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Umwelt

Stute Anna räumt den Pfarrwald auf

Im Alteglofsheimer Kirchenforst schleppt Korbinian Arzberger per Pferd. Das schont den Boden und erspart extra Forststraßen.
Von Michael Jaumann, MZ

Korbinian Arzberger und die 20-jährige Anna sind beim Bäumerücken ein eingespieltes Gespann.
Korbinian Arzberger und die 20-jährige Anna sind beim Bäumerücken ein eingespieltes Gespann. Foto: Jaumann

Alteglofsheim.Zwischen dunklen Fichtenstämmen geht der Blick hinauf zum Waldrand. Gegen die tiefstehende Sonne zeichnet sich die Silhouette eines Pferdes ab. Aufmerksam dreht es den Kopf zum Neuankömmling mit der Kamera. Seine helle Mähne glänzt silbern im Gegenlicht.

Nein, wir sind nicht in Montana, sondern im Pfarrwald von Alteglofsheim. Und dort oben späht kein Aufpasser einer Herde wilder Mustangs ins Tal, sondern Anna, die Haflingerstute. Zusammen mit ihrem Besitzer Korbinian Arzberger ist Anna hier in Eiseskälte bei der Arbeit. Die beiden schleppen als eingespieltes Team Baumstämme durch den Forst.

Arzberger ist Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Regensburg-Süd. Seine Waldbauern bewirtschaften seit zehn Jahren die rund 150 Hektar Kirchenholz, die südlich der Donau zum Bistum Regensburg gehören. Dazu zählen auch die 14 Hektar Wald, die die Pfründestiftung Alteglofsheim rund um den früheren Brunnen des Schlosses besitzt.

Anna versteht gesprochene Befehle

Zusammen mit Revierförster Konrad Purreiter hat Kirchenpfleger Albert Furthmeier in der Nähe des Trimmpfads schwache Fichten herausgesucht und markiert. Forstunternehmer Josef Liebl fällte die 40 bis 60 Jahre alten Bäume, damit die verbleibenden Fichten mehr Wachstumschancen erhalten.

Für den Abtransport zum unteren Forstweg sorgt Anna. Anna ist ein Arbeitspferd, das sogar bei der Berufsgenossenschaft gemeldet ist. Waldbauer Arzberger kettet drei schlanke, rund fünf Meter lange Stämme an das Zuggeschirr, während die Stute ruhig mit einem Auge das Geschehen hinter ihr verfolgt. Gelassenheit bei fremdartigen Situationen und Geräuschen hat ihr Arzberger schon von klein an antrainiert.

Und er lenkt sie mit Sprache, nicht mit dem Zügel. Anna versteht die alten bayerischen Kommandos wie Hott oder Wista und geht brav rechts und links, vor und zurück. Ständig Kommandos sprechend folgt Arzberger seinem Pferd. Das versteht sogar, wenn es einen Schritt zur Seite machen oder über einen Baum steigen muss, sagt Arzberger stolz.

Schonung für den Waldboden

Nach ein paar Mal bergab weiß Anna schon selbst, wo es langgeht. Sie zieht ihre Fuhre so schnell und zielsicher zwischen den Bäumen ins Tal, dass Arzberger ihr über den schneebedeckten Waldboden kaum hinterherkommt. Sollte die Stute mal an einem Wurzelstock hängenbleiben, weiß sie genau, was sie tun muss, um ihren Transport wieder flottzubekommen. Zur Sicherheit behält Arzberger aber immer die Zügel in der Hand. Denn manchmal hat Anna doch ihren eigenen Kopf. Dann muss der 29-Jährige mit den Leinen korrigieren.

Nur ein paar Schleifspuren zeugen von Annas Arbeit, als der Teilhang vom gefällten Schwachholz befreit ist. Im Frühjahr wird nichts mehr auf die Waldarbeit hindeuten. Dieser ökologische Aspekt steckt hinter dem Einsatz der Haflingerstute. Das Pferd wiegt weniger als ein Traktor und es ist wendiger. Es verletzt beim Abtransport keine verbleibenden Bäume und es pflügt keinen tiefen Schneisen in den Boden. Im Pfarrwald Alteglofsheim müssen durch den weitgehenden Verzicht auf Maschinen auch weniger Rückegassen angelegt werden. Daher kann mehr Holz auf dem Boden stehen. Unten am Rückepfad lädt ein Kran die Stämme auf. Ein Teil der Stämme wird als Leimbinder verkauft, ein Teil als Brennholz. Abnehmer sind Sägewerke der Umgebung. Kirchenpfleger Furthmeier hilft mit der Motorsäge mit. Er befreit die Stämme vom Feinmaterial. Das darf als Biomasse im Wald zurückbleiben. Und er macht auch gleich Brennholz, damit es der Pfarrer warm hat. Denn natürlich heizt Pfarrer Kienberger mit Holz aus seinem Wald.

Nachhaltig ist solche Pferderückung auf jeden Fall. Wegen geringerer Ernteschäden und höherer Baumzahl ist sie sogar langfristig absolut konkurrenzfähig, ist sich der Waldbauern-Geschäftsführer sicher. Aber selbst die Forstwirtschaft plant inzwischen nur in kurzen Dimensionen. Da ist Arzberger froh, dass die Kirche als Partner für naturnahe Bewirtschaftung traditionell in langen Zeiträumen denkt. Eine Nische wird Pferderückung auch wegen der langen Ausbildung für die Pferde bleiben. Bis zu vier Jahre dauert es, bis ein ruhiges aufmerksames Pferd entsprechend trainiert ist. Bei Arzberger, der daheim zwölf Pferde im Stall hat, ist Anna die einzige, die das spielend beherrscht.

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