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Migration

Flüchtlinge pflanzten 800 Laubbäume

Mit einer Pflanzaktion symbolisieren Zuwanderer ihre Verwurzelung in Schierling. So verwachsen sie mit ihrer neuen Heimat.
Von Fritz Wallner

In Schierling pflanzten Flüchtlings-Familien aus Syrien und Äthiopien insgesamt 800 Bäume um die Verwurzelung mit ihrer neuen Heimat zu symbolisieren. Foto: Wallner
In Schierling pflanzten Flüchtlings-Familien aus Syrien und Äthiopien insgesamt 800 Bäume um die Verwurzelung mit ihrer neuen Heimat zu symbolisieren. Foto: Wallner

Schierling.Insbesondere Flüchtlinge aus Syrien haben auf einem gemeindlichen Grundstück in der Nähe von Allersdorf 800 Bergahorn und Rotbuchen gepflanzt. Sie folgten damit einer Initiative von Sepp Gascher vom Asylbewerber-Unterstützerkreis und zeigten ihre Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat Schierling. Bürgermeister Christian Kiendl freute sich, denn damit würden die Flüchtlinge im wahrsten Sinne des Wortes in Schierling Wurzeln schlagen.

Frauen, Männer und Kinder aus Syrien und Äthiopien, unterstützt von ihren Schierlinger Freunden, hatten sichtlich Freude und brauchten beachtliche Muskelkraft, um für die 800 Setzlinge mit dem Hohlspaten die Löcher zu graben und sie gut im Boden zu verankern. Für die Akteure nichts Alltägliches, denn vor allem in Syrien findet man kaum noch Wald. Sie arbeiteten so schnell und ausdauernd, dass für diesen Elan und Eifer auch die Gemeindegärtner Thomas Reindl und Sebastian Kaiser ein großes Lob hatten. Weil oft die ganze Familie zusammenhalf, sei dies für alle noch viel mehr Antrieb gewesen, vermutete Hien.

Ein sehr gutes Beispiel war der Zweitklässler Ali, der immer wieder – mit Unterstützung eines Erwachsenen – ein Loch grub, den Baum setzte und damit für Jahrzehnte eine markante Stelle in der Schierlinger Flur markierte. „Das ist schon der elfte Baum!“, sagte er nicht ohne Stolz als Zwischenfazit seiner Arbeit. Auch der Bürgermeister fügte sich in die Arbeit ein und half mit, das rund 2000 Quadratmeter große Grundstück aufzuforsten.

Die wichtigsten fachlichen Vorbereitungen für die Aktion hatte Klimaschutzmanager Franz Hien getroffen. Er hatte mit dem noch von der Pflanzaktion „WirWollenMehr“ übrigen Geld 250 Bergahorn und 550 Rotbuchen besorgt. Die Gemeindegärtner markierten mit Unterstützung von Dr. Hans Straßer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bund Naturschutz, die Pflanzstellen, legten die Setzlinge aus und sorgten für den richtigen Wurzelschnitt.

Aktiv waren auch der Apotheker Mohamed Alothman und seine Frau Suhir. Der Mann war vor etwa drei Jahren dem Krieg in Syrien entflohen, seine Frau mit den Kindern folgte ein halbes Jahr später. Die Familie hat in Schierling eine Wohnung gefunden und ist hier daheim, denn Mohamed hat schon seit 16 Monaten eine feste Anstellung beim Blutspendedienst des Roten Kreuzes und seine Kinder sind in der Schule erfolgreich. Der älteste Sohn wird ab September die Fachoberschule besuchen.

Annette Straßer, die Leiterin des Familienstützpunkts, Claudia Buchner, die Sprecherin des Asylbewerberunterstützerkreises, und Sepp Gascher kennen sie alle. Straßer begleitet den Weg vieler Familien und sie freute sich, dass die jungen Leute vor allem über Praktika im Anschluss an die Schule einen Arbeitsplatz finden. Es gebe mittlerweile „tolle Modelle“ von der Agentur für Arbeit. Und sie habe das Projekt „Lebenswirklichkeit in Bayern“ nach Schierling geholt. Zusammen mit der katholischen Jugendfürsorge werden die Flüchtlinge mit der Vielfalt und Kultur Bayerns vertraut gemacht. Derzeit laufe das zweiten Modul, bei dem es um Musik, Tanz und Theater, und zwar vom bayerische Lieder singen bis zum Polka tanzen gehe. „Es sind daran nur Frauen beteiligt, weil sie die Schlüsselposition in der Familie einnehmen“, so Straßer.

Bürgermeister Christian Kiendl lobte das Zusammenwirken von Einheimischen und Flüchtlingen. Der Wald habe eine wichtige Funktion und gerade mit dieser Aktion werde das Symbol des Wurzeln schlagens besonders deutlich. Er hoffte, dass dies auch ein Symbol für die ganze Gesellschaft sein kann, denn schlussendlich seien alle Menschen gleich. Er dankte den Organisatoren und bot an, in zwei oder drei Jahren gemeinsam nachzuschauen, was aus den Bäumen geworden ist.

Flüchtlinge

  • Wohnen:

    Gut 140 Flüchtlinge leben derzeit in Schierling, so Straßer. Davon 14 Familien mit 55 Personen dauerhaft in Wohnungen und 88 nach wie vor in zentralen Unterkünften.

  • Arbeiten:

    Viele Männer arbeiten bei einheimischen Firmen, unter anderem bei Sperl, Goschler oder Gascher, und Hasan hat sich mit einem Computer- und Handyservice selbstständig gemacht. (lww)

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