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Natur

Steinbruch: Letzte Anlage wird abgebaut

Betreiberfirma will die Vorgaben des Landratsamtes umsetzen. 15 Jahre nach Ende des Abbaus verschwindet das letzte Gebäude.
Von Thomas Kreissl, MZ

  • Weit öffnet sich der Blick vom Rand des Steinbruchs auf das Naabtal und die gegenüberliegenden Hänge. Tief unten ist die zentrale Siloanlage des ehemaligen Schotterwerks zu erkennen, die jetzt bis zum Jahresende verschwinden soll. Fotos: Dietmar Krenz
  • Die Siloanlage im Steinbruch.

Pettendorf.Das Dolomit-Schotterwerk Etterzhausen scheint schon bald endgültig Vergangenheit zu sein. Bis zum Herbst sollen auch die letzten Anlagen des ehemaligen Schotterwerks beseitigt sein. Das bestätigte Prokurist Karl Hausöl von der Firma Hermann Trollius GmbH aus Lauterhofen, die Eigentümer des Steinbruchs ist. „Fakt ist: Die Anlage wird abgebaut“, betonte er auf Anfrage der MZ und steckte auch schon einen zeitlichen Rahmen für den Abbau fest. Bevor das Winterhalbjahr beginne, müssten die Arbeiten erledigt sein, machte der Firmensprecher deutlich. 15 Jahre, nachdem der Abbau von Dolomit in dem von einem Naturschutzgebiet umschlossenen Steinbruch an der Bundesstraße 8 beendet wurde, sieht sich damit die Kreisgruppe des Bund Naturschutz fast am Ziel eines langen Ringens. „Das ist eine gute Nachricht“, kommentierte denn auch der Pettendorfer BN-Vorsitzende Rainer Brunner.

Seit 2002 ist die Anlage stillgelegt

Im August 2002 hatte ein Urteil des Regensburger Verwaltungsgerichts den Betrieb des Schotterwerks endgültig beendet. Die Anlagen mussten mit damals sofortiger Wirkung stillgelegt werden. Das Gericht schmetterte damit die Klage des Unternehmens gegen einen Stilllegungsbescheid ab, der vom Regensburger Landratsamt im Jahr zuvor erlassen worden war. Der Abbau von Dolomitgestein war bereits im Jahr 2000 eingestellt worden, als die Ressourcen im Steinbruch endgültig versiegt waren.

Trotz Einstellung des Betriebs ließ aber der Abbau der Anlagen seitdem auf sich warten. Dabei war die Firma Dolomit Schotterwerk GmbH & Co Betriebsgesellschaft als ursprünglicher Eigentümer des Steinbruchs bereits bei der Genehmigung des Dolomit-Abbaus im Jahr 1978 verpflichtet worden, nach der Stilllegung die Anlagen zurückzubauen und das Gelände zu renaturieren. In den vergangenen Jahren sind der Vorbrecher, die Feinsandanlage und das Bürogebäude zurückgebaut worden. In diesem Jahr hat das Unternehmen nun auch das Werkstattgebäude, die Waage und kleinere Anlagenteile beseitigt. Bis zum Herbst soll jetzt die einzig verbliebene zentrale Siloanlage folgen.

Nach Auskunft von Karl Hausöl hat die Firma schon in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, die Betriebsanlagen wirtschaftlich zu verwerten. „Es ist eine kaufmännische Entscheidung, Käufer für die Anlagen zu finden“, sagt der Prokurist dazu. Andernfalls bliebe nur die Verschrottung. Wie der Firmensprecher betont, gibt es für die Siloanlage bereits Interessenten, mit denen derzeit verhandelt wird. Sollte ein Verkauf bis zum Herbst allerdings nicht gelingen, wird die Firma Trollius die Siloanlage selbst abbauen und möglicherweise in einem ihrer Werke im Landkreis Neumarkt verwenden. Neben der Siloanlage geht es beim Rückbau auch noch um eine Teerfläche im Bereich der Firmenzufahrt, die beseitigt werden muss. Dass die Anlagen im Jahr 2015 vollständig zurückgebaut werden sollen, hat das Unternehmen mittlerweile auch dem Landratsamt mitgeteilt. Dort wird nun allerdings auch erwartet, dass die restlichen Anlagenteile verschwunden sind. „Wenn bis Ende des Jahres 2015 kein Rückbau erfolgt, müssen Zwangsmaßnahmen ergriffen werden“, teilt dazu Pressesprecher Markus Roth vom Landratsamt auf Anfrage der MZ mit.

Der Steinbruch an der Bundesstraße 8 zwischen Mariaort und Etterzhausen ist an drei Seiten von Schutzgebieten umgeben. Das Gelände selbst ist inzwischen Schutzgebiet gemäß der europäischen Richtlinie Flora-Fauna-Habitat (FFH) und Vogelschutzgebiet. Zudem brütet seit 2009 in ununterbrochener Folge der Uhu im Steinbruch. „Die Natur holt sich das Gelände mittlerweile Stück für Stück zurück“, sagt der Pettendorfer BN-Vorsitzende, der die Entwicklung auf dem Gelände des ehemaligen Schotterwerks seit vielen Jahren hautnah verfolgt. Denn dem Kampf gegen den Dolomit-Abbau am Greifenberg hatte sich die BN-Ortsgruppe seit ihrer Gründung vor 30 Jahren verschrieben.

Abbau seit den 50er-Jahren

Den Steinbruch an der Bundesstraße gibt es bereits seit den 50er-Jahren. Damals wurde allerdings nur in sehr kleinem Umfang Dolomit abgebaut. Im Jahr 1978 wurde dem Dolomit Schotterwerk Etterzhausen (DSE) dann der Abbau in großem Stil auf einer Fläche von insgesamt 15 Hektar genehmigt. Auf die genehmigte Fläche beschränkt wurde der Abbau dann in den 80er-Jahren mit der Ausweisung des knapp 43 Hektar großen Naturschutzgebiets „Greifenberg und Waltenhofener Hänge“. Trotzdem versucht das Schotterwerk in der Folge, die Abbauflächen zu vergrößern. Dies sollte mit Hilfe eines Tunnels unter dem schmalen Streifen Naturschutzgebiet im Norden des Steinbruchs erreicht werden. Dahinter sollte dann Dolomit auf einer deutlich größeren Fläche als im eigentlichen Steinbruch abgebaut werden. Letztlich scheiterte dieses Vorhaben vor allem an den dafür nötigen Grundstücken. Zuletzt ging es den Pettendorfer Naturschützern vor allem darum, den restlosen Abbau der Anlagen und die Renaturierung des Steinbruchs zu erreichen. Das hat das Landratsamt zwar bereits mit der Stilllegung des Schotterwerks im Jahr 2002 gefordert, aber bislang nicht durchgesetzt. „Ich hoffe, dass es jetzt bald soweit ist“, erklärt Rainer Brunner.

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