laufen wir Gefahr, dass wir von einem Größeren einfach geschluckt werden.“

Die beiden Banken heute und die künftige Raiffeisenbank im Oberpfälzer Jura eG in Vergleich

Die beiden Banken seien finanziell gesund. Hemau-Kallmünz legte zuletzt eine Bilanzsumme von 467 Millionen und Parsberg-Velburg von 396 Millionen Euro vor. Mit der erfolgreichen Fusion der zwei Kreditinstitute würde eine starke Regionalbank entstehen. Das gemeinsame Institut käme aus heutiger Sicht auf eine Bilanzsumme von 850 Millionen Euro. Zusammen betreuen 190 Mitarbeiter in elf Bankstellen 34 000 Kunden. Davon sind mehr als 11 000 genossenschaftliche Anteilseigner. Ihre Gebiete liegen auf der Karte aber zwischen den Genossenschaftsbanken Neumarkt und Regensburg, die beide eine milliardenschwere Bilanz im Rücken haben.

Martin Reindl, Sprecher des Vorstandes Foto: Stöcker
Martin Reindl, Sprecher des Vorstandes Foto: Stöcker

Die Gründe für die Fusion sind vielfältig, sagte Martin Reindl, Sprecher des Vorstands der Raiffeisenbank Parsberg-Velburg. Wachsende Kundenanforderungen machten intensivere Beratungen nötig, die Bedürfnisse des Mittelstands änderten sich, die voranschreitende Digitalisierung sowie der wachsende Erlös- und Kostendruck auf dem Finanzsektor sind nur einige Aufgaben, mit denen sich heutige Banken konfrontiert sehen. Bisher seien laut Reindl einzelne Mitarbeiter für mehrere Aufgaben zuständig. Nun könnten sie sich durch Bündelung der Aufgaben besser spezialisieren.

Den Vorständen zufolge soll es keine Einsparungen beim Personal geben, keine betriebsbedingten Kündigungen. „Im Gegenteil: Wir brauchen jeden, um den Fusionsprozess stemmen zu können“, sagte Stephan Paulus zu den Zielen der Fusion. Auch die Filialstruktur bliebe laut Plan erhalten. „Beide Häuser haben ihre Hausaufgaben da in der Vergangenheit gemacht.“ Synergieeffekte erhoffen sich die Vorstände vor allem in der Verwaltung – „um zum Beispiel die Kosten steigender Regulierung zu kompensieren“.

Nomineller Hauptsitz der Raiffeisenbank im Oberpfälzer Jura wird Parsberg. Die vorhandenen Gebäude erlaubten aber eine dezentrale Struktur und sicherten die Präsenz in der Region. Auch die Vorstandsposten werden erhalten: Zwei für Parsberg-Velburg und zwei für Hemau-Kallmünz.

Lange Beziehungen

Beide Banken pflegen vertrauensvolle Kontakte, hieß es am Freitag. Die geschäftspolitische Ausrichtung sei ähnlich und beide Kreditinstitute seien bis heute auch im Warengeschäft tätig.

Die Banken bleiben vor Ort und bilden ein dezentrales Netz. Foto: Stöcker
Die Banken bleiben vor Ort und bilden ein dezentrales Netz. Foto: Stöcker

Ein Punkt war Stephan Paulus noch wichtig: „Für die Mitarbeiter entsteht durch das größere Haus ein attraktiverer Arbeitgeber, der interessante berufliche Entwicklungsperspektiven bietet. Die wirtschaftliche Kraft der Bank ermöglicht langfristig sichere Arbeitsplätze, und junge Menschen profitieren von einem starken Ausbilder.“

Hemau-Kallmünz-Aufsichtsratsvorsitzender Hans Pollinger begrüßte den Schritt. In der schnelllebigen Zeit drehe sich das Rad der Welt immens schnell – „und wenn man nicht aufpasst, kann man unter die Räder kommen.“ Die Entscheidung sei nicht aus der Not, sondern aus der Verantwortung heraus gefallen. „Die Banken haben auch die Verantwortlichkeit, den Blick in die Zukunft zu richten und rechtzeitig die Weichen zu stellen.“ Einen besonderen Vorzug sehe er in der Homogenität der beiden Banken.

Roland Lehner, Aufsichtsratsvorsitzender der Raiffeisenbank Parsberg-Velburg war wichtig, „dass der Beschluss einstimmig gefallen ist. Es wäre nicht zu verantworten, wenn diese Chance eine Bank zwischen Regensburg und Nürnberg zu etablieren verstreichen ließe. Jetzt kann man agieren und muss nicht reagieren.“

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