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Heimatpflege

Er ist Archivar aus Leidenschaft

Für die Pflege eines Archivs sind viel Geduld und Einfühlungsvermögen nötig. Raffael Parzefall liebt die Arbeit.
Von Julia Falk

Raffael Parzefall ist zur Zeit im Rathaus in Alteglofsheim als Archivar aktiv. Foto: Julia Falk
Raffael Parzefall ist zur Zeit im Rathaus in Alteglofsheim als Archivar aktiv. Foto: Julia Falk

Alteglofsheim.Man stellt sich einen Archivar eher wortkarg, menschenscheu und in einem dunklen, verstaubten Keller, umgeben von alten Dokumenten, vor – in der Realität sieht er anders aus: Archivar Raffael Parzefall erzählt liebend gerne von all seinen Entdeckungen, spricht auch mit Zeitzeugen, führt Ortsbegehungen durch und lebt seinen Beruf mit Leidenschaft aus. Gerade ist er in Alteglofsheim aktiv und gibt der Mittelbayerischen einen Einblick über seine bisherigen Recherchen.

Der gebürtige Thalmassinger ist neben seinem Beruf als Archivar ehrenamtlich in der Gemeinde Thalmassing als Heimatpfleger unterwegs. Denn angefangen hat Parzefalls Forschungsdrang auch in seiner Heimat mit einem Zeitungsartikel im Regensburger Anzeiger aus dem Jahre 1914, der ihm in die Hände fiel. Es ging um einen Totschlag in Weillohe, der den jungen Historiker und Archivar begeisterte und seine Abenteuerlust weckte.

Seit 2017 ist Parzefall als Archivar beim Verein „Kommunale Archivpflege im Landkreis Regensburg e.V.“,der beim Landratsamt Regensburg angesiedelt ist, im südlichen Umkreis, unter anderem in Neutraubling, Alteglofsheim und Schierling, tätig. Jede Gemeinde kann sozusagen im Jahr zuvor den Archivar für ein gewisses Kontingent buchen. Beispielsweise ist Parzefall dieses Jahr für 20 Tage in Alteglofsheim, um Verwaltungsschriftgut und Dokumente zu sichten, zu bewerten und schließlich zu archivieren.

Ordnung muss sein

Das bisher älteste Dokument in Alteglofsheim, das Parzefall bewertete, ist eine Flurordnung aus dem Jahre 1860. Foto: Julia Falk
Das bisher älteste Dokument in Alteglofsheim, das Parzefall bewertete, ist eine Flurordnung aus dem Jahre 1860. Foto: Julia Falk

Der Einheitsaktenplan wurde ursprünglich vom Innenministerium eingeführt und ist eine große Hilfe, um die Verwaltung zu strukturieren. Dieser Aktenplan umfasst neun Hauptgruppen, beispielsweise Personenstandswesen, Gesundheitswesen oder Schulen. Derzeit werden auch in Alteglofsheim die Aktenvorgänge nach dem Einheitsaktenplan verzeichnet, was die Archivarbeit längerfristig erheblich erleichtert.

Das älteste Dokument, das der Heimatpfleger bisher fand, ist eine Flurordnung von 1860, in der die einzelnen Flurbezirke Alteglofsheims benannt wurden. Meistens findet Parzefall bei allen Kommunen Überlieferungen aus dem 19. Jahrhundert. Es kommt darauf an, wann die jeweilige Gemeinde gegründet wurde. Anders ist es zum Beispiel in Neutraubling, denn dort gibt es erst seit der Kriegszeit Dokumente, also findet man hier nichts aus dem 19. Jahrhundert.

Die erste Begegnung mit Überlieferungen ist oftmals ein Chaos. Die Dokumente sind unsortiert und teils beschädigt. Foto: Julia Falk
Die erste Begegnung mit Überlieferungen ist oftmals ein Chaos. Die Dokumente sind unsortiert und teils beschädigt. Foto: Julia Falk

Oftmals stößt der Thalmassinger aber auch auf traurige Dokumente, die die NS-Zeit widerspiegeln, da im Nationalsozialismus höchste Bürokratie herrschte und vieles erhalten blieb. „Durch die Archivarbeit kann man durchaus nachvollziehen, wer in der NSDAP tätig war und polititsches Interesse hatte“, erklärt Parzefall.

Vor Kurzem entdeckte er ein interessantes Dokument: ein Erlass des damaligen Landrats zur Behandlung von polnischen Kriegsgefangenen. Zur NS-Zeit waren sie in Alteglofsheim festgesetzt und Parzefall fand eine Liste der Bauern, bei denen Kriegsarbeiter tätig waren. Gerade in der Ahnenforschung sind solche Personenlisten hilfreich, denn einige Kriegsgefangene sind damals geblieben und gründeten eine Familie.

Sohn suchte seinen Vater

An einen traurigen Fall kann sich der Thalmassinger noch gut erinnern, es ging um einen belgischen Kriegsgefangenen, der eine kurze Liebschaft zu einer Deutschen hatte, aus der ein Sohn entstand. Einige Male kam dieser Sohn zu dem Archivar und erkundigte sich nach Unterlagen zu seinem Vater, doch leider gab es keine Meldeunterlagen mehr, der belgische Vater konnte nicht gefunden werden.

Die alten Aktenordner (rechts) müssen ausgetauscht und durch säurefreie Mappen (links) ersetzt werden. Foto: Julia Falk
Die alten Aktenordner (rechts) müssen ausgetauscht und durch säurefreie Mappen (links) ersetzt werden. Foto: Julia Falk

Die alten, lichtempfindlichen Dokumente werden von Parzefall in säurefreien Mappen verpackt, damit diese nicht verblassen. Anschließend kommen sie in ebenfalls säurefreie Kartons und werden im Archiv mit Hilfe des Einheitsaktenplans eingeordnet. Es gibt auch Regelungen, wie lange verschiedene Dokumente aufbewahrt werden, wie beispielsweise bei Geburten oder Eheschließungen, die dauerhaft erhalten bleiben.

Die Voraussetzung für diese Arbeit ist natürlich auch, dass man die doch etwas beschwerlich lesbare Schrift entziffern kann. Damit hat der Thalmassinger allerdings keine Probleme, da er es in seinem Studium auch schon mit mittelalterlichen Schriften im Stadtarchiv zu tun hatte. Dokumente aus dem 19. Jahrhundert sind da kein Problem mehr. Ab dem 20. Jahrhundert sind die meisten Überlieferungen sowieso mit Schreibmaschine verfasst worden.

„Ich will das zeigen, was sonst im Keller schlummert.“

Raffael Parzefall, Archiv- und Heimatpfleger

Das langfristige Ziel der Archivare sei, die Archivalien zur Benutzung freizugeben, berichtet Parzefall, dem die Öffentlichkeitsarbeit enorm wichtig ist. Er findet, dass jeder, der Interesse zeigt, die Möglichkeit haben soll, Dokumente einzusehen, wenn dies rechtlich in Ordnung ist.

Parzefall schreibt in Thalmassing für die „Gemeinde Nachrichten“ Beiträge aus seiner Archivforschung. Mittlerweile ist er bei seinem 33. Beitrag angelangt. Die Verknüpfung der Archiv- und Heimatpflege ist sein großes Anliegen, um den Menschen Verborgenes zu zeigen.

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